Waldgeflüster

Samstag, 3. Januar 2015

Im Land der Frau Holle


In den Rauhnächten haben wir uns auf eine Spurensuche der besonderen Art gemacht. In unserer Ausbildung haben wir sehr viel über die Göttin Holle erfahren. Das Märchen kennt natürlich jeder, aber wie ist das eigentlich gemeint? Göttin Holle? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich bislang an die Frau Holle dachte, dann dachte ich an die liebevolle Großmutter die kräftig die Betten schüttelt, so dass es auf der Erde schneit. Das sie eine Göttin sein sollte, war mir neu. Um so passender erschien uns die Einladung des Konsuls des Frau Holle Landes e.v - Wolfgang Dovidat. Er lud uns ein, das sagenumwobene Frau Holle Land selbst zu besuchen und auf ihre Spurensuche zu gehen.
Bei passendem Schneewetter machten wir uns auf und fuhren in das 389 km entfernte Witzenhausen in der Nähe von Kassel. Im Burghotel - in dem auch das Frau Holle Konsulat beherbergt ist- bekamen wir das Frau Holle Zimmer. Es war herrlich dekoriert. Gleich fühlte man sich in eine andere Welt versetzt. Mit Spinnrad und Apfelbaum im Zimmer schliefen wir nach einem Wellness - Besuch im Hauseigenen Schwimmbad mit Sauna ganz tief und zauberhaft ein.

So "arbeiten" Hexen natürlich gerne :)
Herr Dovidat gab uns Abends noch Karten-Material und sein Buch (Frau Holle Land- Das Götter Rätsel am Hohen Meißner) mit, damit wir auch gut vorbereitet unsere Tour angehen konnten. Ich nahm das kleine unscheinbare Büchlein in die Hand und dachte mir vor dem einschlafen könne ich noch 1-2 Seiten lesen... denkste! Ich verschlang das ganze Buch! Es ist gefüllt mir sehr spannenden Thesen und Berichten und Dokumentationen über das Frau Holle Land, die Orte der Frau Holle und natürlich auch über Frau Holle selbst.

Gut ausgeruht und nach einem traumhaften Frühstück machten wir uns auf den Weg. Bei -5 Grad und strahlendem Sonnenschein war unser erster Anlaufplatz ein Thing-Platz mit einer alten Linde.

Die Linde- ein typischer Frau Holle Baum

Wir fuhren dann weiter zu den berühmten Hollesteinen. Das Dorf in dem sie stehen ist so klein, dass wir sie zu erst gar nicht sahen. Wir fuhren instinktiv einen Hügel hinauf und dachten schon, dass wir in einem komplett falschen Dorf waren, aber dann- bei der Abfahrt sahen wir sie. Direkt neben einem Wohnhaus- quasi im Garten - standen sie. Aus der Richtung aus der wir kamen wirkten sie auf uns wie ein Tor. Wir sahen uns die Steine genauer an und fanden hier eingemeißelt eine Schlangenlinie. Ein Zeichen für den Quellenkult? Eine Schlange die mit der Sonne um den Stein wandert, wie wir es aus der Kultur der Mayas kennen? Rätsel über Rätsel...
Die Steine erinnerten uns von der Art her sehr an die Externsteine und wir waren uns schnell einig darüber, dass es wirklich ein sehr starker Ort ist. Wir konnten uns förmlich vorstellen, wie hier Priesterinnen zwischen den Steinen stehend- die Sonne begrüßten oder zu den ihren sprachen.

Die Holle Steine inmitten eines normalen Gartens- so scheint es
Die Kraft der Steine ist deutlich zu spüren und überall finden sich kleine Opfergaben
Von hier aus machten wir uns auf in Richtung Hoher Meißner. Auf dem Weg dorthin sahen wir auf der rechten Seite - wie von Herrn Dovidat beschrieben- ein Wegkreuz aus Stein. Hier hielten wir an und sahen es uns genauer an. Auf dem Kreuz ist deutlich ein umgedrehter Thors Hammer zu sehen. Die Sagen und Legenden lehren uns, dass Frau Holle niemand anderes ist als die Große Erdgöttin Freya. Und wenn dem so ist, dann ist Thor niemand anderes als ihr Sohn. Ist dieses Zeichen vor dem Berg eine Art Warnung? Nach dem Motto: "Gebt Acht was ihr hier macht! Ihr betretet den Berg meiner Mutter?"

Ein umgedrehter "Thors Hammer" als Warnung
Im Kopf noch voll mit Gedanken über das eben gesehene /erlebte machten wir uns weiter. Unser nächster Halt war die Kitzkammer. Sie ist entstanden in der Frühzeit der Erde in der der Hohe Meißner noch ein Vulkan war der auch tätig war. Die Kitzkammer ist eine Vulkanspalte mit sechseckigen Basaltsäulen. Diese entstehen durch den Volumenschwund des Magmas bei der Abkühlung. Die Legende besagt, dass in stürmischen Nächten die Freya mit ihrem Streitwagen der von Kitzen gezogen wurde - unheilvoll durch die Wälder jagte. Eine andere Sage erzählt uns, dass die Frau Holle hier die faulen Mädchen einsperrte die sie zuvor in Katzen verwandelt hatte. Da wir ja schon einige Kultplätze besucht haben ist uns noch etwas aufgefallen. Die Spalte erinnert sehr stark an eine Vagina. Solche Bauwerke sind uns aus Irland und auch Cornwall bekannt. Ein weiteres Zeichen? Noch mehr Rätsel. Der Name kommt angeblich von "Kitz", abgeleitet von Käuzchen. Und diese halten sich sehr gerne in solchen Felsspalten auf.
Auf dem Weg zu der Höhle fielen uns viele kleine Orte für Rituale und Zeremonien auf. Überall zwischen den hohen Buchen, Ebereschen und Douglasien fanden wir kleinere Opfergaben.

Überall auf dem Weg zur Kitzkammer sehen wir Zeremonie-Orte

Kraftvolle Spiralen um die Bäume

Die Kitzkammer
Allein der Weg zu der Kitzkammer war schon sehr Kraftvoll. Überall im Wald liegen Steine die einem fast den Weg zeigen. Auch fanden wir eine Art "Cairn" - ein Steinhaufen. Im Übrigen kann man sehr schön schon im Vorfeld erahnen wo sich die Kitzkammer befindet. Der Ort "zieht" einen zu sich. So sind wir - unwissend- auf das Dach der Kitzkammer gestiegen und fanden dort -zig in Bäumen geritzte Liebesbeweise :)
Ziemlich durchgefroren machten wir uns dann auf Eisglatten Straßen auf zum Sagenumwobenen Frau Holle Teich. Auf diesen freute ich mich ganz besonders. Schon vieles hatte ich davon gehört und ich war neugierig auf die Aura die ich dort spüren würde. Vom Parkplatz aus sind es nur ein paar Schritte und dann stand ich an dem Frau Holle Teich. Ein flacher länglicher Teich von dem man sagt, dass er unendlich tief ist. Ich wollte mir die Holzfigur des Russischen Bildhauers ansehen und war mir eigentlich sehr sicher, dass ich auf dem Weg lief - aber fast wäre ich ins Eis eingekracht. Wollte Frau Holle mich zu sich ziehen? Marcel hielt mich noch fest und wir mussten erst einmal grinsen. Der Teich ist umgeben von einem alten gemauerten Wall an denen Palisaden standen. Dadurch war der Ort schon damals auch ein Zufluchts- und Schutzort für Verfolgte.
Dieser Teich - so sagt man- ist der Teich des Lebens und des Todes. Hier sollen den Sagen nach die Babys auf Seerosenblättern gewartet haben bis der Storch sie zu ihren Müttern bringt. Niemand geringeres als Frau Holle selbst hat ihnen dabei das Leben eingehaucht.

Taufbecher - Frau Holle haucht den Babys das Leben ein
Frauen die ungeduldig auf Kindersegen gewartet haben, sollten hier Blumengaben und Opfergaben ablegen und in den Teich gehen. Freche Kinder sollen von ihr in den Teich gezogen worden sein. Hierhin- in den Frau Holle Teich bringt sie auch die verstorbenen Seelchen. Ein sehr mystischer und Kraftvoller Ort, der mich sehr in seinen Bann gezogen hat. Und ich glaube, Frau Holle hätte mich am liebsten da behalten ;)

Frau Holle Teich
Frau Holle mit einem Kissen in der Hand

eine ältere Frau Holle am anderen Ufer

Und noch einmal unsere Frau Holle von vorne
Vom Frau Holle Teich aus begaben wir uns direkt in den nebenstehenden Wald. Hier gingen wir etwas verworrene Wege und gelangten an einen sehr spannenden Ort. Mitten im Wald fanden wir- nach einigem Suchen einen Ort der von den Menschen dort "das alte Gericht" genannt wird. Die Menschen dort erzählten uns, dass Waldarbeiter diese aus Steinen gebaute Sitzecke samt Tisch bauten als sie längere Zeit für Forstarbeiten in diesem Wald arbeiten mussten. Auf uns wirkte der Ort aber - und man möge es uns verzeihen- anders. Der Ort - egal ob alt oder nicht- hat so eine starke Ausstrahlung, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. Lange saßen wir einfach nur dort und ließen alles auf uns wirken. Die Aura des Ortes, die Lage, das Umfeld... Herr Dovidat erzählte uns, dass es sich bei diesem Ort um den Altar der Holle Frauen handelt. Aber wisst ihr was? Macht euch am besten ein eigenes Bild!

Auch wir lassen etwas vergängliches als Opfergaben da

Gebet

Völlig überwältigt

Kraft spüren
 
Opfergaben
Kraftvolle Spirale zwischen den Bäumen
Marcel spürte in der Spirale eine Energetische Wärme

Als letzten Ort besuchen wir einen Platz der auf alten Karten als "Altar-Stein" eingetragen ist. Man sagt, dass es sich hier um den Altar Stein für die große Göttin Freya handelt. Dr. Karl Hollmann- der größte Denkmalschützer der Region spricht sogar vom größten Heiligtum der Göttin Freya. Eine Wegbeschreibung dorthin gibt es keine. Auch wir mussten uns auf unser Gefühl unsere Intuition verlassen.

Was ist denn nun dran? An all dem? Ist Frau Holle wirklich eine Göttin? Ist es sogar die Göttin Freya? 
Nun, ich bin eine Hexe und als solche ist es fast schon meine Aufgabe, euch ein wenig zum Nachdenken zu bringen. Ich möchte euch jetzt meine ganz eigene Theorie zu dem ganzen erzählen. Was ihr daraus macht, bleibt wie immer ganz alleine euch überlassen...

Ich persönlich glaube, dass es damals sehr weise Frauen gab, die von vielen Menschen aufgesucht wurden wegen ihren Heilkräften, Hebammen-Eigenschaften- Hellseherischen Fähigkeiten etc. Diese Frauen wurden nach der Christianisierung in die Wälder vertrieben. Zu Zeiten in denen es schon strafbar war zu Bäumen zu beten oder die alten Götter anzurufen hätten diese Frauen in der Gegenwart von Menschen nicht lange überlebt. Ich glaube auch, dass diese Frauen dort weiter arbeiteten und weiter auch den alten Göttern dienten und zu ihnen beteten und ihnen Opfer brachten. An für sie ganz kraftvolle Orte. Ich glaube auch, dass sich die große Göttin (Muttergöttin Erde) in fast allen Regionen Deutschlands unter vielen unterschiedlichen Namen gehalten hat. Für mich ist die schlüssigste Variante die, dass die Geschichten und Sagen, Mythen und Legenden um die große Göttin von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Zu Zeiten der Christianisierung und danach eben in abgewandelter Form und mit anderen Namen. Ich persönlich glaube, dass aus der Germanischen Göttin Freya zu ihrem ganz eigenen Schutz die Frau Holle wurde. Ich glaube auch, dass zum Beispiel in Schweden aus ihr die Heilige Lucia wurde, deren Fest die Schweden noch immer am 13. Dezember gefeiert wird.  Und ich glaube, dass die Weisen Frauen die in die Wälder gingen und dort weiter den alten Glauben praktizierten ihre Priesterinnen oder Fürbitterinnen waren. Ich glaube, diese Frauen nannte man Holle-Frauen. Und ich glaube, dass daher ihr späterer Name kommt. Und ich glaube, dass nur so ihre Geschichte, ihre Rituale und auch ihr Zauber aufrecht erhalten werden konnte.

So, und jetzt seid ihr dran. Macht euch eure eigenen Gedanken, geht auf eine Reise und erforscht diese Sagenumwobene Frau. Schaut euch das Symbol der Schneeflocke einmal ganz genau an... ist vielleicht ein verstecktes Symbol dahinter? Schaut euch einmal die Attribute der Göttin Freya an und vergleicht diese mit Frau Holle. Und natürlich das wichtigste... spürt euch hinein und vertraut auf das, was ihr fühlt! 

Ich wünsche euch ganz viel Spaß auf dieser spannenden Reise!!

Möchtet ihr die Orte auch einmal besuchen? Möchtet ihr das aber nicht alleine machen? Möchtet ihr noch weitere spannende Geschichten, Sagen und Mythen über Frau Holle und ihr Land hören? Dann schreibt mir einfach eine E-Mail. Als offizielle Botschafterin des Frau Holle Landes freue ich mich schon sehr darauf euch all das zeigen und erzählen zu dürfen! Natürlich dürft ihr mich auch für andere Dinge kontaktieren. Eine Taufe am Frau Holle Teich? Eine Hochzeit? Ein Abschiedsritual? Gerne! Ich freue mich darauf!!

Das "Göttlichste" nach so einer langen Tour bei -5 Grad ist immer noch eine heiße Tasse Tee :)



In diesem Zuge möchten wir uns auch ganz herzlich bei dem Botschafter des Frau Holle-Landes Wolfgang Dovidat und seiner Frau Olga Dovidat für das traumhafte Wochenende in ihrem Burghotel in Witzenhausen bedanken! Die Gastfreundschaft war einfach verzaubernd.
Danke für alles,
Fenni und Marcel