Waldgeflüster

Montag, 13. Juni 2016

Die Loreley - eine Hexe? Zauberin? Nixe? Und was hat Maria damit zu tun?

Der Loreley-Felsen (Aussicht von Maria Ruh)
 
Schon lange haben wir euch keinen Kraftort mehr vorgestellt. Es wird höchste Zeit. Darum hat sich die kleine Hexe auf ihren Besen geschwungen und besuchte einen sehr spannenden Ort mit wahnsinnig starken Energien.
Es handelt sich um die Loreley.
Die Loreley (Lorelei, Lore Lay, Lurley, Lurelei) ist ein Schieferfelsen im Oberen Mittelrheintal bei Sankt Goarshausen, Rheinland- Pfalz. Am rechten Rheinufer (am Rheinkilometer 555) prangt er hoch steil aufragend. Der Loreley-Felsen.
Wohl jeder kennt die Loreley-Sage aus seiner Kindheit. Wer hat nicht von ihr gehört? Von der Nixe – Loreley genannt- die auf einem Felsen sitzt und ihr langes blondes Haar mit einem goldenen Kamm kämmt und mit ihrem unglaublich schönen Gesang die Rheinschiffer anlockt. Diese beachteten die gefährlichen Felsen und Strömungen an der schmalsten Rheinstelle (und zugleich tiefsten) nicht und ihre Schifferboote zerschellten.

Meine Uroma sang mir auch immer das passende Lied dazu vor, welches es auch in Gedicht-Form von Heinrich Heine gibt:

Das Loreley Denkmal in St. Goar
Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen

Die Lore-Ley getan.

Der Name Loreley ist umstritten. Sicher ist man sich aber bei einem Detail. Die zweite Silbe „Ley“ stammt aus dem Keltischen und bedeutet Fels oder Stein. Der erste Teil des Names könnte von „Lurren“ aus dem mittelhochdeutschen abgeleitet worden sein, was „heulen“ oder „schreien“ bedeutet. Auch die Herkunft von dem mittelhochdeutschen „Lur“ = Elfe ist möglich. In diesem Falle handelt es sich um einen Elfenfelsen. Steht man an der Loreley und ruft, so hört man sehr deutlich ein 7 Faches Echo. In früheren Zeiten wurden dafür die Zwerge verantwortlich gemacht die in dem Felsen hausten. Schon seit je her suchte man Erklärungen für Dinge, die an der Loreley geschahen. So ging man davon aus, dass eine Sirene singen würde- denn hört man ganz genau hin, hört man tatsächlich komische surrende Geräusche, die einen in die Tiefe zu ziehen scheinen.

Ich weiß nicht, ob ihr das Gefühl kennt. Aber mir wurde an diesem Ort sehr unruhig zumute und ich wurde nervös. War irgendwie nicht ganz da. Fast habe ich mich verzaubert gefühlt. Und es ist anscheinend nicht nur mir so gegangen. Denn Clemens Brentano schreibt über die Loreley: Zu Bacharach am Rheine wohnt eine Zauberin, sie war so schön und feine und riß viel Herzen hin...
Loreley Denkmal in Maria Ruh

Einheimische erzählen, dass die Jungfrau Loreley eine sterbliche Ritterstochter war die in einer Burg auf jenem Felsen lebte. Ein junger schöner Ritter warb um das junge, schöne Mädchen und gewann ihre Liebe und das Jawort ihres Vaters. Der Hochzeitstermin stand schon fest aber der Ritter kam nie wieder. Man sagt, dass er schon dem nächsten Rock schöne Augen machte. Bei jedem Schiff welches den Rhein entlang kam rief sie: „Das mag mein liebster sein!“ So ging es Schiff um Schiff und mit der Zeit erfaßte wilder Schmerz das Herz der Jungfrau, Verzweiflung verwirrte ihre Sinne. Bei dem nächsten Vollmond sah sie wieder einen Kahn und rief dieses Mal trotzig: Das soll mein Liebster sein! Aber auch dieses Mal war es nur ein Fischer. Da riß die Loreley jammernd sich ihren Brautkranz aus den goldigen Locken und warf ihn, ihren treulosen Liebsten verwünschend in die Flut und stürzte sich nach. Ihr Leben endete. Ihr Vater starb vor jammer und die Burg wurde bei einem Unwetter zerstört. Die Loreley aber soll als Geist auf dem Felsen umhergehen, und ihr Gesang verlockt das treulose Geschlecht, betört ihre Sinne und läßt sie dann zugrunde gehen in dem Strudel, der erst entstand, als die Loreley sich hinabstürzte in ihr kühles, nasses Grab.

Wieder andere Stimmen erzählen, dass die Loreley eine Undine (Nixe) sei. Liebenswürdig aber Launisch und manchmal etwas zu leichtsinnig und unbedacht wenn sie Scherze macht. Ein Sohn eines edlen Rheingrafen fuhr auf dem Rhein und hörte das wunderbare Singen der Loreley. Er befahl seinen Schiffern direkt zum Felsen zu fahren. Die Schiffer erschraken, denn sie kannten die Gefahr an dieser Stelle des Rheins. Aber sie mussten gehorchen und fuhren in die Richtung des Felsens. Aber noch bevor die Schiffer den Felsen erreichten, sprang der Sohn des Rheingrafen Liebestrunken auf einen Vorsprung des Felsens. Er rutschte aus und fiel in den Rhein und ertrank. Der Rheingraf erhielt die Nachricht, dass sein Sohn durch die Loreley-Hexe zu Tode gekommen war. Er war außer sich vor Wut und ließ den Felsen umstellen und die böse Hexe tot oder lebendig zu fassen. Seine Untertanen umstellten den Felsen von dem sie die Gesänge hörten, schlichen hinauf und sahen die Loreley sitzen, im wasserblauen, durchsichtigen Gewand. Mit einem goldenen Kamm kämmte sie ihr goldenes Haar. Die Männer griffen an. Aber die Loreley erschrak nicht, sondern blieb ganz ruhig sitzen. Sie fragte: „Was wollt ihr?“ Die Männer sagten: „ Wir wollen Dich fangen- tot oder lebendig, denn Du bist eine böse Hexe und hast den Sohn des Rheingrafen ermordet!“ Da lachte die Loreley auf und trat an den Rand des Felsens und sang hinab: „Vater! Deine Rosse gewschwind sende, dass sie tragen dein Kind, Loreley, Loreley!“
Da brauste es gewaltig und zwei ungeheure weiße Schaumwellen, die wie Rosse aussahen, bäumten sich empor und nahmen die Undine – die frech lachte – mit in den Rhein.


Hier also eine völlig andere Version der Loreley-Sage. Spannend ist hier, dass die Loreley die Tochter des „Vater Rhein“ ist.
Bei meinem Besuch der rechten Rhein-Seite ist mir aufgefallen, dass unglaublich viele Marienschreine aufgestellt sind. Auf mein Nachfragen hin erfuhr ich, dass der Loreley-Felsen als „Heidnisch“ gilt, weil es dort Spukt. Maria sei die einzige Kraft, die das ganze im Zaume hält. Durch Recherchen erfuhr ich dann von dem Ort: „Maria Ruh“ auf der linken Rhein-Seite. Spannend zu erwähnen ist, dass dieser Ort genau gegenüber der Loreley liegt. Also fuhr ich hin. Und tatsächlich. Dort ist es wesentlich „ruhiger“ als auf der rechten Rheinseite und man spürt eine völlig andere Energie.
Jürgen Kind ging es bei seinem Besuch dieses Ortes wohl ähnlich wie mir, denn er schrieb ein Gedicht über Maria Ruh.

Romantisch schweift der Blick ins Weite,
doch suchst Du nach dem Rendezvous?
Der Schein trügt von der andren Seite -
Hier mahnt dich die Maria Ruh
Von drüben mit dem Reiz der Jugend
raubt dir ein Trugbild den Verstand.
Du aber stehst am Ort der Tugend,
die jedes Laster überwand.
Ansichtskarte Loreley (Quelle: Akpool)
Es sind schon viele liebestrunken,
als sie erblickten Loreley
ob der Versuchung tief gesunken,

verfielen ihrer Schwärmerei.
Auf steilster Klippe vis-à-vis
saß immer nur zum Zeitvertreib-
der Grund so mancher Havarie,

jenes sagenhafte Weib.
Die Loreley mit ihrem Charme
gar manchen schon im Geist verwirrte.
Maria nahm ihn in den Arm
und zeigte ihm, wie sehr er irrte.
Für all die nicht gehörten Rufer
gilt nach wie vor und immerzu -
Du findest nur am stillen Ufer

bei der Maria deine Ruh.
Denn wessen ungezähmte Lust
dem so verruchten Weibe galt,
den nimmt Maria sich zur Brust
und gibt der Seele wieder Halt.
Hier an des Rheines engster Stelle
ging schon so mancher Traum vorüber.
Es stehn sich an des Stromes Schnelle
die beiden Damen gegenüber.
Selbst Heinrich Heine war´s nicht klar,
als er die Loreley beschrieben -
dass sie wohl niemals Jungfrau war -
Allein die Sage ist geblieben.
Maria aber lehrt dich eines -
das gilt für jeden immerfort:
Du bist bei Urbar, links des Rheines,
zu jeder Zeit am rechten Ort!
von Jürgen Kind

Dach des Pavillons in Maria Ruh
Spannend ist noch zu erwähnen, dass Maria die Schutzpatronin der Schiffer ist. Hier, an der schmalsten Stelle des Rheins sind also gleich 2 extrem starke Weibliche Energien zu spüren. Man hat fast das Gefühl, dass „Vater Rhein“ alle Hände damit zu tun hat, seine Töchter im Griff zu behalten. Die eine ist gütig und hilft den Schiffern und die andere hat den Schalk im Nacken und spielt gerne mit dem Leben der Schiffer.
Ich empfand beide Seiten als sehr spannend. Die Loreley Seite ist Geheimnisvoll und das „Surren“ welches deutlich zu hören ist, ist wirklich sehr mitreißend. In Maria Ruh war alles ruhig, friedlich und schön. Die Aussicht einmalig und Atemraubend. Trotzdem entschied ich mich für ein Konzert auf dem Felsen (die dunkle Seite der Macht ^^) der Loreley. Nein, natürlich nicht von der Loreley persönlich - sondern von verschiedenen Rock- und Heavy Musikern auf dem Rock-Fels Festival. Ich kann euch nur empfehlen, diese Orte einmal zu besuchen und selbst zu spüren, ob ihr lieber auf der Seite der Loreley oder auf der Seite von Maria sein möchtet.

So oder so... behaltet eure Sinne bei eurem Besuch dort. Denn das dunkle Wasser scheint einen wirklich zu rufen! Und ganz egal, ob die Loreley eine Hexe war, eine Zauberin oder eine Undine... ihre Stimme ist heute immer noch deutlich zu hören!