Waldgeflüster

Dienstag, 22. Juli 2014

Lughnasadh / Lammas 2014


Gesegnetes Lughnasadh euch allen :)
Sonne, Regen, Sonne, Regen,...
Das Wetter hat schlimmere Stimmungsschwankungen als ich... :)

Heute Nacht gab es ein schweres Gewitter mit starkem Regen. Nach langer heftiger Hitze in den letzten Wochen, war es längst überfällig.

Mensch und Tier jammerten bei der Hitze und verkrochen sich in die schattigsten Winkel oder hüpften gleich ins kühlende Nass nur um ein wenig Abkühlung zu erlangen. Alles hat gestöhnt und gejammert. Nur wenige Sonnenanbeter haben sich wirklich über die trockene Hitze gefreut. Ich bin ein Fischkopf und somit eher die kälteren Temperaturen gewöhnt. Ich mag es am liebten, wenn immer ein wenig Wind geht und es nicht zu heiß wird. Für mich war die heftige Hitze hier in Baden Württemberg zu viel des Guten und auch ich habe mich in den Schatten geparkt. Oh wie habe ich mich gefreut, als es dann hieß, dass Gewitter und Regen kommen - ja richtige Unwetterwarnungen wurden ausgegeben. Fast stündlich verfolgte ich die Meldungen und fieberte dem kühlenden Nass entgegen. Endlich wieder richtig schlafen können, endlich nicht mehr nach 5 Schritten klatsch nass geschwitzt sein. Herrlich dieser Gedanke...

Und dann kam es. Mit wildem brausen rauschten die Tannen an unserem Haus und ein starker Wind kam auf. In der Ferne hörten wir es bereits Donnern und nach kurzer Zeit fielen dann auch die ersten Tropfen... Plitsch Platsch, Plitsch, Platsch... und sie wurden immer dicker und größer und merklich kühlte die Luft ab. Ich atmete auf. Endlich! Ein richtiges Unwetter mit lautem Donner und vielen Blitzen ging über uns hinweg. Es regnete Stark und viel und der Sturm schien mit dem Donner um die Wette zu jagen. Es war ein herrliches Naturschauspiel. Abgekühlt und zufrieden schlief ich durch das Trommeln der dicken Regentropfen ein.

Morgens, auf meinem Weg zur Arbeit war ich gut gelaunt - ich hatte richtig tief und fest schlafen können, jetzt, wo es nicht mehr so warm war. Doch dann, dann sah ich etwas und musste sofort bremsen.

An einem Getreidefeld stieg ich aus und musste heftig schlucken... Tränen stiegen mir in die Augen. Das ganze Getreide war durch den Sturm zerstört. Die Halme waren durch den starken Regen umgeknickt und unwiederbringlich am Boden. Es war nicht ein Halm, nicht zwei oder drei … nein, es war das ganze Feld.

Ohweh!

So gut mir persönlich der Wetterumschwung auch getan hatte, so war er doch für die Felder kein Segen. Einige Getreidefelder dieser Art waren in der Woche davor – in der brütenden Hitze – schon gemäht worden, aber eben nur einige. Die Mehrzahl der Felder nicht. Diesen Feldern erging es fast allen gleich.

Gedankenverloren setzte ich meine Fahrt fort. Ich überlegte, welch eine Katastrophe es damals für die Menschen gewesen sein musste, dass ganze Felder zerstört worden waren und mir wurde bewusst, dass es heute eigentlich niemandem – bis auf wenige Ausnahmen - auffallen würde, dass die Ernte dieses Feldes verloren ist. Es machte mich unsagbar traurig.

Ich arbeite schon viele Jahre Spirituell und ich merke, wie ich mich verändere. Jedes Jahr hängt an einer bestimmten Stelle im Ort eine Girlande. Das erste Jahr fuhr ich durch unseren Ort und sah eine Girlande über der Straße und las das Schild nicht mal. "Wird schon irgend so'n Quatsch sein" dachte ich bei mir! Dann ein Jahr später wurde ich neugierig und las das Schild „Gott schütze die Ernte“ stand darauf... die letzten Jahre wurde mir immer bewusster, was es bedeutet. Und heute? Heute bewundere ich die Auenwälder, die diesen alten Brauch noch oben halten und die Menschen daran erinnern, dass wir größeren Mächten untergeordnet sind. Hier macht man sich bewusst, was es bedeutet, wenn Mutter Erde uns das Korn schenkt und hier wird Vater Himmel und Mutter Erde noch um eine gute Ernte gebeten. Hier wird es nicht als Selbstverständlich angesehen, dass wir jeden Tag unser „täglich Brot“ auf dem Tisch haben.

Ein alter keltischer Brauch ist es, von den ersten Körnern des Feldes Mehl zu mahlen und dieses in das Brot zu mischen welches einem während der jetzt kommenden harten Erntezeit Kraft spendet. Diese Broten werden dort noch heute in Lammas Zeremonien gesegnet.

Das erste Korn wird geerntet, ein Dankgebet und ein Bittgebet für eine gute Ernte gesprochen und dann werden die kleinen Körner einzelnd herausgetrennt und dann zu Mehl gemahlen. (siehe Fotos). Schaut man sich an, wie viel Mehl man von 9 Körnern bekommt, und schaut man sich dann an, wie viel Mehl man benötigt um ein ganzes Brot zu backen... und schaut man dann auf das Feld, welches zerstört wurde... und erinnert man sich dann daran, wie viel Brot man in 4 Wochen isst,...dann fühlt man sich plötzlich ganz klein und bekommt eine ganz andere Wertvorstellung von allem, was Mutter Erde uns schenkt um uns am Leben zu erhalten.

Wir sind so damit beschäftigt zu schauen, wo wir möglichst viel Ansehen herbekommen, unsere Nachbarn zu übertrumpfen, noch Erfolgreicher zu werden, noch tollere Autos zu fahren etc. aber was das eigentliche Leben ist... was es bedeutet... und welch harter Kampf es jedes Mal wieder für die Bauern und auch für Mutter Erde ist, das vergessen wir leicht.

Erinnert euch daran!!! Und vielleicht haltet ihr auch einmal ganz kurz auf eurem Weg an und bittet Gott und Göttin für eine gute Ernte! Macht euch bewusst, dass es auch euer Brot ist, für das ihr bittet. Macht euch bewusst, dass es weit hergeholt um euer Leben geht.

Sonne, Regen, Sonne, Regen... das Wetter hat schlimmere Stimmungsschwankungen als ich? Nein! Ich habe nur verlernt den Rhythmus der Natur zu verstehen und anzunehmen. Sonne, Regen, Sonne Regen... ja! Die Natur hat genau das gebraucht. Das Korn brauchte jetzt für den Feinschliff noch richtig viel Sonne. Der Mais möchte wachsen und braucht Regen. Alles muss im Einklang bleiben und langsam begreife ich, wie egoistisch ich war.

Jetzt ist Erntezeit! Und ich schaue meine eigenen Felder in mir ganz genau an! Welche sind bereit geerntet zu werden? Welche habe ich kaputt gehen lassen weil ich das „Wetter“ in mir nicht verstanden habe, weil ich mir vielleicht nicht die Zeit genommen habe um es zu verstehen? Wo war ich so mit anderen Dingen beschäftigt, dass ich meine Felder gar nicht mehr kenne?

Ich ziehe mich zurück und bete und bitte! Ich denke an die Felder und die Ernte der Bauern und an meine inneren Felder und ich sage ganz leise mit tränen in den Augen:

Gott und Göttin, bitte schützt diese Ernte!!!

Euch allen eine schöne Erntezeit und ein schönes Lughnasadh 2014

Blessed be!!!
Das erste Korn des Sommers

9 Getreidekörner werden von dem Halm getrennt und dann gemahlen

Erstes Mehl wird sichtbar
Im Löffel liegt das Mehl aus 9 kleinen Körnern 
Litha - Blumen und Kräuter dazu
Und schon kann meine "Mutter Erde" backen
Während dessen basteln wir Strohpuppen
Das sind unsere Damen
Eine hat ihre Haare besonders schön - nein ich meine nicht Marcel ;)
Ein Schutzsymbol welches das Haus vor dunklen Gedanken schützen soll
Meine kleine freche Kornpuppe
Blessings to mother Earth



Lughnasadh Gebet:

Mutter Erde,
so nennen wir Dich,
die Du bist unsere Mutter,
von Dir kommen wir,
und zu Dir werden wir,
Du bist Leben und Tod,
Du bist Bewegung und Ruhe,
Du bist Wandel und Stillstand,
Du bist eine Urgewalt,
Du bist unsere Mutter!
Mutter, wir bitten Dich:
Schütze diese Ernte,
Schütze die Frucht Deines Körpers
Schütze dadurch auch uns-
Wir – Deine Kinder - bitten Dich darum!

Awen