Waldgeflüster

Dienstag, 8. Dezember 2015

Das Luciafest

Winter im Frau Holle Land


Das Luciafest

Die Winter sind kalt und lang in Schweden, die Nächte dunkel und die Sehnsucht nach Licht und Wärme allgegenwertig. Seit Urzeiten fiebern die Menschen im hohen Norden dem Tag entgegen, der die baldige Rückkehr des Lichtes verspricht, dem Tag der Wintersonnenwende. Ebenso lange reicht die heidnische Tradition zurück, diesen Tag mit einem Fest der Hoffnung zu begehen. Danke der Reform des Julianischen Kalenders im 16. Jhd fällt das wohl traditionellste aller schwedischen Feste heute nicht mehr auf die Wintersonnenwende, sondern auf den 13. Dezember. Die Schweden feiern an diesem Tage das Luciafest. Die Feier soll den Beginn und den Höhepunkt des Schwedischen Weihnachtsfestes darstellen. Im Mittelpunkt dieses Lichterfestes steht hierbei die „Lichtbraut“ Lucia, ein weiß gekleidetes Mädchen mit einer Lichterkrone im Haar.

Wie feiert man das Luciafest?
Jedes Jahr wird ein junges Mädchen ausgesucht, welches die Lucia verkörpert. Sie trägt ein langes schneeweißes Kleid mit einem roten Gürtelband und führt den traditionellen Festumzug an der Abends beginnt und dann nach einer Prozession in der Kirche endet. Hier wird sie von vielen anderen Mädchen begleitet die ebenfalls in weiß gekleidet und eine Kerze tragend die Lucia begleiten. Meistens endet die Prozession in einer Kirche. Die Kirche ist dunkel – aber an jeder Bank ist eine Kerze befestigt. Die Teilnehmer des Zuges betreten die Kirche und entzünden das Licht an den Bänken so dass die kalte dunkle Kirche warm und hell wird.

Luciafest- Prozession- Lucialied

Gemeinsam wird beim Einzug das Lucia-Lied gesungen. Es erzählt von der dunklen, stummen Nacht und der zarten Ahnung des nahenden Lichtes:

„Die Nacht geht mit schwerem Schritt um Hof und Hütte.
Auf der Erde, welche die Sonne verließ, brüten dunkle Schatten.
Da betritt unser dunkles Haus mit brennendem Lichtbraut
Lucia, heilige Lichtbringerin, Lucia.
Noch ist die Nacht groß und stumm, doch hörte es schwingen, in allen dunklen Räumen, rauschen wie von Flügeln.
Seht, auf unsrer Diele steht weiß gekleidet mit Licht im Haar
Lucia, heilige Lichtbringerin, Lucia.
Die Dunkelheit soll fliehen jetzt aus den Tälern der Erde.
Das ist ihre wunderbare Botschaft an uns:
aus rosiger Morgendämmerung soll Tag wieder werden nun.
Lucia, heilige Lichtbringerin, Lucia

(Im Original: „Nat gár tunga fjät“)

Lucia- die Lichtbringerin 
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber beim Lesen des Liedtextes und der Art und Weise wie die Lucia in die dunkle Kirche eintritt und ihr Licht bringt, muss ich immer ganz stark an die Wintersonnenwende denken. Hier geht es ja auch darum, dass die Dunkelheit vergeht und das Licht zurückkommt. Die Tage werden ab dieser Nacht wieder länger. Sinnbildlich könnte man also sagen, dass jemand das Licht zurückbringt.

Mit der Heiligen Lucia werden mehrere unterschiedliche Legenden verbunden. In einer von diesen wächst Lucia, sie in Syrakus geboren wurde, in einer sehr wohlhabenden Familie auf. Als ihre Mutter schwer krank wurde, betete das Mädchen inbrünstig für sie, so dass die kranke Frau wieder geheilt wurde. Eine weitere Legende berichtet von Lucia als Lichtbringerin. In dieser geht es darum, dass der römische Kaiser aus Angst davor, dass das Volk Gott mehr verehren würde als ihn, alle Christen einsperren, verfolgen und töten. Auch Paschasius, der oberste Richter von Syrakus verfolgte in seiner Stadt sein Ziel die Zahl der Christen zu minimieren. So versteckten sich in den Katakomben und in der Kanalisation. Lucia brachte ihnen in Körben Essen und Trinken. Dort war es dunkel. Weil sie in ihren Händen aber schon Körbe und Kelche trug, wusste sie nicht wohin mit den Kerzen um ihren Weg zu beleuchten. Also kam sie auf die Idee, sich einen Lichterkranz auf den Kopf zu binden. Neben den Geschenken für die armen Menschen die sich versteckten, brachte sie auch gleichzeitig Wärme und Licht in die Dunkelheit. Lucia verkörpert aber nicht nur die Lichtfigur. Sie wird andernorts auch als dunkle Dämonin gesehen (zum Beispiel in der Oberpfalz). Sie hat also zwei Gesichter. 

Und eines ist wohl jedem klar. Mit diesen 2 Gesichtern erinnert sie uns wiederum an die Hel/ Holle. Die Alte mit den 2 Gesichtern. Und somit macht vieles an diesem Fest wieder einen ganz anderen Sinn. Denn es ist doch nach alter Tradition niemand geringeres als die Frau Holle die das sanfte Licht auf die Erde zurückbringt und in den Rauhnächten mit ihrem wilden gefolge durch die Lüfte zieht. Und wenn man dann noch bei Google nach „Frau Holle“ sucht und die Bildersuche bemüht, dann findet man ganz schnell auch die Lucia.



Übrigens feiert man das Fest nicht nur in Schweden. Vor allem in Tirol und anderen Bayerisch-Österreichischen Gegenden verteilt die Lucia am Morgen an die Kinder Süßigkeiten und übernimmt teilweise sogar die Rolle des Nikolauses. Allerdings ist diese nur für die Mädchen zuständig. Die Jungen bekommen weiterhin vom Nikolaus ihre Gaben. In anderen deutschen Städten wird sie eher von ihrer dunklen Seite gezeigt. In daer Oberpfalz wird sie „Luzier“ genannt. Eine Dämonin die kleinen unartigen Kindern den Bauch aufschneidet und mit Steinen befüllt. In Bayern ist sie noch heute als alte buckelige Hexe unterwegs – immer auf der Suche nach einer Schale mit Blut und Gedärmen.

Wir wünschen euch eine friedliche, besinnliche Wintersonnenwende. Wir wünschen euch, dass die Lucia, Holle, Perchta, oder wie auch immer sie bei euch genannt wird, schützend ihre Hände über euch hält und euch Wärme und Licht in eure dunklen Winternächte bringt.