Waldgeflüster

Dienstag, 18. Oktober 2016

Samhain 2016 : „Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten“


Riecht ihr das? Herbst ist es nun. Im Wald riecht man nun deutlich den Pilzigen Erdboden und den leichten Moder-Geruch des welkenden Laubes. Die Tiere ziehen sich müde in ihre Höhlen zurück und von der Hektik der Erntezeit ist nicht mehr viel zu spüren. Still wird es. Ruhig wird es. Mutter Natur zieht sich zurück.
Und auch wir machen es wie sie. Wir gehen in die Häuser, entzünden ein Feuer im Ofen und genießen den Anblick und die wohlige Wärme mit einer schönen heißen Tasse Kräutertee. Ich liebe diese Jahreszeit, ihr nicht auch?
Gestern Abend – als wir so gemütlich beisammen saßen und uns unterhielten, hörte ich ein Geräusch, welches ich schon lange vermisst hatte. Der Wind heulte.
Erst ganz zaghaft und dann immer stärker und mit brausen meldete er seine Rückkehr an. Die Zeit der Herbst-Stürme beginnt. Für mich als Fischköpfin immer eine der schönsten Zeiten :) Aber ich weiß von Freunden und Bekannten, dass sie oftmals auch Angst vor dem Wind und seinen unberechenbaren Stürmen haben.
Und als ich also gestern dem Wind lauschte, kam mir ein Satz in dem Kopf, den ich auf einer Postkarte fand. Ein Chinesisches Sprichwort:

„Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten“

Ein Satz, über den ich zu erst richtig nachdenken musste. Geht es euch auch so? Als erstes kam mir die Frage nach meinen eigenen Wurzeln in den Sinn. WAS sind eigentlich meine Wurzeln? Was hält mich und lässt mich wachsen? Was gibt mir Kraft? Was verwurzelt mich in meinem Leben?
Ich sah mir dann ein Bild von einem Baum mit Wurzeln an und sah, dass es nicht nur eine Wurzel gibt, sondern viele Wurzeln. Kleine und Große, dicke wie dünne. Ich sah mir die Wurzeln an und versuchte, meine Wurzeln zu benennen, ihnen Namen zu geben. Ihr solltet es versuchen, ihr werdet staunen, was dabei herauskommt.
Nehmt euch hierzu ein Blatt und malt ihn auf, euren ganz eigenen Baum. Und dann gebt ihm Wurzeln und schaut sie euch an, gebt den Wurzeln Namen.
Wie tief müssen die Wurzeln eines Baumes gehen, damit er Standfest bleibt?

Jetzt sagen mit Sicherheit einige, dass sie keine Wurzeln haben, dass ihre Familie quasi nicht mehr existiert und sie die Ahnen gar nicht gekannt haben. Das macht nichts. Denn dann schaut einfach, was euch momentan Kraft gibt und euch Wachsen lässt. Welche Menschen euch verwurzeln, oder welche Eigenschaften oder Kraft-Attribute. Vielleicht möchtet ihr auch an Samhain euch an einen ganz speziellen Ahnen erinnern, ihn wieder in euer Leben holen? Etwas über ihn erforschen und euch so mit ihm verbinden?
Wenn ihr fertig seid, dann schaut auf euer Werk und stellt euch vor, dass ein Herbstwind kommt und euch umwehen will. Könnte er euch etwas anhaben? Wenn ja, woran liegt es? Wo braucht ihr mehr Wurzeln?
Marcels Wurzelvision
 - versucht es- malt euren eigenen Baum
mit euren eigenen Wurzeln
Die dunkle Jahreszeit kommt und es ist wichtig zu sehen, ob ihr stark genug seid durch diese Zeit zu gehen, ohne Verletzungen zu erleiden. Depressiv zu werden etc.
Es ist nie zu spät sich neue Wurzeln zu erschaffen. Egal ob durch Rituale oder Erlebtes, durch Erinnerung oder andere Menschen.
Die Norddeutschen leben mit dem Wind schon seit Jahrtausenden. Und sie vertrauen auf ihre Wurzeln und darauf, dass das Haus auf einem guten Fundament gebaut ist – bzw gut verwurzelt ist.
Natürlich haben wir auch Angst wenn es stürmt. Wobei ich das Wort Angst nicht mag. Es ist eher Respekt vor den Naturgewalten. Und den sollte man immer haben!
Die dunkle Jahreszeit beginnt jetzt. Die Winde heulen über das Land und treiben uns in die Häuser. Sie treiben uns zurück in uns selbst. Sie zwingen uns auf eine Liebevolle Weise in uns zu gehen und zu reflektieren, und um an uns zu arbeiten.

Habt Vertrauen zu euch und euren Wurzeln! Dann braucht ihr den Wind nicht zu fürchten!

Blessed Samhain!