Waldgeflüster

Sonntag, 11. Juni 2017

Litha 2017 - Trauer ist der Preis für Liebe




Sommersonnenwende - Mittsommer 
Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur. 

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft'gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.

von Ludwig Uhland (1787-1862)

Ist es nicht herrlich draußen? Schaut nicht so auf meine Füße. Ich laufe um diese Jahreszeit immer Barfuß. Nur so spürt man, dass der Boden schön warm ist und lebt. Bei jedem Schritt wird einem bewusst, dass es Sommer ist. Spürt ihr die warme Luft auf eurer Haut? Spürt ihr den Wind der die Kirschen im Baum tanzen lässt? Ist es nicht herrlich? Die ersten Glühwürmchen tanzen abends in den Lüften und verzaubern die Welt. Unwirklich erscheint sie mir dann. In einer Welt in der Hektik und Stress an der Tagesordnung sind… in der Qualität regiert … da tanzen Glühwürmchen. Es kommt mir dann wie eine ganz eigene Zauberwelt vor. Aber so geht es mir nicht allein. Schon William Shakespeare hat sich von
dieser Jahreszeit inspirieren lassen. Kennt ihr den „Mittsommernachtstraum“ von ihm? Mit den Feen und Elfen und Puk? Nein? Dann kann ich euch dieses Werk wirklich empfehlen. Es wird euch zum lachen bringen aber auch an manchen Stellen nachdenklich stimmen.
Nachdenklich stimmen… das erinnert mich an etwas. Bald ist ja schon wieder Litha. Alban Hefin wie die Druiden sagen. Die Sommersonnenwende. So weit ist das Jahr schon wieder fortgeschritten. Haben wir nicht eben noch das zurückkehrende Licht gefeiert? Und jetzt? Jetzt sollen die Tage schon wieder kürzer werden? Jetzt schon? Die Zeit vergeht so schnell. Ich habe letzte Woche einen Spruch gelesen, der mich nachdenklich gestimmt hat und auch an diese Zeit erinnert hat.

Trauer ist der Preis den wir für Liebe zahlen müssen.

In ihm steckt so viel wahres. So sehr ich den Frühling und Sommer auch liebe, um so wehleidiger werde ich, wenn der Herbst wieder naht und wenn die Tage wieder kürzer werden. Nur wer wirklich liebt, kann so etwas wie Trauer überhaupt empfinden. Wenn mir die Jahreszeiten egal sind, so wird mir auch der Wechsel in die dunkle Jahreszeit nicht schwer fallen. Natürlich werde ich den Übergang spüren, aber es wird mich nicht melancholisch machen. Ja, aber warum liebt man denn dann? Wenn es einem am Ende nur Schmerz bringt? Das habt ihr treffend gefragt. Nun, ich kann nur von mir aus sprechen. Ich liebe gern. Ich liebe das Leben, mein Leben und alles was dazu gehört. Ich liebe die Natur mit ihren kleinen und großen Wundern. Ja, ich liebe. Und zwar im vollem Bewusstsein, dass dazu auch Schmerz und Trauer gehört. Natürlich wäre mein Leben einfacher, wenn es keinen Schmerz und keine Dunkelheit geben würde. Aber ich finde, es gehört einfach dazu. Was wäre denn ein Frühling, wenn man die Farben nicht zu schätzen wüsste? Die Gerüche? Was wäre der Sommer, wenn man an einem Getreidefeld einfach so vorbeigehen würde ohne innezuhalten und den wahren Reichtum zu erkennen? Was wäre die Liebe zu einem Mann, wenn man Oberflächlich fühlen würde? Es wäre nur halb gelebt. Und so wie man nicht halb leben kann (entweder ganz oder gar nicht), kann man auch den Jahreskreis nicht halb haben. Licht und Dunkel… Sommer und Winter… alles kommt und geht und muss im Einklang bleiben. Auch Trauer und Liebe. Und so wird auch dieser Sommer einmal vergehen. Das ist der Preis den wir für die Liebe zahlen müssen. Aber wir können uns sicher sein, dass der nächste Frühling schon auf uns wartet. Und noch ist Sommer. Ihr solltet jetzt nicht vor dem PC sitzen. Geht raus. Liebt! Genießt die Natur. Legt euch ins Gras und schaut den Wolken zu. Setzt euch an einen kühlen Bach und taucht eure Füße hinein. Beobachtet die Glühwürmchen. Liebt mit allen Sinnen!



Und wenn am 21.06 die längste Nacht anbricht, so geht hinaus und sammelt 9 Kräuter. Bindet euch daraus ein
Sträußchen und legt ihn in der Mittsommernacht unter euer Kopfkissen. Schafft euch eine Erinnerung an den Sommer. Sammelt Johannsikraut, Beifuß, Nachtkerze, Königskerze, Blutwurz, Nelkenwurz, Fieberklee, Ginster und Rainfarn und trocknet die Kräuter und bindet daraus Sträuße. Sie werden euch gut durch die nahende Dunkelheit führen. Gerade das Johanniskraut in der Mittsommernacht gepflückt hat eine enorme Kraft. Aber vorsicht! Man sollte es vermeiden in dieser Nacht auf Johanniskraut zu treten. Das macht den Elfenkönig und sein Gefolge wütend und man wird für ein Jahr und einen Tag ins Elfenreicht entführt. Und streut man sich Sporen des Rainfarns über den Körper, soll man sogar unsichtbar werden. So machen es angeblich die Elfen. Woher ich das weiß? Na sie haben es mir in der letzten Mittsommernacht zugeflüstert.
Es ist Sommer! Genießt ihn! Auch ich werde am 21.06 ums Feuer tanzen und so viel Sommer tanken wie ich kann. Natürlich werde ich mit den Feen und Elfen tanzen und feiern und den ein oder anderen Hollundertrunk zu mir nehmen. Wer weiß, was sie mir zu fortgeschrittener Stunde dann wieder erzählen. Ich werde es euch ganz genau Berichten :) Versprochen

Blessed be! 
Eure Hexe