Waldgeflüster

Dienstag, 27. Mai 2014

Spaziergang in einer beseelten Welt

Mit leichtem, freudigem Geist
ging ich einst in den Wald.

Fröhliches Leben in den Wipfeln:
Eichhorn flitzt,
Specht pocht,
Kuckuck ruft,
Amsel singt bunte Lieder.

Knackendes Unterholz:
Reh schaut auf und zieht weiter
Dachs murrt und trottet davon
Hase hoppelt über die Au.

Im Augenwinkel
im Halbschatten:
ich werde beobachtet.

Hier und da ein Huschen
dem Auge verborgen
hinter mir und neben mir
spüre ich Blicke auf mir.

Je länger ich weile
je ruhiger ich werde
kann ich sie erahnen
kann ich sie fast sehen:

Die anderen Wesen
die Geister und Seelen
aus aller Zeit.

Sie waren niemals fort
sind immer noch da
nur lange nicht
wahr-genommen.

Ein Tuscheln löst sich
von raschelnden Blättern
vom säuselnden Wind.

Winzige Elfen
kreisen um mich
begleiten mich
auf meinem Schritt
huschend und tänzelnd
fliegend und kichernd
von Schatten zu Schatten
von Wurzel zu Wurzel.

Zwei Trolle
nurmehr schwarze
struppige Gestalten
rasen quer durch den Wald
den Abhang herab
mitten durchs Geäst
kein fliehendes Vieh
nein freudig spielend
sich wild jagend.

Unten am Bach
ein kleiner Teich
zwei Augen
aus dem Uferdunkel.
Eine Nymphe
mich kritisch belugt
ob ich etwa Unruhe brächte.

Dann in meinem Nacken,
auf meiner Schulter
setzt sich zu mir ein Schalk,
ein Wicht.
Kitzelt mich
mit Spinnweben und Blättern.

Ich wedle mit den Händen
und schüttle den Kopf.
Kehre um
und laufe lachend heim.

Der Wald, die Welt,
sie leben.
Nicht nur mit Tieren und Pflanzen.

Freudig nahm ich wahr
was um mich geschah:

Die Freude des Frühlings
das reine, volle Leben
umgaben mich.
Ich war Teil
ihres lebendigen Spiels.

Meine Augen und mein Herz geöffnet
ich selbst ganz ruhig
und ganz bei mir
wurde ich gewahr:

Es gibt so vieles mehr
in einer beseelten Welt.






Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur