Waldgeflüster

Mittwoch, 12. März 2014

Ostara 2014 - Lebensenergie

Frühlingstagundnachtgleiche
Ostara
Feuerkraft : Eigenmacht und Lebensenergie

"Zu Frühlingsbegin wecken wir mit verschiedenen Energietechniken unsere eigene Feuerkraft und verbinden uns mit Göttinnen, die uns Wege zur Eigenmacht und neuer Lebensenergie weisen. Wir stellen einen Stab her, der unsere Lebensenergie verkörpert..."    (Miriam Wallraven)

So steht es in einem Buch welches mich auf meinem Weg zur Priesterin begleitet. „Wir stellen einen Stab her...“ diesen Satz lese ich wieder und wieder. Jetzt könnte ich leichtfertig in einen Wald gehen und mir den nächst bestesten Stab nehmen, ihn anmalen und mit Federn verzieren und rufen „fertig! Was jetzt?“. Doch schon merke ich, dass es nicht so einfach ist. Ich merke, dass ich es mir nicht so einfach machen möchte.
Mein Hexenstab zu einer Zeit,
 in der es mir nicht so gut ging.
Als "Schutz" trägt er oben die "Hörner"
die Böses abwenden sollen. Sie wurden
eigens von meinem Papa für mich
geschmiedet! Danke Papa!!!  

Mir schwirren viele Fragen durch den Kopf. Was sollte es für ein Stab sein? Welche Größe soll er haben? Er soll meine Lebensenergie verkörpern. Was ist Lebensenergie eigentlich für mich? Woher soll er kommen? Aus einem hiesigen Wald oder aus einem Wald in meiner alten Heimat die mir Kraft gibt? Sollte ich ihn bewusst suchen oder warten, bis er mich findet? Wie kann ich meine Lebensenergie ausdrücken? Habe ich überhaupt Feuerkraft? Puh!

Vielleicht fange ich da an, wo es am meisten Sinn macht! Am Anfang! :)
Was ist ein Stab für mich? An einem Stab kann ich mich festhalten. Er kann mich daran erinnern, dass ich mich auch mal schlapp und müde fühlen darf und er (also sinnbildlich meine Kraft) doch immer noch in mir ist. Wenn mich das Leben einmal in die Knie zwingt, so hilft er mir dabei mich wieder aufzurichten. Droht mir Gefahr, kann ich ihn zur Abwehr nutzen. Sollte ich mich im Wald verirren, kann ich aus ihm ein Zelt bauen. Er ist meine Verbindung zur Mutter Natur. Bäume sind Leben!

Ich bin Leben!
Die Frühlingstagundnachtgleiche bringt alles ins Gleichgewicht zurück. Sie erneuert und hilft bei unserem Kampf um Erneuerung. Nach der Dunkelheit im Winter erwacht langsam alles wieder zum „Licht“ . In der Natur ist dies schon deutlich spürbar. Überall sprießt und wächst es.
Als ich letzten Sonntag draußen in der Sonne saß und meine Augen schloss, hörte ich ein zauberhaftes knacken. Und ich musste schmunzeln.
Die Osterglocken und Krokusse waren schnell beim Aufblühen und wachsen, sie stehen voll in voller Pracht. … aber das Geräusch, daß Knacken, das war unsere alte Kiefer vor dem Haus. Sie erwachte mit leisem langsamen knacken und knarzen in ihrem ganz eigenen Tempo. Krax, Krax, Knartz. Gaaaanz langsam!!! Aber am Ende ist sie auch wach. In ihrem ganz eigenen Tempo geht sie ihren eigenen Weg.
Mit der Energie der Sonne hat auch unser alter Baum endlich die Kraft sich wieder an das Leben zu erinnern und zu erwachen. Er hat seine Geschwindigkeit bewusst gewählt: gaaaaaaanz langsam- wie es ihm eben gut tut. Ihm ist es egal, wie schnell alle anderen Dinge im Garten wachsen. Fast könnte man meinen, dass er geraunt hat: „Jaja, nur keine Hast, ich mache das schon viele viele Jahre und bin immer wieder wach geworden! Es kommt auf die paar Wochen jetzt auch nicht mehr an!“ Und Recht hat er!
Warum schreibe ich das? Weil es ein sehr bewegendes Erlebnis auf meinem Weg zu Ostara ist. Die Lebenskraft in uns kann gebündelt und stark da sein oder eben auch mal langsam und fast schon gequält. Wichtig ist am Ende nur, dass man sich an sie erinnert. Das man das lebt, was Leben ist und nicht aus trüben Quellen schöpft.
Mein Hexenstab.
 Mittlerweile 17 Jahre mein Begleiter.
 Unzälige Schnitzerein zieren ihn.
Schnitzerein von Personen,
die mir etwas auf meinem
 Weg zur Hexe mitgegeben haben.

„Du hast leicht reden!“ werdet ihr schimpfen! „Wie erinnere ich mich an meine Kraft? Wie erinnere ich mich an meine Kraft, wenn es mal ganz ganz schlimm um mich steht?“
Die Frage ist berechtigt. Ich habe einen sehr engen Freund gefragt, was für ihn Lebensenergie ist. Seine Antwort war: „..weg!“. Ich fragte nach, ob er den Weg meint oder ob er meint, dass sie einfach „weg“ ist. Er sagte, er fühlte sich wie „ausgelutscht“ und so ergeht es glaube ich vielen in meinem Umkreis. Mein Mann sah mich heute Früh an und sagte mit müdem Blick: „Irgendwie bin ich nicht richtig da - ich weiß nicht, was los ist!“.
Vielleicht ist es noch nicht ihre Zeit. Vielleicht ist es noch nicht an der Zeit sich der Feuerkraft zu erinnern. Bei beiden Personen schweben Schatten wie „Trauer“ und „Chaos“ über den Köpfen. Erlebnisse müssen verarbeitet werden, neue Situationen wollen, dass man an sich an sie gewöhnt. Nichts ist mehr so, wie es war. Die Zeit ist hart und man selbst ist noch weit weit weg vom Licht!

Vielleicht ist es noch nicht die Zeit von der Dunkelheit ins Licht zu treten. Vielleicht braucht es einfach noch mehr Zeit. Aber ich weiß, dass bei beiden irgendwann der Tag kommt, an dem es in ihnen auch „Knartzt und Kracht“ und an jenem Tag werden sie sich ihrer Quellen wieder erinnern. Bei meinem engen Freund ist es der Glaube an Gott der ihn leiten wird.
Bei meinem Mann ist es die Zeit und seine Qi-Kraft die ihn wieder langsam aufpäppeln wird.
Jeder von ihnen in seinem ganz eigenen Tempo. Und nur weil ich schon „aufblühe“ heißt es nicht, dass es ihnen automatisch auch gut gehen muss. Müssen muss gar nichts! Am Ende zählt nur, dass wir alle wach werden :) Uns an unsere Energie und unsere Kraft erinnern. Am Ende zählt, dass wir uns für das Leben entscheiden! Und so wie eine Osterglocke mit ihrem strahlenden Blühen den Baum niemals dafür missachten würde, dass er noch nicht so weit ist, so haben auch wir Menschen nicht das Recht einem anderen Menschen vorzuschreiben, wie schnell er lebt!

Hui, jetzt bin ich aber ganz schön von meinem Stab abgeschweift. Und doch eigentlich auch wieder nicht. Mein Stab ist Teil eines Baumes. (Der Baum könnte auch für mich stehen)
Was dieser Baum erlebt hat, weiß nur er. Wie lange er gebraucht hat, um zu wachsen, weiß ebenfalls nur er. Er allein weiß, wie oft er sich Zeit nehmen musste und wollte um „wach“ zu werden. Er allein weiß, wie oft er sich komplett erneuern musste, alte Äste abwerfen musste, er allein weiß, wo der Ort seiner Wurzeln steckt...! Eine richtige Persönlichkeit, so ein Stab :)

Mein Mann mit seinem Stab in Stonehenge.
 Der Stab wächst jetzt schon viele Jahr mit ihm. 

Nachdem ich das jetzt hier mit euch so durchdacht habe, merke ich, wie wichtig es ist, dass beides im Gleichgewicht ist und bleibt. Es muss Zeit für die Dunkelheit geben und Zeit für die Sonne! Und ganz wichtig! Es muss ZEIT geben!
Und schon wird mir klar, was auf meinen Stock als Verzierung kommen soll. Auf der einen Seite eine Sonne und auf der anderen Seite ein Mond. Oh und er muss dick sein! Kraftvoll. Denn wenn ich an meine eigenen Energie denke, dann reicht ein dünnes Ästlein nicht aus ;) Das würde auch gar nicht zu mir passen :)

Ja, jetzt hab ich leicht reden! Im Moment bin ich in meiner Kraft (Göttin sei Dank!!!) aber wer weiß, wie lange ich diesen glücklichen Weg gehen darf. Es kommen mit Sicherheit auch wieder dunkle Tage, Tage an denen ich nicht weiß, wohin ich mich verkriechen soll - und da wird mein Stab mich daran erinnern, dass nach Dunkelheit IMMER das Licht kommt. Er wird mich daran erinnern, dass vieles manchmal einfach nur Zeit braucht und er wird mir helfen, mich wieder aufzurichten! Einfach und allein mit der Erinnerung an das Lebensfeuer in mir versinnbildlicht durch das Feuer mit seinen Strahlen (Sonne) auf meinem Stab. Ich werde mich in ihn festkrallen können, wenn ich Schmerzen habe und ich werde ihn streicheln wenn es mir gut geht. Er wird mich nie unter Druck setzen funktionieren zu müssen! Er wird mich auf vielen Wegen begleiten. Und dafür danke ich ihm jetzt schon von ganzem Herzen!

Kraftsymbole auf dem Stab meines Mannes


Beim Schreiben der letzten Sätze merke ich schon, wie sehr ich eigentlich mit meiner eigenen Kraft verbunden bin. Ich möchte am liebsten rumhopsen oder mich oben auf einer Wiese hinlegen und mich runterkullern lassen. Laut lachen! Die warme Sonne auf meinen roten Wangen genießen! Ich möchte den Wind spüren und mit ihm tanzen! Ich möchte die Menschen mit meinem Lachen anstecken! Aber ich möchte auch „Stab“ sein für die Menschen, denen es grad nicht so gut geht! Auch das ist Lebensenergie. Wenn ich so viel habe, dass ich von Herzen gerne an die abgebe, die im Moment Feuer und Kraft brauchen. Das ist mein Weg. Das ist meine Aufgabe! Sonne und Mond zu sein! Mütterlich! Ich trage all das in mir. Und der Stab an meiner Seite wird mich auf allen Wegen daran erinnern.

Eine liebe Freundin schrieb mir eben: „Liebe ist Lebensenergie!“.
Wie recht sie hat! Ich liebe meinen Mann von ganzem Herzen und ich liebe mein Leben! Ich liebe meine Macken und meine dunklen Zeiten genauso wie meine hellen Zeiten, denn ich vertraue ganz fest auf etwas, was größer ist als all' meine Sorgen und Probleme. Ich vertraue auf die Sonne und den Mond und auf die Kraft die sie leiten.
Wir dürfen nur nicht aufhören zu Vertrauen und wir müssen uns die Zeit für das Vertrauen nehmen! Die Frühlingstagundnachtgleiche zeigt es uns so schön!  
Eine Freundin hat mir von einer Postkarte erzählt auf der Windmühlen sind, dort steht:

Wenn der Wind der Veränderung bläst, dann errichten die einen Mauern und die anderen Windmühlen! 

Ich wünsche euch, dass ihr euch die Zeit nehmen könnt, damit eure Mauern auch irgendwann wieder zu Flügeln einer Windmühle werden und ihr den Wind der Veränderung in Energie umwandeln könnt! Und solange haltet euch fest! An eurem ganz eigenen Stab! 
In diesem Sinne wünsche ich euch ein "vertrauensvolles" Ostara! 
Versucht euch zu Erinnern wo eure Kraft liegt! Vielleicht geht ihr in den Wald und schaut mal nach "eurem" Stab! Versucht euch mit ihr zu verbinden und lasst es (wenn die Zeit dafür da ist) Knarzen!

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