Waldgeflüster

Mittwoch, 2. April 2014

Himmelsschlüsselchen und Primala


Hurra, es ist wieder soweit! Kurz nach dem Wiesenschaumkraut kommt eine andere Sorte von Blümchen, die mir das Herz bei ihrem bloßen Anblick öffnet und mich auf Anhieb freudig stimmt. Schon als Kind sind mir diese eigenartig länglich geformten Blütenkörperchen aufgefallen und die dicken, saftigen Stielchen. Nur zu gerne habe ich sie zu einem Sträußchen gebunden und nach Hause zur Oma mitgebracht. Das ist leider etwas, das man heutzutage nicht mehr damit tun sollte, sind diese Blumen doch selten geworden und gehören in einigen Teilen Deutschlands zur geschützten Spezies.


Himmelsschlüsselchen, sagte mir die Oma, würden sie genannt. Und das sei so, weil die Blümchen aussehen wie ein Schlüsselbund, der die Himmelspforte zu öffnen vermag. Ich mochte diese Erklärung sehr und habe sie all die Jahre so belassen, bis mich neulich die Neugier packte, ob es andere Erklärungen für den putzigen Namen gäbe. Auf Wikipedia konnte ich hierzu nichts Passendes finden, aber irgendwo im Netz versteckt kam mir ein Buch unter mit dem Titel "Sagen zum Neuen Testament". Dort finden sich gleich mehrere Geschichten dazu, und eine davon liest sich wie folgt:

"Daß der heilige Petrus die Schlüssel zur Himmelspfort hat und niemand in den Himmel einläßt, ders nicht verdient, weiß ein jedes Kind. Einmal wurde ihm gemeldet, einige Unholde hätten sich Nachschlüssel zur Himmelstür angefertigt. Das war nun freilich ein großer Schrecken! Und Petrus entsetzte sich so sehr, daß er in der ersten Aufregung sein Schlüsselbund zur Erde fallen ließ. Ein Engel mußte es wiederholen. An der Stelle aber, wo das Bund die Erde berührt hatte, entstand die Schlüsselblume. Sie ist zur Erinnerung an die Begebenheit geblieben, und man nennt sie Himmelsschlüssel oder Petersschlüssel".


...ein ziemlich dicker Schlüsselbund...
In den Blütenkelchen können sich Elfen prima verstecken -
oder drin wohnen.
Manchmal ist es dann doch vielleicht eine echte Hummel :-))


Es gibt aber noch älter wirkende, naturverbundenere Geschichten darüber - beispielsweise aus Wikipedia entnommen: "Im Volksglauben galt die Echte Schlüsselblume als Schutz- und Fruchtbarkeitsmittel. In der nordischen Mythologie zählte sie zu den Pflanzen, die von Elfen und Nixen geliebt und beschützt werden. Auch wird von einer Sagengestalt, der Schlüsseljungfrau, berichtet, die auf ihrer Krone einen großen goldenen Schlüssel trägt und der Pflanze die Gabe verleiht, verborgene Schätze aufzuspüren."

Eine ganze Wiese voller verstreuter Schlüsselbunde...
ob unter jeder ein Schatz verborgen ist?


Als Kinder haben wir immer an den Blütenköpfchen "gezutzelt", daran gesaugt würde man vielleicht auch sagen, denn diese schmecken herrlich süß und enthalten wohl ganz besonders viel Nektar. Laut Wikipedia sind darin einige seltenere Zucker-Arten enthalten.

Zum Heilen von Magen- und Bronchien-Beschwerden würde ich diese Pflanze aufgrund ihrer Seltenheit eigentlich nicht verwenden. Die enthaltenen Bitterstoffe und Schleimbildner (zum Abhusten) gibt es zur Genüge auch in anderen Pflanzen!

Na, wer möchte mal daran zutzeln ?
Im Lateinischen wird die Pflanzengattung "Primula" genannt, was soviel bedeutet wie "die Erste". Wohl eben weil sie so früh im Jahr blüht. Schöne Zuchtformen mit besonders großen Blüten kann man sich zur gleichen Zeit in Baumärkten und Gärtnereien für ca 50-70 cent pro Pflanze kaufen. Aber besonders schön
finde ich noch immer die natürliche, knuffig-reine Form. Ganz ähnlich wie im Lateinischen nennen die Schwaben die Pflanzenart "Primälä", auf Hochdeutsch Primeln.

Es war mir ein besonderes Vergnügen,
Euch diese kleine Anekdote aus meiner Kindheit
zu erzählen - und mich dabei selbst wieder lächelnd daran zu erinnern :-)

Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur