Waldgeflüster

Sonntag, 21. September 2014

Ein Gebet über die Vergebung

Neulich fand ich mich tatsächlich in einem zweistündigen Chakra-Öffnungs- und Heilungs-Workshop mit Hilfe von tibetanischen Kristall-Klangschalen wieder. Zuallererst und ursprünglich ging es im Einstieg darum, alle Bande zu lösen, die mich an meinen Körper festhalten, mich an ihn binden. Damit ich frei und gelöst eine Seelenreise unternehmen kann. Damit ich ohne mich dagegen zu sperren etwas Neues auf mich einwirken lassen kann. Und dabei kam mir eine wichtige Erkenntnis, jedenfalls zu diesem Zeitpunkt, die ich mit Euch teilen möchte.

Denn so richtig frei gefühlt habe ich mich erst als in einem Gebet ein Punkt angesprochen wurde, den ich im Arbeits-Streß der letzten Monate ganz verdrängt haben muß, wenn nicht gar vergessen. Ich mußte Vergebung üben, mußte nachlassen, mußte von eigenen Fehlern loslassen und von Fehlern anderer Menschen. Die Fehler, das Unrecht sind bereits geschehen. Es tut mir leid für mich und für andere.
So ist es nunmal: es geschehen manchmal unrechte Dinge, und sie geschehen wider besseren Wissens. Dinge, die man eigentlich anders gemacht hätte, die man vielleicht auch vermieden hätte.

Es ist gut, wenn man über diese Dinge nachdenkt und überlegt, was man daran hätte anders machen können. Es ist auch gut darüber nachzudenken, was andere Menschen an Unrecht getan haben und wie die Geschehnisse anders, vielleicht friedlicher und besser, hätten verlaufen können.

Es ist aber noch besser nicht zu vergessen, daß man irgendwann auch vergeben muß. Vergebung üben - an anderen und an sich selbst! Sonst trägt man immer mehr belastendes Material mit sich herum und wird irgendwann vom eigenen Ballast erdrückt. Man ist und bleibt "grumpy". Ich besitze übrigens für solche Phasen ein "Grumpy" T-shirt. Einer der sieben Zwerge von Walt Disneys Schneewittchen ist darauf abgebildet, der wohl "Grumpy" heißt und auch ziemlich genau so aussieht. Das T-shirt ziehe ich mir dann an und mein Umfeld ist vor mir gewarnt :-)

Das Thema des Herumtragens von unnötigem Ballasts erinnert mich wieder an die kleine taoistische Geschichte über einen Sack voller Kartoffeln, die ich vor Monaten hier zitierte... aber ich schweife ab.

Es ist wohl besser, erst einmal Vergebung an sich selbst zu üben. Dann kann man den anderen Menschen ganz leicht vergeben. Denn warum sollte man anderen Leuten vergeben, wenn man sich nicht selbst vergeben kann?

Ich halte zum anderen die "Nachsicht" für eine gefährliche Sache, auch wenn sie in diesem Zusammenhang gerne und immer wieder genannt wird. Denn Nachsicht ist keine Vergebung. Nachsicht ist ein Aufschieben, ein Darüber-Hinwegsehen. Bei Nachsicht stapeln sich die unrechten Dinge trotzdem an, auch wenn man vorerst darüber hinwegsieht. Irgendwann kann man eben nicht mehr darüber hinwegsehen, weil der Stapel zu groß geworden ist.
Echte Vergebung beseitigt hingegen den Stapel :-)

Mir hat folgendes kleines Gebet -sinngemäß wiedergegeben- dabei geholfen, mich endlich wieder frei zu fühlen und mich daran zu erinnern, doch endlich zu Vergeben, mich von den letzten Banden zu lösen und zu befreien.
Vielleicht sprecht Ihr es Euch auch einmal vor?


Ich vergebe denjenigen Menschen,
die meiner Seele Schmerzen zugefügt haben,
wissentlich oder unwissentlich,
in dieser Welt und in allen anderen,
in diesem Leben und in allen anderen.
So sei es.

Ich vergebe denjenigen Menschen,
die den Seelen anderer Menschen Schmerzen zugefügt haben,
wissentlich oder unwissentlich,
in dieser Welt und in allen anderen,
in diesem Leben und in allen anderen.
So sei es.

Ich vergebe mir selbst,
wann immer ich meiner Seele Schmerzen zugefügt habe,
wissentlich oder unwissentlich,
in dieser Welt und in allen anderen,
in diesem Leben und in allen anderen.
So sei es.



Der Klangschalen-Workshop war übrigens klasse, so tief in Trance und im Nachhinein entspannt, körperlich wie seelisch, war ich selten. Oder sollte ich sagen "ausgeschlafen" ? Nein, das ist dann doch zu frech, zu sarkastisch. Es hat wirklich gut funktioniert, aber das ist eine ganz andere Geschichte!


Ich wünsche Euch ein gelöstes, freies Mabon.

Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur