Waldgeflüster

Freitag, 5. August 2016

Erbsen, Bohnen, Wicken, Klee - die Schmetterlingsblütler

Wunderschöne Farben: Blüten der Frühlings-Platterbse
 (Lathyrus Vernus)
Neulich sah ich in einer Folge von "Welt der Wunder" einen Fernsehbericht über das Überleben in unseren Wäldern. Dort wurden verschiedene Pflanzen gesucht, lecker zubereitet und genossen. Schilfrohr zum Beispiel, das wie Lauchgemüse gegart wurde und mit wilder Möhre kombiniert. Sauerklee und mit Händen entnesselte Brennnesseln, zum Salat bereitet mit einem Dressing aus geraspeltem Douglasienharz. Wohl sehr lecker !
Und dabei überlegte ich , was man denn noch so essen könnte, was ungiftig ist und einfach so satt macht, ohne daß man es groß vorbereiten und zubereiten muß. Unter anderem ganz klar: Bohnen und Erbsen. Und ja freilich, die wachsen nicht nur in Dosen im Kaufladen heran !

Sonst kennt man sie ja nur aus dem Kaufladen: grüne Bohnen mit Schote, Erbsen ohne Schote,
Feuerbohnen, Sojabohnen, weiße und braune Bohnen und ich viel mehr. Und alle haben sie drei Dinge gemeinsam: man kann sie essen, sie wachsen in Schoten heran, und ihre Pflanzen sehen wirklich sehr schön aus. Mit buntesten Blüten, geformt wie Schmetterlingsflügel. Weswegen sie auch alle "Schmetterlingsblütler" heißen.

Zugegeben, in wilder Form geraten die Erbsen und Bohnen nicht sehr groß. Aber schmecken tun sie genauso! Ihre Schoten enthalten viel Proteine, und bestimmte Sorten wie die Wiesen-Platterbse werden gerne als Alternative dem Viehfutter zur Mast beigemischt.

Die Wiesen-Platterbse, Lathyrus Pratensis.
Leicht zu verwechseln mit hohen Kleesorten,
aber das macht nichts !

Erbsen aus südlicheren Gefilden wurden gerne zu rein optischen Zwecken bei uns eingeführt und angebaut. Natürlich sind auch diese essbar, wenn man sie findet, und sie haben teilweise deutlich größere Erbsen bzw. Bohnen bzw. Schoten - je nach Sichtweise anders benannt :-)

Hier zum Beispiel die breitblättrige Platterbse,
bei ihr sind sogar die Stengel abgeflacht und beinahe so breit wie Blätter...


Wir haben hier bei uns eine weitere wilde "Bohnensorte", die Zaunwicke - nicht die Zaunwinde mit den weißen Trichterblüten. Ihre Schoten sind etwas zäher als die der Platterbsen, aber auch größer. Und ich denke, gekocht sind sie kein Problem mehr. Die als Nutzpflanze angebaute Ackerbohne steht ihr ganz besonders nah, beide Sorten gelten als "Wicken". Auch die Zaunwicke wird gerne als Futtermittel genutzt - viel Eiweiß, und macht satt. Ich mag sie einfach gerne anschauen, ihre feder-artigen Blätter und die beweglichen Spitzen, mit denen sie sich gern irgendwo festklammert.

Zaunwicke (Vicia sepium) - mit grünen, essbaren Schoten, gefiederten Blättern und kleinen Winden-Fortsätzen oben in Blütenhöhe. Damit sie nicht so leicht vom eigenen Gewicht umkippen, können sie sich damit irgendwo festhalten
Und die Vogelwicke (Vicia cracca) - einfach ein paar Blüten mehr.
Hier sind ihre schönen fiedrigen Blätter gemischt mit denen von Zaunwinden...
(giftige!) Lupinen aus dem Pflanzenkatalog;
ein eigenes Bild folgt noch nach!
Und dann gibt es da noch die sehr engen Verwandten, die Lupinen. Sie sind aus fremden Landen zu uns gekommen und hielten wegen ihrer schönen Blüten und düngenden Eigenschaften Einzug in unsere Gärten. Mancherorts findet man sie verwildert in großer Zahl an Wegrändern. Die wenigsten Lupinen sind essbar, gerade die wilden Formen enthalten zu viel vom Stoff "Lupinin", und der verursacht in höherer, unbekannter Dosis Atemlähmung. Schmeckt die Erbse bitter: Finger weg!

Nur die Zuchtformen der "Süßlupinen" sind relativ ungiftig, ihre Samen können als Snack genossen werden. Zu den Süßlupinen gehören unter anderem die weißen und die gelben Lupinen. Aber warum sich damit herumschlagen ? Nehmt doch lieber Erbsen oder Zaunwicken !
Obendrein haben Menschen, die allergisch reagieren auf Erdnüsse, Lakritz / Süßholz usw. mit den meisten Schmetterlingsblütlern ein Problem: es handelt sich um die gleiche Pflanzenfamilie !


Der Hornklee,
Blüten zum verwechseln ähnlich
der Wiesen-Platterbse.
Sehr häufig anzutreffen...
Hier der "Habitus" des Hornklee,
die Pflanze mit Stengeln und Blättern. Und ja,
ihre "mini-Bohnen" kann man essen.

Angedeutet: der Feld-Klee.
Bei mir wachsen Zaunwicken,
Feldklee, Hornklee und
Rotklee friedlich nebeneinander
im Garten... eine schöne
Dünger-Rasenmischung :-)
 Erinnert Ihr Euch noch (weiter oben...) an die Wiesen-Platterbse mit ihren gelben Blüten? Sie ist manchmal kaum zu unterscheiden von einigen Klee-Sorten, die es so gibt. Klar kennt Ihr alle die dreiblättrigen, ganz selten vierblättrigen Klees, die klein am Boden wachsen. Aber die hochgewachsenen Klees, die sind wirklich fast identisch zu den Erbsen. Zum Beispiel der gelbe Feldklee, der hohe Steinklee und ganz besonders der Hornklee ! Aber es ist überhaupt nicht schlimm, diese Pflanzen miteinander zu verwechseln. Man wird am Klee oft nur keine Schoten finden, aber ungiftig und nahrhaft sind sie allesamt. Klee-Sorten sind zwar Schmetterlingsblütler, aber manche Klees sind keine "Hülsenfrüchtler" mehr, das wäre ihre Unterfamilie. Dochdoch, wenn Ihr genau hinschaut haben einige Klees, eben die am ehesten wie Platterbsen aussehen, am Ende ihrer Blütezeit tatsächlich kleine Schoten ausgebildet...

Der Rotklee, oder auch Wiesenklee.
Typisch: drei Blätter pro Stengel,
daher auch der lateinische Name
 "trifolium pratense", Wiesen-Dreiblatt.
Die meisten Klees heißen "trifolium";
manche, die eher wie Erbsen
aussehen, werden "Melilotus"
genannt,  z.B. der Hohe Steinklee,
Melilotus altissimus
Es gibt gar viele Kleesorten, und weit verbreitet sind sie ja auch - Rotklee und Weißklee kennt Ihr sicher von überall her. Und ja, auch dieses Familienmitglied ist eßbar und in Ergänzung zu den anderen Verwandten sogar heilsam! Seine Gerbstoffe reinigen die Verdauung, er wirkt gegen Gicht und Rheuma, und auch eine krebshemmende Wirkung wird ihm zugesagt.
Da mußte ich erst meinem
Gefühl  vertrauen.
Die Hauhecheln gehören
tatsächlich zu den Klee-
Sorten ("Trifoliae")!
Gestatten: Ononis.
Ononis Repens,
kriechender Hauhechel.
Wobei ich in diesem Fall lieber "rote Beeren" (Heidel-, Brom-, Himbeeren, auch Kirschen) empfehlen würde mit ihrem besonders hohen Gehalt an vorbeugenden Anti-Oxidantien.

Dann gibt es noch den Hasen-Klee, Erdbeer-Klee, Sauerklee... - halt stop! Sauerklee ist leider gar kein Klee, d.h. kein Schmetterlings-blütler. Er sieht nur wegen seiner Blätter so aus. Aber auch ihn kann man essen, er enthält nur andere Wirkstoffe und ist wirklich spürbar sauer - und lecker. Ein weiteres Pflänzchen für das Überleben im Wald, wächst er dort besonders gern.

Wald-Sauerklee auf einem moosigen Stein. Eigentlich keine Klee-Sorte, das merkt man schon an den Blüten.
Und auch am sauren "Vitamin-C" Geschmack. Den haben Klees nicht.

Also, laßt Euch die wilden Erbsen und den Klee schmecken, es müssen nicht immer die eingebürgerten Exoten sein wie Erdnüsse, Soja und so weiter. Da heimische Pflanzen manchmal in Vergessenheit geraten sind wirken sie noch viel exotischer, wenn sie doch mal auf dem Tisch landen...


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur