Waldgeflüster

Dienstag, 3. Dezember 2013

Einige Rezepte für Kräutertabak

Eine selbstgemachte, gestopfte Pfeife aus Horn...

An dieser Stelle möchte ich gerne einmal etwas klarstellen. Denn oft, wenn ich mit meiner Hornpfeife schmauchend entspanne und genieße werde ich gefragt, was ich denn da rauche, ob das denn Tabak sei, wohl wegen des andersartigen Geruchs. Wenn ich einfach nur verneine lächelt mich die fragende Person meist nur an (oder grinst...) und sagt "ach, ich verstehe...". Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl daß viele Menschen glauben, es gäbe nur zwei Materialien, die man in einer Pfeife rauchen könnte. Wenn ich dann entgegne, daß in der Pfeife wirklich nichts Illegales sei, sondern nur etwas angenehm Duftendes und vielleicht sogar Wohltuendes habe ich wahrscheinlich immer noch nichts zur Klärung der Situation beigetragen... naja amüsant finde ich es aber allemal. ;-)

Das gesagt möchte ich an dieser Stelle ein paar Gedanken zum Räuchern bzw. Rauchen von Kräutern äußern. Rauchen nenne ich übrigens gerne auch "Räuchern-to-go". Um einen Ort oder Gegenstand - esoterisch ausgedrückt - energetisch zu reinigen bediene ich mich beispielsweise hin und wieder einer Pfeife voll Beifuß anstatt wild mit glimmenden Artemisien-Pflanzenbüscheln herumzuwedeln. Ich puste stattdessen duftende, übrigens sehr zielgerichtete Rauchwolken aus. Ich glaube das auch einmal bei russischen Schamanen mit entsprechenden Krautzigarren so gesehen zu haben... aber ich mag mich da irren. Ja, das war wohl eher ein in Wasser gelöster Pflanzenbrei, den der Schamane in das Gesicht seines Patienten in einem mehr oder weniger feinen Tröpfchennebel ausspuckte... aber ich schweife mal wieder ab. Es gibt in der traditionellen chinesischen Medizin tatsächlich Zigarren mit chinesischem Beifuß ("Moxakraut") darin, die entweder geraucht und gepustet werden, oder meistens jedoch den Patienten an bestimmte Körperstellen gehalten werden, um Energielöcher zu stopfen wie man sagt. Dieser Vorgang wird Moxibustion genannt. Aha!

Kurioserweise spricht man von "Kräutertabak" und meint damit aber alles andere zum Rauchen, nur nicht Tabak. Denn Tabak ist ja selbst ein Kraut, ein  Nachtschattengewächs wie das Bilsenkraut oder der bittersüße Nachtschatten. Und nicht minder gefährlich wie diese ist er obendrein, wenn man die falsche Dosis Nikotin erwischt.

Es gibt sogar - ganz offiziell - rauchbare Kräutermischungen zu kaufen! Die Marke "Knaster" bietet mehrere Mischungen an, mit und ohne Hanf-Aroma, und auf jeden Fall ohne Nikotin. Zu erwerben in einem guten Reformhaus und/oder online.
Den indoamerikanischen "Kinnick-Kinnick" hat vielleicht auch schon der Eine oder Andere von Euch als Namen gelesen. Dieser Begriff ist übrigens nicht bei allen Indianern bekannt. Die Apachen aus Arizona kennen das angeblich nicht, aber nach einer Aussage mir gegenüber müsse der Name von den eher esoterisch veranlagten, etwas sanfteren Navajos kommen oder gar aus den Stämmen der mittleren US-Bundesstaaten... aber ich halte mich da raus :-)


Die blaue Raupe aus Alice
im Wunderland. Was der
Buchautor wohl so geraucht
haben mag... ?
Rauchen kann man beinahe alles, was sich auch räuchern läßt. Es gibt nur zwei Einschränkungen: Das gerauchte Kraut oder ein Teil der Rauchmischung muß in der Lage sein, selbsttätig weiterzuglimmen. Beim Räuchern gibt es eine permanente Glut oder Flamme, die den Prozeß der Freisetzung von Aromen und anderen Stoffen am Leben erhält. Das geht so beim Rauchen natürlich nicht (Ausnahme: die Wasserpfeife / Shisha als Zwischending...). Und zweitens darf der gerauchte Wirkstoff nicht allzu stark sein, denn beim Rauchen ist man wesentlich enger, wesentlich näher am Wirkstoff dran: man bekommt die volle Ladung des Rauches in den Mund oder gar in die Lunge. Und unsere Schleimhäute sind sehr schnell und intensiv darin, Wirkstoffe aufzunehmen und weiterzuleiten !

Auch beim Rauchen könnte man anhand des Duftes und der Beschaffenheit von Kräutern eine Untergliederung in "Basis", "Bauch" und "Kopf" vornehmen, ganz ähnlich wie beim Räuchern oder in der Herstellung von Parfum. 
So man denn will. 
Nun, ich will mich darin einmal versuchen, aber nicht wirklich gern dabei festlegen. 
Let's go:

Als Basis dienen demnach Kräuter, die besonders lange glimmen und somit anderen Kräutern die Gelegenheit geben, ihre Wirkstoffe freizusetzen. Und/oder Kräuter, die eine besonders erdige Note besitzen. 
Der "Bauch" käme durch aromatische Kräuter zustande, die zur Basis passen aber schon wesentlich duftender sind, sich wesentlich leichter anfühlen und eben schon ein Stückchen weiter in Richtung Kopf gehen... :-)
Die Kopf-Note könnten durch Kräuter gestellt werden, die besonders leichte ätherische Öle enthalten, leichtflüchtige , leicht-riechende Stoffe. Nein, ich meine hier NICHT die als "psychedelisch wirkend" bezeichneten Stoffe!

Diese drei Noten lassen sich beliebig miteinander kombinieren - oder natürlich auch einzeln verwenden. Der eigenen Kreativität und Experimentierfreude sind da keine Grenzen gesetzt.

Möchte man Kräuter miteinander kombinieren empfehle ich, statt einer "homogenen" Mischung wie aus einer gekauften Tabak-Tüte, zuerst das Kraut der Kopf-/Bauch-Note in die Pfeife zu stopfen und die "Basis"-Kräuter dann darüber zu geben. Das sorgt dafür daß die ätherischen Öle der Bauch- und Kopf-Kräuter nicht einfach nur direkt und sofort verbrannt werden, sondern daß sie sich sanfter lösen können um ihr Aroma und ihre Wirkung besser zu entfalten.
Es gibt Bauch- und Kopf- Kräuter, die man einzeln rauchen könnte weil sie recht gut selbsttätig glimmen und ein starkes Aroma besitzen. Das wären beispielsweise Salbei, Beifuß, Blauraute, Rainfarn... aber sicher noch viele mehr! Natürlich haben sich im Laufe der Zeit einige Kräuter hervorgetan als besonders geeignet, und auf einige davon möchte ich im Folgenden kurz eingehen.


Als Basis-Noten stelle ich Euch folgende Kräuter vor :
Mit Pfeifchen in der Hand
sinnierend umherlaufen
oder sitzen... so sieht man mich
doch recht oft.

Tabak - bekannterweise und daher logischerweise. Dank des hohen Teer-Gehaltes verpufft das Kraut nicht in Nullkomma Nichts, sondern verbrennt am langsamsten und nachhaltigsten von allen Kräutern, die ich kenne. Der enthaltene ölige Teer ist im höchsten Maße von allen anderen gerauchten Stoffen krebserregend.

Beifuß - wurde in Schwitzhütten und in Zeremonien lange vergangener Zeiten unserer Breitengrade sehr gerne verwendet. Hat einen sehr erdig-aromatischen Duft. Beifuß wurde in der Neuzeit gerne durch indianischen Räuchersalbei oder indianischen Beifuß ersetzt, denn diese duften sanfter und sind nicht ganz so allergen wie das einheimische Kraut. Eine sehr hohe Dosis Beifuß macht den Kopf gerne mal "zu", bis hin zum Ausbruch von Heuschnupfen, verstopften Nebenhöhlen und - wie ich einmal miterleben durfte - Zahnschmerzen :-)

Königskerze - die fluffigen, haarigen, eher fleischigen und sehr großen Blätter brennen recht gemächlich und lange. Deswegen ein "Basis"-Kraut. Mit leicht süßlihem Geschmack wirken dessen Inhaltsstoffe aufhellend, leicht anti-depressiv. Deswegen würde ich das Kraut sonst eher der Bauch-Note zurechnen.

Rotklee - wird in vielen Kräuterzigaretten gerne verwendet als Beimischung, um das Rauchwerk am Leben zu halten. Rotklee wirkt leicht krebshemmend - ein angenehmer Nebeneffekt :-)

Huflattich - die sehr ledrigen und auf der Unterseite flauschig-haarigen Blätter glimmen beinahe so lange wie Tabak. Huflattich wird noch immer gern in Kräuterzigaretten verarbeitet, auch wenn neben einer Bronchien-heilenden Wirkung ein leichtes krebsförderndes Risiko (wenn auch nicht so  stark wie beim Tabak) hinzukommt. Hier könnte man ja versuchen, mit Rotklee gegenzuhalten ;-)

Brombeere - wird nicht nur gern in Tees mitverarbeitet. Die haarigen Blätter kann man auch als geeignete Basis für Kräutertabak nehmen. Brombeere duftet nicht sehr stark (wie auch Rotklee), tut sich nicht besonders hervor, und kann damit ein "Wegbereiter" sein für andere Kräuter und ihre Aromen.



Nun zu den Bauch-Noten-Kräutern. Diese sind noch wesentlich aromatischer und oft nicht oder kaum in der Lage, längere Zeit zu glimmen wegen ihres hohen Gehalts an ätherischen Ölen. Es mag viele davon geben, aber von folgenden möchte ich Euch erzählen:

Salbei - der Geruch des Küchensalbei ist sehr angenehm. Auch als "kalter Rauch" stört er längst nicht so sehr wie der Geruch von Tabak. Es gibt Salbei-Arten mit einem besonders hohen Gehalt eines psychedelischen Wirkstoffes; jedoch kann man diese nicht länger legal beziehen und sind daher sehr selten geworden. Generell wirkt Salbei eher klärend und reinigend.

Blauraute - ein Zwischending aus Salbei und Artemisien. Duftet wie Salbei, nur wesentlich intensiver. Blauraute wird in Gärtnereien gern als "Duftkraut" verkauft und besitzt eine auf micht stark "entschleunigende" Wirkung. Besitzt also für sich selbst eine starke Kopf-Note. Blauraute wird übrigens auch "russischer Tabak" genannt, denn in den dortigen Steppen ist das Kraut eigentlich beheimatet.

Liebstöckel - wirkt sehr verwirrend und wird mancherorts als das "Hanf des armen Mannes" bezeichnet. Starker unkontrollierter Speichelfluß machen das Kraut auf eine andere Weise eher uninteressant... denn wer sabbert schon gerne vor sich hin ?

Lavendel - funktioniert nicht nur als Duftkissen hervorragend. Von einer höheren Dosis wird man leicht benommen, eine Überdosis sorgt für Kopfschmerzen. Aber ansonsten ein sehr angenehmes, ausgleichendes (anregend-beruhigend) und natürlich wohl duftendes Kraut.


Meistens beschränke ich mich mit meiner Wahl auf Beifuß, Salbei und Blauraute, ich will mich da nicht zu sehr verkünsteln. Einfach nur genießen :-) Daher lasse ich von weiteren Beispielen für Bauch-Noten-Kräuter erst einmal ab; vielleicht genügt Euch das Genannte ja als Inspiration...?

 
Als Kopf-Note dienen alle besonders leichten, ätherischen Stoffe. Diese sind allerdings mit besonderer Vorsicht zu genießen: insbesondere Harze sind dafür oftmals zu stark, zu direkt und können sehr leicht zu einer Überdosis führen. Es gibt aber einige Kräuter mit hoch-ätherischen Stoffen in nicht ganz so hoher Konzentration. 

Statt beispielsweise das Harz von Tannen direkt zu rauchen ist vielleicht ein Umweg über Tannen-Nadeln wesentlich angenehmer. 

Der Rainfarn enthält recht viel Kampfer und duftet beim Zerreiben schon sehr angenehm leicht und entkrampfend  (ein schönes Gegenmittel zum Beifuß... wie gut, daß beide Pflanzen gerne nebeneinander wachsen...!). Den stopfe ich auch gerne einmal zuunterst in meine Pfeife. 

Minze, Zitronenmelisse und Eberraute (Cola-Strauch) möchte ich gern in die gleiche Kategorie stecken.


Hoppla, ein kleiner Nachtrag: Nach einigem Stöbern bin ich zufällig auf drei selbst zusammengestellte Kräutermischungen gestoßen. Vielleicht gefällt Euch ja eine der Kompositionen?



Variante 1)
 
Königskerze 
Lungenkraut
Wahrsagesalbei 
(ist nicht mehr legal erhältlich, 
lieber Muskatellersalbei)
Johanniskraut
etwas Nelke für das Aroma 
und/oder etwas Minze


Variante 2)

Rotklee
Holunderblätter
Frauenmantel
Helmkraut
Nutz-Hanf 
natürlich NICHT den illegalen Hanf!
Nur fürs Aroma!



Variante 3)

Huflattich
Rotklee
Holunder
Johanniskraut
Küchensalbei
Minze



So ich denke, fürs Erste habe ich mich jetzt genug über rauchbare Kräuter ausgelassen und wünsche viel Spaß beim Lesen gehabt zu haben :-)


So sehe ich wahrscheinlich in 30 Jahren aus...
nur ohne die Haare oben ;-)

Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur