Waldgeflüster

Montag, 1. Juni 2015

Einheimische Orchideen - und es gibt sie doch !

Der Frauenschuh, die vermutlich bekannteste Orchidee
Deutschlands - wenn auch wohl die seltenste.
Anzutreffen ist sie noch in manchen Naturschtzgebieten...
Quelle: Wikimedia
Vielleicht kennt Ihr ja auch die exotischen Pflanzen aus dem Gewächshaus mit zahlreichen, wunderschön anzuschauenden Blüten, aus fernen und ebenso exotischen Ländern stammend...?

Aus manchen ihrer Blütenstängel lassen sich Vanilleschoten gewinnen - ein recht exotisches Gewürz, zumindest zu alten Zeiten. Medizinisch wirken Orchideen auf die Nerven - sei es als Aphrodisiakum (Vanille eben...), gegen Epilepsie oder Nervenschwäche, und gegen Hustenreiz. Ganz nach ihrer Unter-Art.

Die Orchidee, schon der Klang ihres Namens wirkt auf mich so weit entfernt, nach Dschungel und altem, feuchtem Boden, oder nach einem japanischen Garten-Großmeister, der seine Bonsai und die kostbarsten Blumen des Landes hegt und pflegt. Aber nach Deutschland klang das für mich nie...

Und doch - es gibt sie auch hier! Sie sind unglaublich selten geworden, stehen allesamt unter Naturschutz. Wenn man sie überhaupt noch findet. Vielleicht bin ich deswegen erst so spät auf sie aufmerksam geworden. Als Erwachsener, nicht schon als Kind, sah ich die ersten ihrer Art. Einige von ihnen sprießen sogar in meinem Garten: wild und frei sind sie plötzlich nach vielen Jahren der Ruhe einfach aufgetaucht.

 
Das weiße Waldvögeln - klingt seltsam, ist aber so:
die Blüten öffnen sich kaum, daher sehen sie aus wie kleine Vogelköpfchen...
tschiep, tschiep !

Na ein wenig stolz war ich gelinde gesagt schon, als ich sie in meinem Moos-Wald-Garten in so großer Zahl vorfand...
In Süddeutschland und Österreich sei die Pflanze noch desöfteren anzutreffen. Nicht so das rote Waldvöglein -
das scheint mittlerweile fast gänzlich zu fehlen.

Der bleiche, weil nahezu ohne Sonne
auskommende Nestwurz -
zuletzt von mir vor vielen, vielen
Jahren gesichtet muß ich mich heute
mit einem Foto aus Wikipedia
begnügen - wird nachgeliefert!
Ich denke, Orchideen sind deswegen so selten geworden, weil man die Böden nicht mehr sich selbst überlässt. Ich spreche hier nicht unbedingt von Überdüngung sondern eher von Waldrodung, vom Umwühlen der Waldböden durch Maschinen und andere "Ruhestörungen". Denn die Orchideen sind mehr als nur empfindsam, sie sind komplex. "Normale" Pflanzen benötigen mehr oder weniger feuchten Boden, mehr oder weniger von bestimmten Böden und deren Inhaltsstoffen, mehr oder weniger Sonne. Und das war es eigentlich. Orchideen setzen da noch einen oben drauf: ein vorhandenes Pilzgeflecht muß es sein, an das sich die Pflanzen andocken können. Denn Orchideen sind eigentlich Parasiten der Pilze (und diese sind wiederum Parasiten der Baumwurzeln und Bäume...), beziehen viele wenn nicht die meisten ihrer Nährstoffe von ihnen. Das geht so weit, daß manche Orchidee es nicht einmal mehr für nötig hält, selbst Chlorophyll zu produzieren und für eigene Nährstoffe durch Fotosynthese zu sorgen. Der Nestwurz ist solch ein Fall, er kommt offenbar ganz ohne Sonne und Blattgrün aus...

Aber ich glaube fest daran, daß auch die Orchideen wieder zurückkehren werden. Sobald mehr Ruhe in den Wäldern herrscht weil sich das menschliche Leben immer weiter in die Städte und in die Häuser zurückzieht, nachdem sich Wölfe zurückgetraut haben in unsere Gefilde kommen vielleicht, ja wahrscheinlich, auch manche selteneren Pflanzen zurück - wenn sie nicht bereits vollständig ausgestorben sind. Weil dann wäre es zu spät.


 
Das gefleckte Knabenkraut (beinahe schon getigert sind Blüten und Blätter).
Gefunden in einem Naturschutzgebiet an einem kleinen Teich im Welzheimer Wald...
Auch bei diesem Fund war ich enorm freudig aufgeregt, ich bitte daher das etwas
unscharfe erste Bild zu entschuldigen :-) Das zweite Bild hat dann glücklicherweise meine Frau geschossen.

Vielleicht noch interessant für einen Überblick: Es gibt einen Arbeitskreis Heimischer Orchideen, der Infos, Tipps und Listen zu Orchideen in Deutschland veröffentlicht: http://www.orchideen-deutschlands.de


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur