Waldgeflüster

Donnerstag, 1. September 2016

Über echte magische Äpfel

Heilige, lebensspendende Äpfel

Kennt Ihr das nicht auch, daß sehr häufig in Geschichten, Mythen und Märchen den Äpfeln magische Eigenschaften angedichtet werden? Es gibt da einen Apfel der Erkenntnis in der Bibel (der manchmal nur "Frucht" der Erkenntnis genannt wird),  einen Apfel aus einem wohlbekannten Märchen, der Schneewittchen -nun ja- tief betäubt und sie in einen todesähnlichen Zustand versetzt. Die Äpfel der germanischen Göttin Iduna wirken heilend und verleihen ewige Jugend, andere Äpfel erwecken Tote wieder zum Leben, verwandeln Menschen in Tiere oder vergiften einfach nur.

Sind alle diese Äpfel denn verzaubert worden, um ihre magischen Eigenschaften zu erlangen oder wachsen sie einfach so und man muß nur wissen, wo sie zu finden sind ?
Darauf habe ich eine ganz einfache Antwort: ja, sie wachsen einfach so und man muß nur wissen wo. Und vor allem muß man wissen, was man unter einem "Apfel" zu verstehen hat !

Ich habe mich schon lange Zeit gewundert, warum viele Pflanzen einen "Apfel" in ihrem Namen tragen.  Haben sie doch mit einem Apfelbaum wirklich nichts zu tun. Ihr habt sicherlich schon vom Paradiesapfel gehört, der eigentlich kein Apfel ist sondern eine paradiesisch-verführerisch rote Tomate ? Ein Granatapfel, der zugegebenermaßen wie ein Apfel aussieht, den man aber nicht wie einen Apfel essen kann...? Der unglaublich bittere Gallapfel, der an manchen Blättern von Bäumen heranwächst und mit dessen Inhaltsstoffen man schreibfähige Tinte machen kann ? Der Stechapfel, als Pflanzenname noch heute gut bekannt und ein wenig berüchtigt wegen seiner hohen "Giftigkeit" und seines Einsatzes zu zeremoniellen Handlungen... ?

Es ist tatsächlich so, daß zu alter Zeit so ziemlich alles, was keine Nuß war, einfach "Apfel" genannt wurde. "Apfel" bedeutete einst einfach nur "runde Frucht" - geblieben ist heute fast nur die Frucht des Apfelbaumes in unserem Sprachgebrauch, der Apfel-Apfel. Er wurde durch Züchtung und Hege veranlaßt, immer größere Früchte zu tragen. Ursprünglich sind auch Apfel-Äpfel recht klein gewesen. Schöne große, recht feste und süß-saure Beeren :-)

Ihr glaubt mir nicht ? Es gibt eine Quelle wundervoller Überlieferungen und Wortdeutungen aus alter Zeit - das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm, in dem es über den Apfel heißt:

"Apfel ist uns ... im allgemeinen auch andere rund und voll hängende Frucht, wie die Zusammensetzungen Eichapfel, Gallapfel, Fichtapfel, Tannapfel, Kienapfel, Schlafapfel, Erdapfel dartun. An der Blume nennt man Apfel den Samenbehälter"

Aha, sogar Samenkapseln von Blumen sind demnach Äpfel genannt worden ? Na dann ist doch alles klar - magische Äpfel gibt es überall, man muß nur wissen um welchen Apfel es sich dabei handelt. Also was er bewirkt.

Es gibt noch einige alte Bezeichnungen von Äpfeln verschiedener Art, die beschreiben, wozu der jeweilige Apfel geeignet ist. Ich meine jetzt nicht unbedingt den gallenbitteren Gallapfel oder den unterirdisch wachsenden Erdapfel (die Kartoffel) oder der pieksige Stechapfel. Es gibt beispielsweise den Schlafapfel - die Früchte der Alraune oder Mandragora, einem Nachtschattengewächs wie die Tollkirsche. Riecht man an den Früchten der Mandragora, so heißt es, so bekommt man einen tiefen Schlaf. Die Tollkirsche wurde aber ebenfalls Schlafapfel genannt.

Ein weiteres Apfel-Rezept aus der Antike ist z.B. ein Apfel , die die Schwangerschaft einer Frau ermöglicht. Der griechische Sonnengott Helios bzw. ein Mönch gibt ihn einer Frau, die keine Kinder bekommen konnte unter der Bedingung, daß er das Kind dann jedes Jahr zur Hälfte bei sich haben dürfe. Welcher Apfel das wohl gewesen sein mag ? Ein Liebes-Apfel ? So werden sowohl Tomaten als auch schon wieder die Alraunen genannt.

Mir scheint, daß die Nachtschatten-"Äpfel" als besonders magisch galten: Tollkirsche, Alraune, Stechapfel, Wolfsbeere, Bilsenkraut und schwarzer Nachtschatten aber auch Tomate , Tabak und Kartoffel gehören zur gleichen Familie, viele von Ihnen hatten einst mehr oder weniger poetische Apfel-Namen ...

Es ist für mich im Nachhinein sehr interessant und spannend, wofür "Äpfel" in Märchen denn so gebraucht wurden - und welche Pflanzen-Frucht sich wohl dahinter verborgen haben mag. Denn in den Geschichten sind es immer nur "Äpfel", aber mit entsprechenden magischen Wirkungen.
Nur wissen wir jetzt, daß nicht nur Apfelbäume wirkungsvolle Äpfel hervorbringen... !

Inspiriert vom Buch
"Die Magie der verbotenen Märchen, von Hexendrogen und Feenkräutern",
Autor Sergius Golowin, Merlin Verlag

Gehabt Euch wohl
Euer ilfur