Waldgeflüster

Dienstag, 27. Januar 2015

Qi Gong - die sanfte Heilung

Wie aus Qi Gong und mir Freunde wurden

Es ist gar nicht nicht einfach an Qi Gong vorbeizukommen, wenn man einen Mann hat, der selbst Tai Chi und Qi Gong macht und es auch unterrichtet.

Schon länger bin ich auf der Suche gewesen nach einem Sport den ich auch als Übergewichtige machen kann.
„Geh doch einfach in ein Fitnesstudio“ würdet ihr jetzt mit Sicherheit sagen, aber eben genau das wollte ich nicht. Durch meine Auto-Immun Erkrankung und dem daraus resultierenden Übergewicht und den Lipödemen ist es mir wichtig, dass ich meinen Körper optimal unterstütze. Ich habe oft das Gefühl, dass meine Energievorräte „leer“ sind und ich fühle mich schlapp. Jede Grippe erwischt mich, ohne das ich was dagegen machen kann- mein Immunsystem ist durch die Auto Immun Erkrankung am Rande seines Machbaren.
Daher brauche ich einen Sport, der mich optimal unterstützt. Doch was ist in meinem Fall optimal? Ein Fitnesstudio ist es wohl nicht. Ich habe das Gefühl, dass dort nicht optimal auf die Mängel in und an meinem Körper eingegangen werden kann. Es ist ja auch keine Gesundheitsanlage sondern eben ein Fitnesstudio ;)
Ich habe mir also erst einmal Gedanken gemacht. Was will ich eigentlich durch Sport erreichen?

  1. Gelenke - schonend sollte es auf jeden Fall sein. Langsame Bewegungen – damit sich mein ganzer Körper langsam und schonend an die Bewegungen gewöhnen kann.
  2. Dauerhaft unterstützend sollte es sein.
  3. Muskel Aufbau etc. ist momentan für mich nur Nebensächlich.
  4. Mir geht es jetzt erst einmal darum, meinem Körper Hilfe zu geben und ihn beweglicher zu machen.
  5. Ich würde gerne mehr Energie und Ausdauer bekommen
  6. Ich möchte mich alles in allem „wacher“ fühlen
  7. Vielleicht kann ich irgendwann dadurch die Option auf eine schnellere, intensivere Sportart wahrnehmen.


Nach langem Forschen kam ich dann darauf, dass Qi-Gong für mich das Richtige ist. Ich muss gestehen, dass Qigong mich schon immer gereizt hat. Ich habe vor vielen Jahren mal Tai Chi gemacht, aber nach vielen Unfällen und dann auch dem Ausbruch meiner Krankheit war daran nicht mehr zu denken. Aber Qi Gong erscheint mir jetzt als eine Art „softes Tai Chi“ welches ich durchaus durchführen kann.
Im Urlaub letzten Jahres lernten wir eine sehr liebe Qi-Gong und Tai Chi Lehrerin in Wales kennen. Sue traf sich mit uns am Strand und zeigte Marcel ihr Qi-Gong – welches sehr Yin angehaucht ist (Yin steht hier für Weiblich). Ich sah den beiden zu, wie sie die Übungen des jeweils anderen austauschten und verspürte sofort die Lust mitzumachen. Ihr Qi Gong war noch weicher als das meines Mannes und sprach eben mehr mich als Frau an. Sie hatte bestimmte Figuren, die bestimmte Weibliche Bereiche mehr unterstützen. Ich fühlte mich schon vom Zusehen gesünder,...Mehr noch - endlich hatte ich das Gefühl „das kannst Du auch, das würde Dir auch gut tun!“ Als Sue uns dann noch Abends zu ihrem Qi-Gong Kurz einlud, war in meinem Kopf klar, dass ich genau das machen möchte. An dem Abend sah ich aber nur zu. Vom Kopf her war ich einfach noch nicht soweit. Es dauerte noch ganze 4 Monate bis ich wirklich soweit war und mich WIRKLICH dazu entschlossen hatte.


Was ist Qi- Gong eigentlich?
Übersetzt heißt Qigong: „stete Arbeit am Qi“
Qigong (deutsche Schreibweise Chigong) ist eine chinesische Meditations und Konzentrations und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist.
Auch Kampfkunst Übungen werden darunter verstanden. Zur Praxis gehören Atemübungen, Körper- und Bewegungsübungen, Konzentrationsübungen und Meditationsübungen. Die Übungen sollen der Harmoniesierung und Regulierung des Qi-Flusses im Körper dienen. In der Geschichte Chinas hat diese Praxis als Gesundheitsvorsorge immer eine große Rolle gespielt. Primär geht es darum den Energiehaushalt des Körpers zur Behandlung von Krankheiten zu Fördern und zu Stabilisieren. Die Chinesische Medizin geht davon aus, dass der Fluss des Qi seine Qualitäten und seine Veränderungen für das Wohlbefinden oder das Auftreten von Krankheiten verantwortlich sind. Viele Menschen die an Qi glauben, haben die Vorstellung, dass es im Körper nach verschiedenen Mustern zirkuliert. Liegen Blockaden des Qi vor, kann es leicht zu Krankheiten (körperlich und seelisch) kommen. Durch regelmäßige Qigong Übungen wird die körpereigene Energie (Selbstheilungskräfte) gestärkt und sorgt für einen ungehinderten Fluss der Energie im Körper und löst so gestautes Qi auf. Regelmäßige Qigong Übungen verbessern das Wohlbefinden und stärken die Immunabwehr.
Die Chinesische Medizin handelt daher schon seit vielen tausenden von Jahren nach dem Grundsatz:
Besser die Gesundheit erhalten als Krankheiten zu heilen.

Was macht Qi Gong mit mir?
Mittlerweile mache ich regelmäßig meine Übungen. Mein Mann ist mittlerweile mein Meister und hat mir mit einer Engelsgeduld eine Figur nach der anderen beigebracht. Wir machen täglich gemeinsam Qigong.
Seitdem hat sich vieles verändert.
Ich habe für mich eine Art morgentliches Ritual erschaffen. Ich betrete den Übungsraum und zünde Kerzen an, begrüße Gott und Göttin und stelle meine Kuan Yin an ihren Platz. Sie wacht über meine Übungen und gibt mir Kraft. Dann spiele ich die QiGong Musik ab und erde und zentriere mich. Dann geht es auch schon los. Ich spüre mittlerweile den Qi Fluss ganz deutlich und meine Hände pulsieren und pochen immer ganz intensiv. Die ersten Male wurde mir auch richtig schwindelig. Verunsichert wollte ich dann aufhören, aber mein Mann sagte mir, dass ich mich kurz ausruhen solle bis es wieder geht und dann weitermachen solle. Und es war gut so.
Als ich mit Qigong anfing und meine ersten Übungen machte, war ich noch stark erkältet. Ich hatte zudem noch Unterleibsprobleme und Schmerzen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich spüre, wie das Qi arbeitet. Nach meinen Übungen bekam ich immer ein Ziehen im Unterleib und meine linke Wange wurde ganz heiß. Kurz danach gab mein Körper dann die kranken Stoffe aus meiner Nase frei. Auch meine Unterleibsschmerzen ließen nach ein paar Wochen nach.
Ich fühle mich nach jeder Übung freier und wacher und sehr agil. Mit der Zeit konnte ich auch immer besser unseren Berg erklimmen und mittlerweile bin ich auch nicht mehr so erschlagen wie noch vor ein paar Monaten. Nachts schlafe ich seitdem viel tiefer und besser. Kurzum ich fühle mich viel wohler in meinem Körper.
Mit der Zeit fing ich an meine Figuren zu verfeinern. Ich spürte bei Veränderung meiner Handhaltung oftmals mehr Qi, oder spürte, dass ich mit anderer Bewegung mein Qi noch intensvier leiten konnte. Ich spürte immer deutlicher, wo Blockaden waren und stellte mir oft Bildlich vor, wie ich sie mit Hilfe eines Qi Stromes löste. Mit der Zeit spürt man mehr und mehr und wird sensibler. Zum Beispiel hat sich mein Geruchs und Geschmackssinn sehr verfeinert. Ich rieche alles intensiver und schmecke bewusster.

Mit den Übungen kamen die Einsichten

Ich habe eingesehen, dass ich bislang gar nicht gesund sein und schon gar nicht bleiben konnte. Denn, gesund ist man laut chinesischer Medizin erst, wenn Körper, Geist und Seele im Gleichgewicht sind. Körper und Geist sind bei mir mehr als im Einklang, aber meinen Körper habe ich bislang aus Angst wegen der Krankheit irgendwie als Stiefkind behandelt. Fast schon ausgegrenzt. Ich hatte immer Angst davor, ihn zu überfordern und damit einen Schub meiner Erkrankung auszulösen. Mittlerweile sehe ich ihn als einen wichtigen Teil von mir selbst an, dem ich helfen möchte, damit er sich selbst und somit mir helfen kann. Langsam und mit der Geduld einer Mutter arbeite ich jetzt daran, dass er seinen Platz endlich einnehmen kann zwischen meinem Geist und meiner Seele die singend und lachend schon lange glücklich sind.
Ich habe erkannt, dass mein Körper mein Tempel ist und ich diesen sträflich vernachlässigt habe. Wie soll ich Ruhe finden und Ordnung und Kraft in meiner Mitte finden, wenn in mir nicht aufgeräumt (Blockaden gelöst) und geputzt (Qi durchgeleitet) wird? „Mein Körper ist mein Tempel und jetzt reinige ich Dich“ ist auch deswegen mein Leitspruch bei der Abschlussübung.
Es war ein langer Weg bis Qigong und ich uns angefreundet haben. Aber wie eben alles beim Qi Gong und in der Medizin braucht gut Ding seine Zeit.

Es kommt darauf an, den Körper mit der Seele und die Seele durch den Körper zu heilen! Und das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!

Das sagt kurz aus, was Qi Gong ist.
Für mich ist es Heilung!