Waldgeflüster

Freitag, 13. Januar 2017

Wassail - die alten Pfade gehen


Going old Ways… „Wassail“


Ohweh! Jetzt haben wir doch glatt alles verschlafen… Yule, das neue Jahr einfach alles. Es ist ja schon wieder mitten im Januar. Aber so ist das eben, wenn der alte Druide und seine Hexe sich zum Winterschlaf in ihren Traumreich- Wald zurückziehen. Aber macht euch keine Sorgen, uns geht es sehr gut. Wir genießen die Zeit in unserem dunklen Wald. Aber so dunkel ist er gar nicht mehr. Fällt euch auf, dass die Tage jetzt jeden Tag schon wieder länger werden? Seit der Wintersonnenwende ist die Helligkeit schon wieder 22 Minuten länger jeden Tag bei uns. So schnell geht das.

Nun, ihr habt mich wissen lassen, dass ihr traurig darüber seid, dass ich euch keine Geschichte zum neuen Jahr erzählt habe. Das tut mir von ganzem Herzen leid. Die alte Hexe hat einfach geschlafen. Aber ich habe heute etwas ganz schönes für euch. Denn natürlich kennen wir Hexen auch Feste, die fast vergessen sind und die nur noch von ganz wenigen Leuten gefeiert werden. Und genau so ein Fest wird bald gefeiert. Auch bei uns im Traumreich-Wald.

Wusstet ihr, dass die Druiden auch eine Art „Weihnachten“ feiern? Jetzt sagt ihr bestimmt, dass sie das doch bestimmt schon gefeiert haben,… aber das ist nicht richtig. Sie feiern es noch.
Um euch von diesem Fest zu erzählen, muss ich ein wenig ausholen.
Ich habe durch meine Eulen erfahren, dass letzte Woche wieder Sternsinger unterwegs waren. Ihr wisst schon. Kinder als die drei heiligen aus dem Morgenland verkleidet die euch gute Wünsche für das neue Jahr bringen und mit ihren Kürzeln eure Häuser segnen. Wusstet ihr denn, dass dieser Brauch gar kein Christlicher ist? Nein? Dann war meine Vermutung richtig und euch wird meine Geschichte (die eigentlich eine wahre Tatsache ist) gefallen. :)

Der Brauch ist viiiiel älter als das Christentum. Aber Häuser mit Kreide anzumalen, das kannten die Menschen damals noch nicht. Der Brauch hieß auch nicht immer Sternensingen, sondern „Wassail“. Es handelt sich hier um einen sehr alten überlieferten Brauch der Baum-Segnungen. Das Wort „Wassail“ kommt aus dem Alt Englischen für „waes hael“ was so viel bedeutet wie „bleib gesund“. Googelt ihr danach, werdet ihr schnell fündig, dass auch ein Getränk aus Cider so genannt wird. Und auch dieses Getränk spielt bei unserem Segen eine wichtige Rolle.
„Wassail“ wird traditionell in der „12. Nacht“ gefeiert. Viele feiern das Wassail daher schon am 6. Januar. Nach altem Kalender am 17. Januar. Es ist das erste keltische Fest im Jahr. Allerdings ein nur noch wenig bekanntes. Das muss man zugeben. Es ist die Zeit, wenn der an Mitwinter geborene Gott ein junger Mann wird und die Göttin wieder zum jungen Mädchen wird. Eine Zeit des Wachsens und Werdens. Eine Zeit, in der vieles erwacht und wieder in seine Kraft kommt. Auch die Natur.

Die Arbeit mit Bäumen und der Natur im allgemeinen war schon seit jeher wichtiges Augenmerk der Druiden. Und so kam es auch, dass die Druiden in der heiligen 12. Nacht in die Wälder und auf die Wiesen zogen und die Bäume sanft aufweckten und sie segneten. Gerade die Apfelbäume lagen hier in ihrem besonderen Augenmerk. So kommt es auch, dass noch heute vornehmend die „Orchards“ also die kleinen Ansammlungen von Obstbäumen gesegnet werden. Warum ausgerechnet die Apfelbäume? Das fragt ihr euch? Nun, die Antwort ist einfach. Neben der Eiche ist der Apfelbaum einer der wichtigsten und magischsten Bäume der Druiden. Wenn ihr mit offenen Augen durch die Natur geht, dann erkennt ihr sehr viele Misteln an den Apfelbäumen. Sie sind magische Bäume. Denkt mal an Merlins Insel oder Avalon. Beides sind „Apfelinseln“. Der Apfel ist Sinnbild für das Leben. Auch für unser eigenes. Die Bäume, die Lebensspender, gelten daher als Heilig.
Und so kommt es, dass die Druiden damals (wie heute) auszogen, und ihre Bäume besuchten. (kommen daher die Neujahrsbesuche die im Norden Deutschlands noch immer fester Brauch sind? Man besucht sich und wünscht sich alles Gute für das neue Jahr). Der älteste Baum wird aufgesucht und zum Hüter der anderen Apfelbäume ernannt. Er ist ab sofort der neue „Holy Tree“ im Orchard. Ihm werden Lieder gesungen und es wird um ihn herum getanzt.

Übrigens hat sich dieses Tanzen in den vielen Jahren sogar bei uns erhalten. Früher wurden den „Morris Dancern“ Schellen an die Füße gebunden und durch Rhythmisches Springen sollten sie die Bäume leichter aufwecken. Noch heute sieht man in der Fastnacht oft Maskenträger mit Schellen an den Beinen die den traditionellen Morisken-Tanz aufführen. Diese Morris Dancers waren ursprünglich diejenigen, die von Haus zu Haus zogen und Schabernack trieben um die bösen geister zu verjagen. Na gut- und um den ungeliebten Nachbarn einen Schrecken einzutreiben. Manche Stimmen sagen, dass die Krampusse auch aus diesem Brauch kommen. Denn die Morris Dancers sind oftmals Schwarz geschminkt und tragen Kostüme die weder Mensch noch Tier ähneln. Aber ich schweife ab. Vielleicht erzähle ich euch nächstes Mal noch mehr darüber.

In dieser Nacht- am 17. Januar gehen also die Druiden in die Wälder oder auf die Felder und wecken die Bäume sanft auf. (In Bayern machen die Bauern das übrigens an Lichtmess- Imbolc). Sie wünschen ihnen viel Kraft für eine gute Ernte und beten für sie. Bitten um Segen. Der letzte Apfel der letzten Ernte hängt dabei immer noch am Baum, denn es brachte Unglück diesen abzunehmen. Es war die erste Gabe und Rückzugsort für den neuen „Holy green Men“. Viele der Druiden bringen auch Cider in weißen Ahornschalen (den traditionellen Wassail-Bowls“) mit und gießen damit die Erde. Sie geben der Natur ein wenig davon zurück, was sie über den Winter gebracht hat. Sie teilen ihre Kraft mit Mutter Erde und machen sich so klar, dass nur eine gute Ernte auch Leben bringt. In so vielerlei Hinsicht.


Ich möchte euch heute den Text dieses Segens beibringen. Vielleicht habt ihr auch Lust auf alten Spuren zu gehen und am 17. Januar hinaus zu den Bäumen zu gehen um die Bäume sanft aufzuwecken und für sie Beten und um Segen bitten. Wenn ihr das ganze Ritual haben möchtet, dann schickt mir einfach eure Eule zu mir und ich werde es ihr gerne für euch mitgeben. (E-Mail).

„Liebe und Freude mögen zu euch kommen,
und auch zu eurer Segnung;
Und die Götter mögen euch segnen
und euch durch ein neues Jahr begleiten.

Guter Herr und gute Herrin,
während ihr am Feuer sitzt,
denkt bitte an eure Kinder- die Bäume
und an das, was sie hervorbringen.

Blessed be, Blessed be, Blessed be! „


Dieses Lied gibt es in verschiedenen Varianten. Ich habe hier das genommen, welches wir von unserem Druiden-Orden bekommen haben :)

Übrigens sagt man, dass die Druiden in dieser Nacht mit ihren Klingen der Sicheln gegen die noch übrigen Misteln geschlagen haben – ganz behutsam natürlich. Es soll dann ein Ton zu hören sein, der wahrlich magisch ist und euch in Trance bringen kann. :)

Wir wünschen euch eine magische „Wassail-Nacht“