Waldgeflüster

Montag, 29. Juni 2015

Drei Grundmethoden der Heilung mit Chi / Qi / Ki / Prana / ....

Sieht aus wie Star Trek, ist aber eine Veranschaulichung
von Empfang und Weitergabe von Chi an eine Patientin...
Jaja ich weiß, bitte schimpft nicht über den Begriff "Chi Heilung" im Titel, er mußte einfach kurz und prägnant sein... Die gängige Meinung sieht eher so aus, daß man mit Chi nicht wirklich heilt, sondern man unterstützt damit den Heilungsprozess - vorausgesetzt der Wille zur Heilung ist beim Patienten gegeben. Die Person, die mit Chi "heilt", heilt nicht aktiv - der sogenannte Chi Heiler ist nur ein Medium, jemand der die Möglichkeit hat, Chi zu spüren, aufzunehmen und zu geben. Je einfühlsamer und energetischer der Heiler, je höher sein Chi-Umsatz aus Aufnehmen und Wiedergeben, desto besser seine Therapie.
Diesen Chi-Umsatz kann man durch entsprechende Übungen allmählich steigern, den eigenen Chi Speicher dadurch vergrößern. Qi Gong, Prana-Atmung, Reiki und Yoga sind Euch wahrscheinlich bekannte Bezeichnungen für solche Übungen. Ähnlich einem Body Builder, der allmählich seine Muskeln aufbaut, kann beim "Chi Building" über Jahre hinweg mehr Qi aufgenommen, gespeichert und abgegeben werden. Qi-Meister haben oftmals so gut wie keine Muskeln - sie haben stattdessen ganz andere Dinge an sich trainiert ;-)

Ich empfinde Chi als einen Vermittler, eine Art von Kommunikationsmedium und oft auch als Indikator für körperliche und auch seelische Gebrechen. Wie meine ich das? Nun, stimmt etwas mit dem Körper nicht, kann man das auch über das Chi, das den Körper durchfließt und näher umgibt spüren. Die Kommunikation kann auch in die andere Richtung verlaufen: "korrigiert" man das Chi, geht es körperlich oder seelisch zumindest zeitweise besser. Eine solche Korrektur des Chi kann Probleme lindern, den Körper und die Seele gewissermaßen an den gesunden Soll-Zustand erinnern und die tatsächliche Heilung beschleunigen.
Ich warne hier ausdrücklich davor, daß Patienten gerne abhängig von solchen Behandlungen werden können: immer wenn es irgendwo zwickt, wird der Heiler aufgesucht - ganz ohne sich um die eigentliche Heilung und Ursache zu kümmern. Ein verantwortungsvoller Heiler erforscht die Ursachen und geht sie an, lindert nicht einfach nur die Beschwerden. Ein weniger verantwortungsvoller Heiler streicht die Gebühren ein und erfreut sich einer möglichst dauerhaften Beziehung zu seinen Patienten. Ich will ja nicht sagen, daß dieses Verhalten in der westlichen Medizin und bei westlichen Pharma-Unternehmen großartig anders sei...!

Über die Jahre habe ich durch vorsichtiges Herantasten und Ausprobieren und durch immer dieselben Chi-Übungen einige grundsätzliche Dinge über die Arbeit oder den Umgang mit Chi an meinen freiwilligen Versuchspersonen erfahren, die ich gerne einmal ausformulieren möchte. Vielleicht interessieren Euch diese Grundsätze ja auch, und wie sie sich für mich anfühlen ?



Methode 1 - Ausgleichen, Verteilen, Abstreifen

Abstreifen, Chi in Bewegung
setzen: eine Qi Gong Übung
mit der Bezeichnung
"Yin und Yang wechseln" -
weil mal der linke, mal
der rechte Arm aktiviert wird.

Jeder Mensch, der mit der Heilung(sunterstützung) per Chi hier bei uns in westlichen Gefilden beginnt, lernt zuerst das Verteilen, das Abstreifen, das Ausgleichen von Qi am ätherischen Körper seines Gegenübers, seines Patienten. Stauungen im Chi-Fluss werden damit wieder angeregt, Mangel und Fülle bzw. Löcher und Hügel im Ätherkörper einander angeglichen.
Manche Patienten "versperren" sich vor ihrem Schmerz, was oft eine Blockade im Chi-Fluss zur Folge hat: die betreffende Körperstelle schmerzt nicht mehr so stark, aber eine Heilung findet auch nicht oder nur extrem schleppend statt. Ein deutliches "Loch" oder "Fehlen" von Chi ist spürbar. Bringt man den Fluß wieder in Gang durch "schieben" von Chi entlang der Leiterbahnen im Körper, den Meridianen, verstärkt sich zunächst auch der Schmerz - aber eine schnellere Heilung wird ebenfalls ermöglicht. Mein Lehrer bezeichnete dieses Phänomen liebevoll als "Abschiedsschmerz".

Diese erste Methode birgt die geringsten Gefahren und Risiken für Patient und Heiler, ich finde sie auch absolut geeignet für einen Start als Chi-Heiler.
Aber, und das war auch die Grundbedingung meines chinesischen Lehrers an alle seine Schüler, es gibt noch sehr, sehr viel zu tun bevor man überhaupt als Heiler anfangen sollte, ja darf. Denn zunächst muß man bei sich selbst anfangen - sich selbst heilen, seine Bodybuil... -äh- Chi-Building-Übungen machen. Erst wenn das gut funktioniert kann man sich an andere Menschen wagen ! Mindestens 10 Jahre lang sollte man seine Übungen machen, so heißt es, bevor man auch an andere Menschen herangehen sollte. Und das hat auch gute Gründe, wie ich selbst erfahren durfte. Denn natürlich war ich zu ungeduldig.


Ohne gutes Training können gleich mehrere Dinge eintreten:

* Das Chi des Heilers ist zu schwach, es bewirkt einfach nichts. Damit wird niemandem geschadet, aber auch niemandem genutzt.
Tipp Nummer eins dazu: statt mit "eigenem" Chi zu arbeiten würde ich empfehlen, gängige und akzeptierte Hilfsmittel einzusetzen wie Moxibustion, Tuina/Shiatsu-Massagen und Akupunktur. Auch dies will natürlich gelernt sein...!
Tipp Nummer zwei dazu: Hilfe zur Selbsthilfe. Ein guter Chi-Heiler sollte seinen Patienten beibringen, allmählich selbst Chi aufzubauen und besser fließen zu lassen durch genau die gleichen Übungen, die der Heiler an sich selbst durchführt. Dies sollte natürlich an die Situation des Patienten angepasst werden: können die Übungen auch im Sitzen durchgeführt werden oder im Liegen, wie akut ist die Symptomatik des Patienten, d.h. bleibt überhaupt Zeit, daß der Patient sich allmählich selbst "in Ordnung" bringt usw.

* Das Chi des Heilers ist "schlechter" als das des Patienten oder beide sind inkompatibel. Wenn ein Patient seinem Heiler nicht vertraut, sollte er die Behandlung verweigern. Schon mehrfach hörte ich Sätze wie "puh, die/der ist mit sich selber nicht klar, sein/ihr krankes Chi lasse ich doch nicht an mich ran". Glücklicherweise war ich damit jeweils nicht gemeint :-))
Zwar eine etwas esoterische Erklärung für Antipathie, aber das eigene Bauchgefühl ist nicht zu unterschätzen, egal welche Erklärung man für das Gefühl findet.
Ich hatte aber tatsächlich einmal das Gefühl, daß mir jemand zwingend ein für mich unangenehmes Chi aufzwängen wollte, in meine Brust hinein. Das Chi fühlte sich stechend an , weil kräftig, aber schmutzig-hellgelb und unangenehm. Mein ständig nachfließendes Chi verhinderte ein Eindringen und Vermischen. So fühlte sich das für mich an, wie gesagt, aber auch hier rede ich mir einfach nur ein, daß ich mir das alles so visualisiert, sprich einfach nur so vorgestellt hatte. Glaubt einfach das, was Ihr glauben wollt ;-)

* Der Heiler "übernimmt" die Krankheit des Patienten, erkrankt an gleichen oder ähnlichen Symptomen. Das ist mir desöfteren widerfahren und darüber möchte ich später noch berichten bei der Beschreibung der dritten Grundmethode. Grundsätzlich sollte der Heiler in der Lage sein, sich nach einer Behandlung wieder von seinem Patienten mental bzw. energetisch zu trennen - und das ausgetauschte Chi sauber zu verarbeiten, wenn es denn ausgetauscht wurde - was in der dritten Methode der Fall ist.



Methode 2 - Chi geben

Ich nenne dies die "Yang" Methode. Ein typisch aktiv-wohlwollendes Muster ist es, aus der Umgebung oder aus den eigenen Energiespeichern (Unterbauch oder Brust werden wohl am häufigsten verwendet) Chi auf den Patienten zu übertragen, auf die Stellen die sich schwach oder kalt, irgendwie dünn anfühlen, die ein Loch oder eine Lücke im Ätherkörper aufweisen.
Oft ganz simpel gehalten wird Energie immer auf die kranke Körperstelle draufgegeben. Der Patient fühlt ein Wärmegefühl, vielleicht in Kribbeln, die Symptome werden spürbar gelindert - ohne zu verschwinden, weil der Patient ist ja noch nicht geheilt !
Etwas feinfühliger ist die Methode, Löcher im Ätherkörper des Patienten aufzuspüren und diese mit der Zugabe von Chi aufzufüllen. Denn oftmals haben problematische Stellen am Körper des Patienten eine Chi-Schwellung zur Folge. Ich will es nicht Chi-Stauung nennen, denn das Chi fließt trotzdem: es ist nur oftmals so, daß sich um wunde Stellen am Körper gerne viel Chi ansammelt - wohl zur Heilung. Es kann aber passieren, daß andere Körperstellen, die scheinbar nichts direkt mit der Problemzone zu tun haben, dann einen Chi-Mangel aufweisen. Gewissermaßen wurde Chi abgezogen, um an anderer Stelle zu unterstützen. Gibt man dort Chi hinzu, geht es dem Patienten ebenfalls besser! Diese Erkenntnis und die zugehörige "Ballon-Theorie" entstammt einem Buch der 70er Jahre, genannt "Meridian Dehnübungen" von Shizuto Masunaga.
Auch bei der zweiten Methode kann es für den Heiler unangenehme Folgen haben, wenn er nach vollzogener Therapie keine willentliche Trennung zu seinem Patienten vollzieht, das heißt wenn er beispielsweise in Gedanken seinem Patienten nachhängt und ihm unwillkürlich weiterhin Energie schenkt, ihm zuführt. Die Folgen äußern sich in dauerhafter Mattigkeit und Müdigkeit, eventuell noch tagelang nach erfolgter Behandlung. Dieses Phänomen ist in der chinesischen Medizin bekannt unter dem Namen "Lou Chi", was soviel bedeutet wie Chi-Verlust, auslaufendes Chi. Auch aus diesem Grund sollte man erst jahrelang üben und sich selbst und seinen Geist, sein Ego stärken - und sich im Bedarfsfall leichter abgrenzen zu können, das "Lou Chi" somit zu vermeiden.


Auch hierzu drei Tipps am Rande:

* Nimmt man Chi aus eigenen Reservoirs, sind diese irgendwann leer. Der Heiler fühlt sich erschöpft, müde und matt. Nach längerer Behandlung mehrerer Versuchspersonen wurden darüberhinaus meine Hände dick, schwer und dunkelrot, beinahe blau. Die dicken Hände kann man durch kühles Salzwasser neutralisieren, häufigere Pausen mit Chi-Übungen sind ebenfalls angebracht, wenn man über den Tag desöfteren Chi geben möchte. Diese Empfehlung hatte ich aus einem Fernsehbericht über einen der schweizer "Wunderheiler" dankend aufgenommen. Dort wird nicht vom Geben von Chi gesprochen, aber von der Heilung per Handauflegen - was prinzipiell das Gleiche zu sein scheint ! Ein kleiner Bericht über die etwa 500 traditionellen Heiler in der Schweiz findet Ihr hier: http://www.n-tv.de/wissen/Viele-Schweizer-gehen-zu-Heilern-article10445611.html

* Chi sollte man eigentlich besser aus der Umgebung beziehen, nicht aus eigenen Reservoirs. Stephen Co, ein Heiler und Schüler von Choa Kok Sui sagte einmal "Es gibt ja so viel Energie im Universum, warum also die eigene nehmen?"

Ein Moxa-Halter. Sieht aus wie ein kleines Hämmerchen.
* Statt des Abgebens von "eigenem" Chi können auch hier Hilfsmittel verwendet werden. Das Hinzufügen von Chi kann alternativ durch Moxibustion erfolgen. Hierzu wird eine Moxakraut-Zigarre an ein Chi-Loch im Ätherkörper gehalten, bis sich die Stelle nach Angabe des Patienten warm anfühlt. Dafür daß die Zigarre die Haut des Patienten nicht verbrennt kann ein hölzernes Haltegerät eingesetzt werden mit einer schützenden Gitterstruktur, die man direkt auf die Haut des Patienten legt. Das muß aber nicht zwingend so sein, mit ein wenig Gefühl geht das wohl auch so.




Methode 3 - Chi wegnehmen 
und die Steigerungsform: Chi wegnehmen, wandeln, zurückführen (Tonglen-Methode)

Ich nenne dies auch die "Yin"-Methode. Hierbei wird an Stellen des Patienten mit Chi-Ansammlungen, Stauungen, oder "Hügeln" im Ätherkörper das Zuviel an Chi weggenommen und abgeleitet. Ich nutze dafür meinen Körper wie eine Pumpe: ich "sauge" das Chi meines Gegenübers mit der linken Hand ab während ich bewusst einatme, führe dieses Chi durch meine Brust und schicke es mit der rechten Hand beim Ausatmen aus mir heraus ins Leere. Diese Methode birgt eine gewisse Gefahr für den Heiler; er könnte bei unsauberer Ausführung in den Folgetagen die gleichen Krankheitssymptome aufweisen wie der Patient - wenn auch in geschwächter Form. Der Heiler wird Co-krank. Bei meinen Versuchen waren die Symptome, je nach Enge der Bindung zum Gegenüber, nach etwa 3 Tagen bis mehreren Wochen(!) abgeklungen. Um dieses Phänomen gar nicht erst auftreten zu lassen ist es von größter Wichtigkeit, das durchgeatmete, durchgepumpte Chi vollständig abzugeben, das heißt selbst nach Auflösung der Verbindung zum Patienten noch einige weitere Atemzüge lang Chi abzugeben - und die Verbindung zum Patienten vorher bewußt und stringent aufzulösen, einen willentlichen "Cut" durchzuführen.
Choa Kok Sui empfiehlt in seinem Buch "Grundlagen des Pranaheilens" bei solchen Unterfangen einen Eimer voll Salzwasser neben sich stehen zu haben, in den man das "kranke" Chi des Patienten abgibt, denn (Salz-)Wasser neutralisiert. Seine Schüler verwenden mittlerweile kleine Sprühflaschen gefüllt mit Salzwasser, das sie sich auf die Hände sprühen. Das Chi des Patienten ist nicht wirklich krank - es trägt gewissermaßen die Signatur der Krankheit in sich und kann sie mitführen.

Kuan Yin, Göttin des Mitgefühls,
 die "chinesische Maria".
Sie nimmt alles Leid auf sich
und lindert es. Erst wenn alles
Leid auf der Welt verschwunden
ist, geht auch sie.
Eine Steigerung der Methode 3 ist die Tonglen-Meditation. Eine typisch buddhistische Denkweise liegt dieser Meditation zugrunde: man fühlt das Leid seines Gegenübers und nimmt es vollständig in sich auf. Man fühlt mit, man ist das Leid des Gegenübers. Und dann wandelt man aktiv dieses Leiden um in positive Gedanken, positive Gefühle und Energie und schickt sie zurück zu seinem Gegenüber. Die Meditation wird z.B. auf  wikipedia näher erläutert.
Aus Sicht eines Heilers betrachtet bedeutet dies, daß er eine Kreisverbindung zu seinem Gegenüber aufbaut. Er nimmt das (dunkle) Chi seines Gegenübers über die linke Hand auf,  atmet es durch seinen Brustbereich hindurch und wandelt es dabei willentlich in möglichst weißes, gesundes Chi, das er dann über die rechte Hand wieder zu seinem Patienten schickt. Bei einem seelischen Leiden meiner Versuchsperson konnte ich dabei ebenfalls dessen Leid, dessen Bedrückung spüren. Eine wahrlich aufopfernde, mitfühlende und liebevolle Methode! Dabei sollte jeder selbst wissen, ob er diese Meditation anwenden möchte oder nicht...


Auch hier habe ich einen kleinen Tipp:

Bei der dritten Methode könnte man ebenfalls zu Hilfsmitteln greifen. Anstelle von Moxibustion um Energie zu geben wie in der zweiten Methode könnte man hier, wenn möglich und anbringbar, die Schröpfkellen ansetzen und Energie darüber entnehmen bzw. durch kreisende Bewegungen "wegverteilen", diffundieren lassen.



Gibt es noch weitere Methoden?

Meines besten Wissens und Gewissens nach nicht. Denn es geht eigentlich immer darum, Energie zu geben, zu nehmen, zu verteilen und zu "verdauen", also zu wandeln. Letzteres tut der Körper meist automatisch wenn er Energie von außen aufnimmt und im Körper speichert. Bewußt geschieht dies bei der Tonglen-Meditation.
Der Einsatz zusätzlicher Hilfsmittel wie Kristalle verstärken die Effekte oder wirken zielgerichteter. Auch die Heilung aus der Ferne funktioniert bei größerer Übung durchaus, man muß seinem Patienten nicht direkt gegenübersitzen - aber es erleichtert nicht nur die Diagnose, dies doch zu tun.



Hier nochmals aufgeführt oben genannte Bücher, die mir bei meinen Übungen, Ideen und Erfahrungen sehr weitergeholfen haben:

Meridian Dehnübungen - Shizuto Masunaga, Neuauflage 2000 (ursprünglich ca. 1977)
Grundlagen des Pranaheilens - Master Choa Kok Sui, Neuauflage 2007 (ursprünglich 1987)
Qi Gong - Hong Li Yuan, Neuauflage 2014 (ursprünglich 2003)
Handbuch Traditionelle Chinesische Medizin - Hecker, Peuker, Sterling, Kluge, Auflage 2003


Schreibt uns doch, wenn Ihr Ideen, Vorschläge und natürlich auch wenn Ihr einige Themen kritisch seht ! Alles, was ich hier äußere sind Meinungen und Erfahrungen, und die können sich natürlich auch ändern, damit habe ich gar kein Problem :-)


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur