Waldgeflüster

Montag, 4. April 2016

Labyrinth

Im Labyrinth verliert man sich nicht!
 Im Labyrinth findet man sich. 
Im Labyrinth begegnet man sich selbst!

Labyrinth im Schnee- im Frau Holle Land


Unüberschaubar und schwierig. So erklärt uns Wikipedia die Labyrinthe. Und es stimmt. Diese wahrlichen Wunder aus Wegen und Linien mit zahlreichen Richtungsänderungen machen jedes dieser Labyrinthe zum spannenden Rätsel. Was erwartet mich am Ziel? Warum sollte ich es überhaupt gehen?


Ein Labyrinth zu gehen, das hört sich ja ganz einfach an. Für mich sind Labyrinthe viel mehr als nur ein paar Kreise und Kurven. In ihnen stecken starke Symbole wie das Kreuz und der Kreis. Das Labyrinth ist eines der ältesten Symbole der Weltgeschichte und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Kulturkreise. Bereits vor 5000 Jahren fand man es auf Höhlenwänden. Dann in Kirchen, auf Ritualplätzen und auf Schloßplätzen. Kein Wunder, dass der ein oder andere einen Wahnsinns Respekt vor diesen Dingern hat.

Ein Labyrinth ist schnell selbst gemacht. 

Es gibt im großen und ganzen 2 Arten von Labyrinten. 
Zum einen das Layrinth im ganz ursprünglichen Sinn: Ein verschungener, verzweigungsfreier Weg einen mit regelmäßigen Richtungswechseln zum Ziel bringt.

Und dann das Labyrinth im weiteren Sinn: Ein Rätsel mit Verzweigungen, Sackgassen und geschlossenen Wegen. Diese Art des Labyrinthes nennt man Irrgarten.

Ein Zeichen für den Lebenskreis
Labyrinth in Glastonbury 
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber als ich damals mein erstes Labyrinth gegangen bin, hat es mich sehr an das Leben selbst erinnert. Man gerät hinein, ohne zu wissen, was einem dieser Weg bringen mag. Man hat vielleicht manchmal ein Ziel im Auge, wird dann aber auf Umwegen wieder weit davon weggeführt. Immer und immer wieder winden sich Wege vor einem, so dass einem fast schwindelig wird und alles verschwimmt. Man wird auf seinem Weg Prüfungen finden, vielleicht sogar Schwierigkeiten. All das gilt es zu überwinden um irgendwann an das Ziel zu gelangen. Sei es jetzt bekannt oder noch unbekannt. Man kann sich nur darauf verlassen, einen Schritt vor den nächsten zu machen und zu vertrauen.

Jeder Tod ist ein kleiner Neubeginn!
Sieht man das Labyrinth als "Leben" an, dann wird klar, dass man diesen Weg einzig und alleine geht, um am Ende zu sterben. Das Ziel wäre also der Tod. Schon in Ägypten fand man um 3400 v.Chr Labyrinthwege in den Totentempeln. Sie galten als Wegweiser damit man den richtigen Weg ins Totenreich findet. Der Tod ist das Ende des Lebens. Aber man kann jedes Labyrinth auch sinnbildlich für große und kleine Probleme und Ziele nutzen. Jeder Tod ist auch ein neuer Anfang!
Mann könnte also sagen: "Raus aus dem einen Labyrinth und rein in das Nächste"

Begib Dich in die Irre!
Noch bevor ich mein erstes Labyrinth gegangen bin, habe ich gedacht, dass das Unfug ist. Wer geht schon freiwillig von bekannten Wegen ab um sich in die "Irre" zu begeben? Man findet vielleicht
Entstressen schnell gemacht- das Fingerlabyrinth
noch rein, aber wie findet man wieder raus? Da sind doch die Wege die ich klar vor mir sehe viel einfacher. Ich weiß wo sie herkommen und ich weiß, wohin sie gehen. Das dachte ich zumindest. Bis zu diesem Tag fast genau ein Jahr her. Ich stand vor diesem Labyrinth, welches ich sogar selbst mit aufgebaut habe und nun war es an mir, mich hineinzubegeben. Am Anfang versuchte ich noch alles unter Kontrolle zu behalten. Wenn ich jetzt da herum gehe, dann gelange ich da hin! Aber schon nach kurzer Zeit wurde es unwichtig. Ich konnte die Kontrolle abgeben und vertraute darauf, dass ich an mein Ziel gelangen werde und plötzlich war Platz in meinem Kopf. Platz für Gedanken und Einsichten. Meine Gedanken rasten förmlich. Ich fand Lösungen für ein damals vorhandenes Problem und je weiter ich lief, desto klarer wurde meine Orientierung wieder. Mann könnte sagen, ich wurde in die "Irre" geführt um klarer zu sehen. Hört sich verrückt an, nicht wahr?
Plötzlich war es egal, wie lange ich für diesen Weg brauche. Es war egal, ob ich stehen bleibe um Luft zu holen oder mir das Ganze Labyrinth genauer anzusehen. Es zählte nur noch, dass ich nicht aufgab und mutig einen Schritt vor den nächsten setzte. Und dann, dann viel mir ein Gedicht ein, welches mein Opa mir damals in mein Poesie Album schrieb:

Mutig wandere Schritt für Schritt den Gedanken kühn entgegen.
 Hoch das Haupt und fest der Tritt, tief im Herzen Gottes Segen.

Entstress Dich! Gehe ins Chaos!
Labyrinthe sind das Leben! Wir wissen nur, dass wir Leben. Wohin uns unser Weg einmal führen wird, das kann niemand sagen. Aber wenn wir auf unserem Weg tapfer und mutig einen Schritt vor den nächsten Setzen und vertrauen (egal welchen Glauben ihr habt!), dann gelangen wir an das Ziel. Und das gleiche gilt auch für die kleinen Labyrinthe in unserem Kopf, aus denen wir glauben nicht mehr rauszukommen. Oftmals sind unsere Gedanken, Gefühle und Emotionen gelähmt. Jeder von uns kennt das zu genüge. Oftmals finden wir aus unserem Chaos an Gefühlen nicht mehr heraus. Dann gilt es inne zu halten, sich zu besinnen wer man ist, und wohin die Reise gehen soll und dann setzt man einfach einen Schritt vor den anderen! Und schon wieder fällt mir ein Poesie-Album Spruch ein- dieses Mal von meinem Papa (hach ich lebe in einer wahnsinnig poetischen Familie).

Einer der Wege ist Geduld,
auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt!

Aber wie bei allem was wir euch erzählen gilt: Findet es selbst für euch heraus. Wenn ihr aktuell an einem Problem zu knabbern habt, dann sucht euch ein Labyrinth oder erstellt euch selbst eines. Zur Not malt ihr eines auf ein Blatt Papier. Und dann geht es. Langsam! Gebt ihm die Chance zu wirken und schaut, was mit euch geschieht! Viel Spaß beim Ausprobieren!! 

Eure Hexe 

Labyrinth im Kloster. Jeder Weg wird umgeben von den spannendsten Kräutern.