Waldgeflüster

Donnerstag, 28. April 2016

Beltane, ... Friede, Freude, Eierkuchen?

Kommt ruhig rein in mein Hexenhaus, ihr seid ja ganz nass vom vielen Regen und Schnee! Ach hört doch auf über das Wetter zu schimpfen! Es ist genauso richtig, wie es ist. Die Natur braucht den Regen und auch den Schnee noch ein wenig. Beltane ist ein Mondfest und die Sonne kommt schon noch früh genug. :)
Möchtet ihr einen Tee? Ich habe gerade einen frischen aufgesetzt. Er wird euch gut tun und euch von innen wärmen.
Wisst ihr, was mich seit ein paar Tagen sehr beschäftigt? Was mich fast schon traurig macht?
Wie ihr ja wisst, feiern wir bald das Fest Beltane. Oder auch die Walpurgisnacht. Auch wenn ich meine Hexenkraft in mir voll spüre, so fehlt mir doch etwas. Ich weiß, dass in dieser Nacht wieder sehr viele Frauen unterwegs sein werden und tanzen werden. Sie werden die Verbindung von Weiblichkeit und Männlichkeit feiern. Die Verbindung von Himmel und Erde. Die Frauen sind da! Aber wo sind die Männer? 

Wenn ich in dieser Nacht unterwegs bin, dann sehe ich viele Frauen, die ihren Ruf gehört haben und ihre Wildheit ausleben. Aber wo sind die Männer? Wo sind IHRE Männer? Wo sind die Wilden, starken Männer die sich wie der „Green Man“ verkleiden und die Frauen in Ekstase bringen? Ich habe sie in den letzten Jahren vergeblich gesucht. Viele der Frauen mit denen ich diese Zeit verbringe sind verheiratet. Wo sind die Männer? Trauen sie sich nicht? Wurden sie vielleicht gar nicht eingeladen? Was ist geschehen?
Es geht doch an Beltane um die Gleichheit zwischen Mann und Frau! Um Gleichberechtigung. Was ich in dieser Zeit spüre, ist Feminismus. Versteht mich nicht falsch. Es ist gut so, wie es ist, aber was ist mit dem Gleichgewicht? An Beltane feiern wir die Vermählung von Himmel und Erde. Die Erde kann ohne den Himmel nicht sein und anders herum auch nicht. Wie können wir Frauen also an Beltane alleine tanzen? Wo ist der Männliche Part?
Wenn wir Frauen wirklich so stark sind, wie wir immer sagen, warum schaffen wir es dann nicht, die Männer wieder aufzuwecken?

Ja, ich kenne all die Geschichten. Männer haben die Frauen unterdrückt. Die „Macht“ an sich gerissen. Ich kenne jeden einzelnen Vorwurf. Aber was ist mit den Frauen? Müssen wir uns nicht selbst auch an die Nase fassen? Es gab eine Zeit – und sie dauerte über viele tausend Jahre- in der die Göttin die „Macht“ hatte... wer weiß, was in dieser Zeit alles geschehen ist? Die Männer haben das Ruder danach übernommen – die „Herrschaft“ dauerte wenige hundert Jahre.

Doch was passiert jetzt? Frauengruppen sprießen aus dem Boden. In den Kreisen sitzen frustrierte Frauen, die von Männern gar nichts mehr wissen wollen und alle über einen Kamm scheren. Wenn man als Mann in so eine Gruppe kommt, wird man oft belächelt oder gar für Schwul gehalten oder noch schlimmer - sogar fertig gemacht- unterdrückt. (Eigene Erfahrung). Natürlich gibt es hier auch solche und solche Gruppen... Ich möchte nicht alles über einen Kamm scheren. Es war nur meine Empfindung!
Viele Frauen nennen sich „Priesterin“ oder „erweckte Göttin“... viele Frauen erwachen wieder in ihre Kraft! Das finde ich prinzipiell erst einmal echt schön! Aber... Das was jetzt kommt, ist eher ein Wink mit dem Zaunpfahl als böse gemeint! Ihr lieben Frauen, es wird Zeit die Männer aufzuwecken. Ihnen den Raum für ihre Einzigartigkeit zurückzugeben. Sie offen Willkommen zu heißen in unseren Kreisen und ihre Kreise zu besuchen... und die WIRKLICHE Gleichheit auszuleben! So wie ihr dafür kämpft und gekämpft habt, angenommen zu werden, so wünschen es sich auch die Männer. Und es liegt an uns, dass aus dem Erlebten nicht wieder ein Ungleichgewicht wird und wir die Männer einfach vergessen oder unterdrücken!
Beltane ist ein Mahnmal! Der wilde gehörnte Mann vermählt sich mit der wilden Frau! Beide begegnen sich auf Augenhöhe! Beide sind gleich! Niemand steht über dem anderen!
Vergesst nicht was war, aber verzeiht! Und begegnet euch in dieser Nacht auf Augenhöhe!
Damit das alte Gleichgewicht wieder hergestellt wird.

Ich habe das wahnsinnige Geschenk, einen Mann an meiner Seite zu haben, der wild ist, der seine Hörner trägt. Leider ist es so, dass von allen Seiten versucht wird, ihm diese zu nehmen. Er ist ein starker Kämpfer- aber im Moment macht es ihm die Welt nicht leicht! Jetzt ist es an mir, dass ich ihm helfe seine Hörner zu beschützen! Seine Wildheit zu wahren! Ihn als Mann Ganzheitlich zu akzeptieren! Und so, wie er mir schon oft geholfen hat, so werde ich es jetzt auch für ihn machen!
Ilfur, ich liebe Dich!!!


DEINE Hexe

Nachtrag: Ich meine hiermit keine bestimmte Gruppe oder Frauenkreis. Natürlich hat jeder Mensch das Recht an das zu glauben, was er glauben möchte- oder eben nicht. Eine sehr liebe Freundin hat mir folgende Zeilen geschrieben, denen ich mich gerne anschließe: "...diese Missachtung der Stärke anderer Menschen hat nichts mit dem Feminismus zu tun ... sondern einfach damit, dass manche Menschen ihre Dualität nicht leben und dies bei anderen Menschen dann auch nicht tolerieren."
Ich entschuldige mich hiermit offiziell bei allen Frauen, die sich durch meinen Eintrag verletzt fühlen.