Waldgeflüster

Montag, 17. Februar 2014

Besinnungswege: kleine Jakobs-Pilgerfahrten ?

Ein Weg zur Anderwelt ?
Ein Tor in eine eigene Welt ?
"Der Weg ist das Ziel", so sagt man doch gerne. Oft, wenn nicht sogar immer sind es also nicht die Orte, die man besucht, sondern die Wege dorthin, die etwas Besonderes zu bieten haben. Denn auf dem Weg mache ich mir Gedanken, und auf dem Weg erhalte ich Erkenntnisse und sehe neue, unerwartete Dinge. Auf dem Weg kann ich mich vorbereiten auf das Ziel. Ich kann mich unterwegs einfühlen, reinkommen, runterkommen. Mich öffnen für das, was mich am Ziel vielleicht erwartet.

Ein nettes Beispiel für einen Weg, der eigentlich besser ist als das Ziel selbst, hatte ich in einem Text über eine Reise zu einem "dünnen Ort" beschrieben, dem Bernhardusberg bei Schwäbisch Gmünd. Ein weiteres Beispiel könnte eine Reise zum Glastonbury Tor in England sein: der einsame Turm dort auf einem steilen Hügel mag interessant aussehen. Aber nur auf einem besonnenen, besinnlichen und eher umständlichen Weg dorthin erkennt man vielleicht weitere Tore und Übergänge, erhält die eine oder andere Erkenntnis über sich selbst und sein Leben, und was einen aktuell so bewegt oder antreibt...

Wenn der Weg selbst, also das Beschreiten des Weges das eigentliche Ziel ist und das Ziel lediglich die Endstation des so viel fantastischeren Weges, so kann sich das jeder von Euch doch selbst zunutze machen: statt die spektakulärsten Ziele der Welt aufzusuchen könnt Ihr Euch doch auf einen eigenen Weg der Erkenntnis begeben - einen Weg zum Nachdenken, zur Besinnung und der Meditation...?

Vielleicht, ja sehr warscheinlich fehlt Euch die Zeit und die Möglichkeit, Euch auf einen Jakobsweg nach Santiago de Compostela, Bardsey Island oder Rom aufzumachen. Vielleicht könnt Ihr nicht -zig Kilometer am Tag auf Wanderschaft zurücklegen. Aber es gibt sicher noch andere, sehr gute Möglichkeiten. Kleine, bewußte Spaziergänge durch den Wald zum Beispiel. Solche Spaziergänge lassen sich auch leichter und öfter wiederholen. Auch wenn das Erlebnis, das ein so kurzer Weg zu bieten hat, vielleicht nicht so intensiv sein mag wie eine "vollwertige" mehrwöchige Pilgerreise hat jeder bewußt gegangene Weg sicher die eine oder andere Botschaft für Euch bereit!

Gerne möchte ich Euch empfehlen, zu diesem Zweck und zum Spaß einen "Besinnungsweg" zu begehen. In den letzten Jahren sind hier und dort einige dieser oft kunstvollen und meditativen Pfade in schöner Landschaft entstanden. Eine wie ich finde wunderschöne Idee, einen Spaziergang zu verbinden mit Meditation, mit dem Nachdenken über sich selbst, über das Universum und natürlich auch über die Zahl 42 (liebe Grüße an alle, die "Per Anhalter durch die Galaxis" kennen ;-) ).

Besinnungswege wurden meist von christlichen Organisationen ins Leben gerufen, sind aber längst nicht nur "rein christlich" gemeint, laßt Euch bitte nicht davon abschrecken! Geistige und geistliche Themen betreffen jeden, manchmal ist hier und da einfach ein wenig Interpretation und die Übertragung in das eigene Weltbild vonnöten...

Auf einer kleineren Route von wenigen Kilometern sind Stationen aufgestellt, die verschiedene Aufgaben bereithalten. Nein, keine Trimm-Dich-Hürden, sondern Ideen und kleine Texte zum Nachdenken oder einfach nur zum intensiven Schauen. Die Landschaft und Natur ganz bewußt wahrzunehmen, die Welt auch einmal mit anderen Augen zu sehen. Mit anderen Sinnen wahrzunehmen. Sich zu be-sinnen...

Ich kenne zwei Besinnungswege, die ich Euch kurz in Form von kommentierten Fotografien beschreiben möchte. Der erste Weg führt Euch von einem Parkplatz am Bernhardusberg zur Bernhardus-Kapelle. Dieser Weg wurde einige Jahre nach meinem ersten für mich sehr intensiven Besuch auf dem Bernhardusberg angelegt.

Der Bernhardusberg unten im Bild;
der helle Kreis zeigt den Parkplatz und den
Beginn des Weges. Quelle: google maps
Die Weg-Karte: 11 Stationen auf dem Weg zur Kapelle. Sehr künstlerisch wirken sie ein wenig "Stonehenge-like"...



















Bilder von einigen Stationen. An jeder einzelnen
Station des steilen, eher langsamen Aufstiegs zur Kapelle
gibt es etwas zum Nachdenken...


Der zweite Besinnungsweg liegt in der Nähe des Städtchens Gschwend, noch näher dem Örtchen Rotenhar (http://www.weiterweg.info). Er liegt inmitten eines großen Waldes und bietet wunderschöne, verschlungene Trampelpfade mit tollen Ausblicken und speziellen Stationen, um innerlich ruhiger zu werden und ein wenig nachzudenken..

Der "weiterWeg" im Schwäbischen Wald bei Gschwend. Der helle Kreis zeigt auf den Parkplatz dort. Von Gschwend aus Richtung Aalen, und dann im Örtchen Rotenhar
links ab Richtung Gaildorf. Übrigens auch mit dem Auto oder Motorrad eine recht schöne Anfahrt !  Quelle: google maps
Eine Karte des Besinnungsweges. Die sehr
schönen Trampelpfade sind grün, die breiten Schotterwege andersfarbig gekennzeichnet.

Die Zugänge zu den "grünen" Schleich-
wegen sind immer durch solche
"Anderwelt-Tore" gekennzeichnet...
Dahinter kleine gemütliche Pfade,
umsäumt von Tannen

Irgendwann mitten im Tann
eine Sitzgruppe ...
... oder immer wieder Bänke
an Aussichtspunkten über
ein bewaldetes Tal

Brücken und Bäche gehören eigentlich nicht
zu den "Stationen"....



...wohl aber das "Tal der Stille" mit sich windenden Bächlein,
die mit Sitzpfosten und kleinen Tümpelchen eine Art von
"Zen-Garten der Ruhe" bilden.

Der "enge Weg" und der "weite Weg", bei denen man
sich Gedanken machen kann über das, was die Menschen
antreibt und was sie in ihrem Denken und Tun vielleicht begrenzt.

Der "Ausblick", das Fenster in den Wald und in die Welt -
und noch einige Stationen mehr !


Vielleicht mögen diese Orte ja nicht als offiziell "magisch" gelten. Aber ich finde, der Akt des Beschreitens dieser Wege kann durchaus magisch sein ! Versucht es doch einmal selbst, vorher kann man das nie wissen ;-)

Ich wünsche Euch viele interessante und auch neue Wege !
Dazu ein kleines Gedicht, das Ihr vielleicht aus dem Film "Der Club der toten Dichter" kennt:

Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben,
intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen
um alles auszurotten was nicht Lebens war,
damit ich nicht in der Todesstunde innewürde,
dass ich gar nicht gelebt hatte.
Henry David Thoreau

Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur