Waldgeflüster

Mittwoch, 16. April 2014

Beltane – und was hat der Maibaum damit zu tun?



Heute habe ich in der Zeitung gelesen: „Helfer zum Maibaum aufstellen gesucht!“. Stimmt! Da war ja was! Es gibt den sogenannten Maibaum. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? Woher stammt dieser Brauch?

(c) by ingolfo 
Der Maibaum ist ein sehr alter wahrscheinlich keltischer Brauch. Die Kelten feiern in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai Beltane. Die Zeit des Übergangs vom Winter in den Frühling. Die Zeit des Wachsens und der Fruchtbarkeit. Der Maibaum symbolisiert einen „Riesen-Phallus“ der in die lebendgebärende Erde gerammt wird und somit die Götterhochzeit an Beltane versinnbildlichte. Den Geschlechtsakt zwischen Lebenbringendem Phallus (Baum) und Lebenspendender Vulva (Erde). Der sogenannte Maikranz der oben der Spitze angebracht wird, ist einerseits ein Zeichen der Vulva andererseits wurden die Kränze oftmals mit heilenden Kräutern (meistens 9 an der Zahl) versehen die das neue Leben und Gesundheit symbolisieren. 
Jetzt schreckt ihr wahrscheinlich zusammen. Iiiihhhhhh ein riesen Phallus- wie ekelig. Aber nein! Früher war der Phallus ein Symbol für die schöpferische lebendige Kraft des Himmels. Schon die alten Kelten hatten am meisten Angst davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Für so mächtig hielten sie den Himmel. Er gab Leben und Tod. Und ohne seine Kraft würde es weder Leben noch Tod geben und auch keine Fruchtbarkeit.
Der Baum war Zeichen der Fruchtbarkeit und Lebensraum. Denkt mal an den Weltenbaum oder an den Lebensbaum. Sie sind Sinnbild für das Leben. Und zum Leben gehört Leichtigkeit! Oftmals wird noch heute um den Maibaum getanzt. Bunte Bänder werden im Tanz spielerisch und sinnlich verwoben. So wurde das erotische Spiel in der Beltane Nacht dargestellt. Das verweben von Mann und Frau, das zusammenschmelzen von Himmel und Erde. Man konnte sich mit seinem Band selbst in dieses Geschehen mit „einweben“.

Man konnte sich selbst in die kommende Zeit mit einbringen und hatte das Gefühl, dass man ein fester Teil dieses Rituals ist. Man hatte das Gefühl ein Teil von der großen Hochzeit an Beltane zu sein.
Doch auch als Opferbaum scheint der Maibaum gedient zu haben an dem zum Übergang in die Fruchtbare Zeit (Erntevorbereitunszeit) Opfergaben dargebracht wurden. Der Fund des vergoldeten Bäumchens der Keltenstadt Manching zeigt, dass vor rund 2300 Jahren Bäume zu kultischen Zwecken dienten. Der Baum ist seit jeher ein göttliches Symbol. Bäume spielten in der vorchristlichen Mythologie eine überragende Rolle, sonst hätte man ihn, seine Blätter, Knospen und Blüten in Manching nicht so kunstvoll vergoldet. Als ich ihn damals gesehen habe, hat mich natürlich vor allem die Kunstvolle Gestaltung in seinen Bann gezogen, doch das eigentlich spannende von dem Baum in Manching war für mich, dass er auch kreisrunde Golddarstellungen beinhaltet. Zeichen der Sonne also.
Goldenes Bäumchen in Manching
 (c) by tour-Blog.de
Es gibt Hinweise der Archäologen, dass um den Baum auch Bänder gelegt waren. Mir ist da spontan der Maitanz eingefallen. Die Traditionen scheinen sich also gehalten zu haben.
So wie wir den Maibaum heute kennen, gibt es ihn erst seit dem 13. Jahrhundert. Heute hat er oftmals andere Funktionen. Er dient als Kirchweihbaum, als Ehrenbaum. Er ist Sinnbild von Zuversicht und Hoffnung für die kommende Frühjahrs und Sommerzeit (Erntezeit). Es scheint, dass mit der Zeit jede Gemeinde ihre eigenen Bräuche um den Maibaum entwickelt. Welch ein schöner Gedanke. Die Gemeinde trifft sich in der Ortsmitte und entwickelt eigene Rituale und führt die Traditionen ihrer Ahnen weiter.
Aber eines haben die Bäume von damals und heute gemeinsam. Die Menschen holen sie sich in ihre Nähe oder begeben sich in ihre Nähe, damit sie die Segenbringende Wirkung genießen können. Der Baum ist die Verbindung zwischen dem Himmel dem er seine Äste entgegenstreckt und der kalten Erde in die er tief seine Wurzeln gesetzt hat. Der Baum ist die Verbindung zwischen der kalten Jahreszeit und der Hoffnung auf den Frühling. Der Baum – das könnten wir sein. Wir- zwischen Himmel und Erde- das Leben!



Kommt, lasst uns tanzen und unsere Lebensbänder verweben, und lasst uns die große Hochzeit genießen! Spürt das Leben in euch! Und spürt die Sonne in euren Herzen!
In diesem Sinne wünsche ich euch ein feuriges (sonniges) Beltane.