Waldgeflüster

Mittwoch, 27. November 2013

Wer ist Frau Holle?

"Kinder holt die Schlitten raus, Frau Holle schüttelt die Betten aus..."

kennt ihr diesen Satz auch? Dieser Satz kommt aus dem Märchen „Frau Holle“. Fast jeder kennt die Betten schüttelnde und Schneefall bringende alte Frau aus dem Märchen, dass 2006 zu Deutschlands schönstem Märchen ernannt wurde.
(c) by naturbuehne-dornreichenbach.de

Doch wer ist sie eigentlich? Diese Frau Holle.
"Das ist die Frau, die die Betten ausschüttelt, damit es schneit..." So würde bestimmt eure Antwort lauten. Aber sie kann viel mehr als nur Betten schütteln. Ihre ursprünglichen Eigenschaften sind in den Hintergrund getreten. Lasst uns auf die Reise gehen und diese für uns neu entdecken.

Dazu müsst ihr wissen, dass Frau Holle auch andere Namen hat. Sie wird zum Beispiel in Mitteldeutschland Frau Holle genannt aber in Oberdeutschland auch Frau Percht oder Perchta, was soviel bedeutet wie die Prächtige. Berchta, Frau Gode, Frau Frecke, Frau Fricke, Frau Harke, Frau Haule, Hulla, Holla, Frouwe und einfach „Alte“ sind weitere Namen von ihr.

Jakob Grimm schrieb in seiner „Deutschen Mythologie“ über sie: „Volksglaube und Märchen lassen Frau Holle als ein höheres Wesen auftreten, das den Menschen freundliche Gesinnung beweist, aber ihnen zürnt, wenn es Faulheit, Unordnung und Ungehorsam wahrnimmt.“
Buch: Paetow, Karl - Frau Holle 

Ein höheres Wesen? Eine Betten schüttelnde Oma? Ja was ist sie denn jetzt?

Sie ist beides und noch viel mehr!

Viele Sagen und Mythen ranken sich um Frau Holle und so hat sie natürlich auch viele äußere Erscheinungsformen. Mal ist sie ein Geistwesen im weißen Gewand, mal eine Fee, mal ist sie die Anführerin der wilden Jagd in den Rauhnächten, dann schwebt sie hoch über die Berge und die Täler manchmal ist sie jung und schön dann wieder eine Großmutter mit Buckel von der vielen Arbeit, dann eine Hexe mit wuseligem Haar und langer Nase, dann ist sie wieder die alte Weise die sehr gütig ist und mütterlich auf alle Menschen aufpasst.

Die Wissenschaft ist sich in der Einordnung von Frau Holle keineswegs einig. Fakt ist aber, dass in spätgermanischer Zeit und im frühen Mittelalter Frau Holle als hohe Göttin verehrt wurde. Unsere Ahnen glaubten in vorchristilicher Zeit fest daran, dass sie Tod und Leben beherrscht und auch Macht über die Naturgewalten wie Sturm, Schnee und Regen hatte. Sie sahen in ihr die allumfassende Natur, die Mutter Erde, die Große Göttin.

Mit der Christianisierung wurde versucht, die im Volksglauben stark verankerte heidnische Göttin Holle aus den Köpfen zu verdrängen und durch andere Heilige zu ersetzen. Man sagt, dass die Heilige Walpurgis die eigentliche Frau Holle ist. Im Kloster Germerode wird neben der Maria zum Beispiel noch die Heilige Walpurgis verehrt. Quasi als „Ersatzgöttin“. Martin Luther stellte Frau Holle übrigens in seiner Auslegung der Episteln als Dämon in Stroh und Lumpen dar um das Bild der heidnischen Göttin noch stärker zu brandmarken.

„Hulda“ wurde schon im 10. Jahrhundert benannt und beschrieben als Frau von wunderbarer Schönheit im weißen wallenden Gewand mit goldenem Gürtel. Als Erdmutter wurde sie damals (und teilweise auch heute) als Spenderin des „Entstehenden Lebens“ gesehen. Sie wohnt in der Tiefe der Brunnen, Teichen und Seen. Warum ist das so? Das irdische Leben benötigt um zu entstehen und zum erblühen Wasser. Und sie ist die Herrin darüber. So sagt man.

Der Frau Holle Teich am Hohen Meißner 
Es gibt heute noch am Hohen Meißner den sogenannten Frau Holle Teich. Über ihn schreibt Julius Schmincke 1847 : „An diesem hoch am Weißenberge gelegenen und doch verborgenen, stillen und geheimnisvollen Orte mus man aus Tacitus Germania cap 40 lesen: da sieht man den secretus lacus und fühlt sich bewegt bei den Worten „arcanus hinc terror sanctaque ignorantia, quid sit illud, quod tantum perituri vident.“ Ohne Zweifel war hier ein Heiligtum der Frau Holle- Herrin über Leben und Sterben“. Man sagt, dass der Teich der Eingang zum unterirdischen Reich von Frau Holle ist. Dieser Teich ist angeblich unendlich tief... das Märchen von Goldmarie und Pechmarie wird dort angesiedelt. Wer gegen ende April auf der Eichenbank beim Teich sitzt, kann Töne wie ein Glöckchen vernehmen. Die Geburtshelferkröte die Frau Holle hinaufschickt könnte zu hören sein. Im April, wenn das Leben wieder neu erwacht. Und auch hier wieder die Verbindung zu Leben und Tod. Lebensbringend, Fruchtbarkeitsbringend. In vielen Sagen und Legenden wird sie auch immer noch die Fruchtbarkeitsgöttin genannt.

Bei allem was die Wissenschaftler sagen, ist eines jedoch sicher: „Die Spuren von Frau Holda lassen sich tausend Jahre zurückverfolgen“ - so Burchard von Worms. „Sie reichen aber in Wirklichkeit viel viel weiter zurück und verlieren sich im dunkel der Vorzeit. Und die Indizien sprechen dafür, dass Frau Holle keine Spukgestalt und kein Dämon ist, sondern eine regionale Verkörperung der uralten weiblichen Erdgottheit unter verschiedenen Namen.“

Alles gut und schön, aber „wer ist Frau Holle denn jetzt?“, fragt ihr euch...
Die Antwort ist ganz einfach:

Niemand weiß es und niemand wird die Wahrheit jemals erfahren. Aber jeder kann glauben! Und egal ob Märchen, Sage, Legende oder tiefer Glaube, sie ist in unseren Köpfen und die Erinnerung an sie bleibt! Und zwar die ganz eigene Erinnerung …

Und jetzt gerade schaue ich hinauf in den Himmel, ...es fängt an zu schneien und schon höre ich die Kinder rufen: „Frau Holle schüttelt die Betten...“ und ich muss lächeln...

Denn in dieser hektischen, modernen und kalten Welt in der der Glaube immer weiter an Bedeutung verliert, in der alles von der Technik bestimmt wird, hat sie es geschafft auf ihre ganz eigene Art und Weise in den Köpfen der Menschen präsent zu bleiben!

Das ist Magie!

Danke Frau Holle

Frau Holle in dem CZ Märchenfilm