Waldgeflüster

Donnerstag, 26. Februar 2015

Hwyl fawr ar Ddydd Gwyl Dewi!

Hihi ...Nein, ich bin nicht betrunken! Aber wenn man in diesen Tagen einmal rüber nach Wales schaut, wird man eine freudige Stimmung bei den Einheimischen spüren und überall wird man euch genau das entgegenrufen.
Ein kleines Mädchen in Walisischer Tracht mit den typischen "Daffodils"
 (c) by dailypost.co.uk 
Ihr werdet Kinder in Trachten mit besonderen Hüten und draußen überall Blütenmeere aus Osterglocken finden. Überall werdet ihr eine fröhliche und Stimmung vorfinden und der Stolz dieses Völkchens wird euch begegnen. Das alles ist ihrem Schutzpatron - dem Heiligen David gewidmet. Der feiert nämlich am 1. März seinen Gedenktag.

Das es Schutzpatrone für verschiedene Länder gibt, wissen vielleicht noch einige und wenn ich euch fragen würde, würde euch vielleicht am ehesten der St. Patrick von Irland einfallen mit seinem St. Patricks Day. Von ihm ist aber schon so viel geschrieben worden, dass ich euch heute mal vom St. David erzählen möchte.

St. David - mit den Wahrzeichen Wales'
St. David ist der Schutzpatron der Waliser. Sein Walisischer Name ist übrigens: Dewi Sant. Der 1. März ist sein Gedenktag und wird nicht nur in Wales gefeiert, sondern auch in Ländern in denen Walisische Kultur angesiedelt ist (Kanada und die USA).
Es gibt überall zu dieser Zeit spezielle Gottesdienste, Rituale oder Walisische Lesungen über die Geschichte und die Kultur Wales'.  Spannende Feuerwerke und große Paraden werden gehalten! In den Schulen gibt es Aufführungen und um St. David zu ehren, werden von den Kindern wunderschöne Bilder gemalt. Überall sieht man den roten Drachen auf dem weiß- grünen Hintergrund als Flagge (ganz prominent platziert) stolz vor sich hin wehen.
Kinder und Erwachsene tragen voller Stolz alte Trachten. Traditionell wird an diesem Tage "cawl" gegessen - eine Art Suppe oder Eintopf die mit gesalzenem Schinken und Fleisch mit Kartoffeln, Steckrüben, Porree, Karotten und anderen Gemüsesorten der Saison zubereitet wird. Die Fleischeinlage wird mittlerweile häufig durch Lammfleisch ersetzt da gesalzener Schinken nicht jedermanns Sache ist.

Partytime!
(c) by walesonline.co.uk
Der St. Davids Tag ist leider kein gesetzlicher Feiertag. Die Kinder müssen in die Schule - dort feiern
sie aber dann diesen Tag.
Das sind eben Waliser. Wenn sie schon arbeiten müssen, feiern sie eben die Feste wohin sie fallen- auch wenn es in ein Postamt ist. Also wundert euch nicht, wenn ihr nur eine Postkarte abgeben wollt und man euch dort dann zum Tanzen auffordert und dort eine kleine Band spielt. Völlig normal! Es kann euch auch passieren, dass das Postamt zwar offen hat, aber gerade niemand drin ist, weil es im Dorf eine Parade zu ehren von St. David gibt. Wartet dann bitte einfach höflich oder seht euch die Parade auch an :) Auch völlig normal!
Diese Damen wollen keinen Schwertkampf machen,
 sie wünschen allen nur einen schönen
St. Davids Day :)
(c) by teawithmarykate
Wundert euch auch nicht, wenn man euch fragt, ob ihr "Daffodils" haben möchtet- sagt einfach JA! Denn es handelt sich hier um Osterglocken die sich die Waliser als Wahrzeichen ihres Landes an die Kleidung heften. Ebenso wie "Leek" - Lauch! Auch völlig normal. Und natürlich ist auch das wieder mit einer Geschichte behaftet. In Wales ist plaudern und Geschichten erzählen fast schon ein Nationalsport- und das meine ich nicht böse! Im Gegenteil! Ich glaube, dass sich nur so die vielen Legenden und Mythen der Kelten so lange halten konnten. So auch die folgende: Eine Legende besagt, dass der Heilige David den Briten am Vorabend der Schlacht gegen die Sachsen riet, sich Lauch an die Mützen zu stecken. So könne man Freund und Feind besser unterscheiden. Da in der Walisischen Sprache Lauch und Osterglocken mit demselben Begriff belegt sind (Daffodils), stecken sich die Waliser am St. Davids Day Lauch oder Osterglocken an. Oder beides- ist doch ganz einfach :)

Die Post hat offen - es ist aber niemand da? Völlig normal
denn am 1. März feiert man einfach mit! 
Heute noch beliebter Pilgerort- die St. Davids Church in Pembrokeshire
Aber wer ist das eigentlich? Dieser St. David? Er spielt so eine wichtige Rolle in der Geschichte der Waliser- aber es ist nur sehr wenig über sein Leben bekannt. Man sagt, dass er 100 Jahre alt wurde und um 589 starb. Der erste Bericht über ihn tauchte seltsamer weise aber erst 500 Jahre nach seinem Tod auf. Das macht es sehr schwer zu entscheiden, welcher Aspekt der St. David Geschichten wahr ist. Er soll sehr einfühlsam gewesen sein und geistig sehr stark. Er soll riesig gewesen sein und sich nur von Früchten ernährt haben. Sein Vater soll "Sant" gewesen sein. Der Enkel des Prinzen von Cededigion in Süd Wales. Seine Mutter soll "Non" gewesen sein - eine Nichte des legendären König Arthur.
St. David reiste sehr viel und weit. Er pilgerte durch Wales, Cornwall, Süd-West
England, Brittanien, Frankreich, Irland und auch Jerusalem. Er gründete viele Kirchen udn Klöster in Wales und man sagt, dass er irgendwann ein Erzbischof wurde. Er wurde 1120 heilig gesprochen und der 1. März wurde zu seinem Gedenktag.
Eine kleine Walisische Sonne :D
(c) by dailypost. uk 
Natürlich ranken sich auch Legenden über ihn. So erzählt man sich, dass er den Boden auf dem er predigte erhob, damit er von allen gesehen und gehört werden konnte. Ob diese Legende wahr ist oder nicht, das weiß nur der heilige St. David selbst. Aber fragt ihr einen Waliser ob die Geschichte wahr ist oder nicht, dann wird er euch sagen, dass es darauf gar nicht ankommt! Und Recht hat er! Denn ich finde es gigantisch schön, wie sehr ein Volk zusammenhalten kann und stolz auf seine Geschichte sein kann. Es steckt förmlich an!

Wie ergeht es euch wenn ihr die Bilder seht? Ist es nicht herrlich, wie stolz die Waliser auf ihr Land sind? Würdet ihr nicht am liebsten mitfeiern? Also, ich wäre jetzt gerne ganz genau mittendrin!


Und auch wenn ich es nicht aussprechen kann, wünsche ich allen unseren Walisischen Freunden "Hwyl fawr ar Ddydd Gwyl Dewi!"