Waldgeflüster

Donnerstag, 20. August 2015

Mabon 2015 - Herbst und Winter abschaffen?

Tag und Nacht-Gleiche 

Puh, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir hat die Sommerhitze der letzten Wochen ziemlich zugesetzt. Hochsommer. Der Name sagt es ja schon! Wir waren mitten drin im heißesten Sonnenschein. Die Sonne hat uns auf ihre ganz eigene Art gezeigt wie stark sie eigentlich ist. Die Felder standen unter ihrer Kraft in voller Fülle und es wurde trotz des ein oder anderen Hagelschauers eine sehr gute Ernte. Fast schon zu gut hat sie es gemeint und viele Landstriche sind vertrocknet. Gerade Rechtzeitig kommt jetzt die kühlere Luft und viel Regen. Die Natur sorgt dafür, dass alles im Gleichgewicht bleibt!
Im Gleichgewicht....
Ich schaue auf meinen Kalender und sehe, dass in 4 Wochen schon wieder die Tag-und-Nacht-Gleiche (Mabon, Alban Elfed) ist. Der Tag an dem die Sonne vom Sternbild der Jungfrau in die Waage übertritt. Sie steht rechtwinklig über dem Äquator. Das bedeutet für uns, dass Tag und Nacht gleich lang sind. Ein Gleichgewicht. Wenn auch nur für einen kurzen Moment.
Mabon (so heißt dieses Fest seit den 1970 er Jahren) oder Alban Elfed (wie es schon die alten Kelten nannten) wird aus diesem Grund gefeiert. Es ist das zweite Erntefest. Feierten wir an Lughnasadh noch den beginn der Ernte und beteten für eine eine gute Ernte, so feiern wir jetzt, dass Ende der Ernte und die Tatsache, dass wir unsere Speicher voll haben um heile über den Winter zu kommen. Nach der harten Erntearbeit und der heißen Sonnenkraft betreten wir dann eine Zeit die sich nach innen richtet. Da sich das Jahr mit Samhain dann auch bald verabschiedet, ist es eine Zeit, in der wir schauen können, was wir dieses Jahr gesät haben und was wir geerntet haben.

Heute Morgen habe ich zum ersten Mal den Herbst in der Luft gerochen. Ich freue mich immer sehr darüber, denn ich mag den Herbst sehr. Dieses erzählte ich unserem Freund. Dieser sagte zu mir: "Ich mag den Herbst gar nicht! Wegen mir kann er ausfallen! Und der Winter gleich mit!".
Ja, es stimmt! An Mabon kann man deutlich spüren, dass man an einem Wendepunkt steht. Es ist ja sozusagen der Sonnenuntergang des Jahres und sobald man die Schwelle der Tag-und-Nacht-Gleiche überschreitet, taucht man in die Dunkelheit ein. Das mögen viele Menschen nicht. Doch kann man sich wirklich dagegen wehren?
Bedeutet der Herbst den Tod oder nur eine Verschnaufpause?
Viele Menschen haben verlernt, sich am Rhythmus der Natur zu orientieren. Doch so langsam beginnt man allerdings wieder sich daran zu erinnern, dass der größte Lehrmeister überhaupt unsere Natur ist - und es auch schon immer war. Als Mensch durchleben wir automatisch die natürlichen Zyklen und spüren automatisch, was die Natur uns vorgibt. Auch die herrschenden Energien zu den Jahreszeiten nehmen wir auf. Aber nehmen wir sie auch an?
Im Frühling ist alles noch ganz einfach! Das Frühjahr bringt uns großes Potential an Wachstum und wir bekommen jedes Jahr einen Neubeginn geschenkt. Der Sommer vermittelt uns Leichtigkeit, Licht und Freude! Alles ist warm und Hell. Und wie ist es mit dem Herbst? Oder gar dem Winter? Die Menschen haben Angst vor der Dunkelheit und dem Ungewissen. Aber sollte uns der Herbst nicht eigentlich Dankbarkeit lehren? Und Demut? Sollte er nicht eine Art "Urlaub" für uns sein um uns von den Turbulenzen des bisherigen Jahres zu erholen? Die Bauern haben an diesem Punkt vom Jahr schon so viel geleistet. Sie haben die Felder aufgeweckt, gesät, gedüngt und geerntet. Für sie ist die Zeit, die jetzt naht, eine Willkommene Ablenkung. Eine Zeit in der sie sich wieder um sich selbst kümmern können, in der sie wieder mehr in ihren Häusern sind. Und auch hier stimmt das Vorurteil- denn von Bauern habe ich noch nie etwas schlechtes über den Herbst oder den Winter gehört! Im Gegenteil. Sie freuen sich richtig auf die paar Monate in denen sie wieder Kraft für das nächste Frühjahr sammeln können um dann wieder bereit für den neuen Ernte-Kreislauf zu sein. Man könnte es also wirklich darauf schieben, dass sie noch so nah an und mit der Natur leben. Was kein Vorwurf sein soll an alle die anders denken!

Die Natur macht es uns eigentlich schön vor! Die Blätter verfärben sich jetzt so langsam und man spürt, dass sich die Natur dadurch langsam auf den Winter vorbereitet. Sie zieht sich langsam nach innen zurück. In die Wärmende Erde. Die Natur bereitet sich vor, die Felder und alle Lebenwesen können sich erholen.
Alles gehört zusammen- nichts funktioniert ohne das andere...

Und doch...
für viele ist die dunkle Jahreszeit mit Angst verbunden. Und irgendwie kann ich es auch verstehen. Es ist die Zeit der Geister, der Dunkelheit, des Schattenreiches... Die Nächte werden länger als die Tage. Alles ist dunkel und trist! Die Dunkelheit bringt einen automatisch auch oft mit der eigenen Dunkelheit in Verbindung. Mit Trauer, Traurigkeit, Depression...

Der Gedanke an diese Jahreszeit war aber nicht immer mit Angst behaftet. Denn die Alten wussten, (und eigentlich wissen wir das auch!), dass der Tod genauso zum Leben gehört wie die Geburt! Auch wenn die Felder jetzt leer und tot erscheinen, so ist doch die Ernte eingebracht die uns über den Winter bringt. Wir sehen die knorrigen kahlen Äste und die matschigen Wege. Wir sehen die Blätter die an den Ästen sterben. Wir sehen ja quasi den Tod vor den eigenen Augen! "Und da soll man nicht Depressiv werden"... das ist ein Satz den ich in der Jahreszeit oft höre!
Doch ist es wirklich wahr, was wir sehen? Ist es nicht vielmehr so, dass in den tiefsten Wurzeln unter der Herbstlichen Erde und im Kern jedes Blätterlosen Astes und im tiefsten Herzen jedes Tieres im Winterschlaf, noch einmal die Kraft des Sommers und seine Erinnerung daran einbrennt? Sie nehmen diese Kraft und die Erinnerung und damit verbunden auch die Zuversicht und das Wissen mit, dass sich das Jahresrad weiter dreht! Sie wissen darum, dass sie mit diesem Vertrauen im Frühling neue Triebe und sogar einen ganzen Frühling entwickeln können. Und sind es nicht die Bauern, welche jetzt schon wieder das Wintergetreide aussäen? Das Jahresrad hört nicht auf sich zu drehen! Das Zauberwort heißt Vertrauen! Denn wenn die Bauern säen, dann wissen sie, dass das, was sie säen noch nicht die Gestalt von dem hat, wie es einmal sein wird. Sie vertrauen darauf, dass die Natur ihr bestes gibt, damit aus dem kleinen Samenkorn eine große Getreideähre wird. Und dazu braucht es einfach Licht und auch Dunkelheit.

Wie wichtig der Herbst und auch der Winter ist, sehen wir am Lebensbaum:  Es gibt die Erde in der er wächst, einen Stamm, Äste, Zweige und Blätter, Knospen, Blüten, Früchte und im Herbst die absterbenden Blätter die herabfallen um den Boden damit zu düngen und zu wärmen damit wieder neues Leben entsteht. Es ist wie im Leben auch! Es lebt eines durch das andere! Frühling, Sommer, Herbst und Winter- alles gehört unzertrennlich zusammen. Das eine Lebt durch das andere!

Nur Frühling und Sommer zu haben, wäre so, als wenn man sagt: "Schau mal, der Baum" und man nur auf einen Stamm zeigen würde. Natürlich ist er ein Teil des Baumes, aber niemals ein ganzer Baum... dazu gehört mehr! Viel mehr! Und auch der Herbst gehört dazu...

In diesem Sinne wünsche ich euch jetzt schon eine schöne "vor-Herbst-Zeit". Ich wünsche euch Zeit, um jetzt noch Kraft und Sonne und Licht zu tanken damit sie eure Herzen in der Dunkelheit erhellen kann. Erinnert euch daran und vertraut! Das Jahresrad steht niemals still!