Waldgeflüster

Mittwoch, 22. Februar 2017

Frühlingsspaziergang


Wer jetzt mit offenen Augen durch die Welt geht, der wird die großen und kleinen Wunder der Natur erleben. Seien es die Weidenkätzchen oder ersten Schneeglöckchen die mutig ihre Köpfchen durch die Erde drücken und sich ihren Weg ins Leben zurückkämpfen, oder einfach die ersten Vögel die am Morgen wieder ihr Lied anstimmen. Für mich ist es eine wahrhaft magische Zeit.
Als Kind verbrachte ich viel Zeit in der Natur und auch heute noch spüre ich, wie sie mich magisch anzieht. Natürlich besuche ich vor allem meine Wälder. Als kleines Mädchen dachte ich immer, dass der Wald eine riesengroße Kirche ist. Ich habe hinauf gesehen in die Wipfel und habe mir vorgestellt, dass sie das Dach bilden.  Das ein umgestürzter Baum der Altar wäre...
Versucht es einmal... geht mit offenen Augen eines Kindes durch den Wald und ihr werdet mit Sicherheit auch eure ganz eigene Kirche finden. Dabei ist es egal, an welchen Gott, Göttin oder Götter ihr glaubt. Darum geht es nicht. Es geht um die heiligen magischen Orte die schon unsere Ahnen kannten und verehrten. Magische Haine... Magische Tempel mitten in der Natur...



Diese ganz besondere Zeit des Erwachens verbinde ich gerne mit einem Gedicht, welches ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte:

Es ist der Wald wie eine Kirche
drum geh mit Andacht Du hinein,
dort singen Vöglein frohe Lieder,
mit Deinem Gott bist Du allein!

Dort findest Du Dome, weite Hallen,
doch auch Kapellen, groß und klein,
drin laden moosbedeckte Bänke
zur stillen Andacht freundlich ein.

Da schau Dich um ringsum im Kreise,
wo stolz die Waldriesen stehn,
Du wirst die Allmacht Deines Gottes
an jedem Baum und Strauche sehn!

Du wirst verstehen der Bäume Lispeln
der Vöglein Stimmen rings umher,
es liegt im Wald ein tiefer Zauber,
er stärkt das Herz, wenn es Dir schwer.

So wenn ein Leid Du willst vergessen,
ja selbst erflehen eine Gnad,
geh nur hinein in des Waldes Mitten,
Du findest stets den rechten Pfad.

Es stehen die Tore allzeit offen
Zu Deinem Dom im duftigen Hain,
kannst weinen, beten dort und hoffen,
und auch vergessen...
Tritt nur ein!

Georg Ludwig Friedrich Wilhlem Graf zu Münster (1776-1844)