Waldgeflüster

Montag, 14. Oktober 2013

Samhain 2013

Wer nur seine Ellenbogen gebraucht, der verkümmert. 


... oder Gedanken zur wahren Geisterwelt 

Am Vorabend zu Allerheiligen ist es wieder soweit. Wir feiern Samhain. Vom 31. Oktober auf den 1. November begeben wir uns wieder in eine andere Welt.
Für viele ist dieser Tag oder vielmehr diese Nacht das „keltische Silvester“. In dieser Nacht wird der Übergang vom alten ins neue Jahr gefeiert und in dieser Nacht gibt es eine Zeit zwischen den Zeiten. Sie schafft Raum zwischen dem Alten und dem Neuen. Eine Zeit zwischen den Zeiten. 
Die sogenannte Totenwelt ist besonders durchlässig und der Kontakt zu den Ahnen ist möglicher als sonst. Eine alte Sage besagt, dass den Toten in dieser einen Nacht (in der es keine Zeit gibt) erlaubt ist, an den Ort ihres früheren Lebens zurückzukehren. Da die noch lebendigen Familienangehörigen höchsten Respekt vor dem Tod hatten, war diese Nacht für viele eine Nacht, die Schauer hervorrief. Nicht alle lebenden Angehörigen waren im Einklang mit den Toten und hatten Angst, von diesen Seelen heimgesucht zu werden. Gründe gab es viele. Streitereien vor dem Tod oder schlechte Gewissen, alte Fehden...
Die Lebenden mieden Orte wie Friedhöfe, Wegkreuzungen und dergleichen von denen man glaubte, dass hier die Seelen auf die Welt treffen und dort wahre Sammelplätze für Seelen seien.
Ein ebenso alter Brauch ist es, in der Samhain Nacht ein Licht in das Fenster des Hauses zu stellen, damit die Seelen der Ahnen heim finden. Ferner sollte dieses Licht ein  „willkommen“ symbolisieren. Auch stellte man beim Essen ein Gedeck mehr auf den Tisch um den Seelen zu zeigen, dass sie gern gesehen waren. Oftmals wurde dieses Gedeck auch am „Hauptplatz“ der Tafel gedeckt. Als Zeichen dafür, dass Respekt gezollt wurde. Für viele Kulturen ist der Ahnenkult sehr wichtig und aus diesen „Ahnentreffen“ wurde Kraft gezogen, es wurde orakelt und die Ahnen nach Antworten gefragt. Dazu wurden Karten gelegt, Orakel befragt, etc. Diese Nacht verbrachten lebende und tote als Gemeinschaft, als Familie. Jeder war füreinander da. So seltsam das auch klingen mag. 

Samhain... Der Übergang von der hiesigen Welt in die Anderswelt ist sehr dünn...
Dieser "Übergang von einer Welt zur anderen gleicht in dieser Nacht einem Niemandsland, wo weder Ordnung noch Gesetz herrscht", so habe ich es gelesen.
Man könnte diese Übergänge auch als „wirbelndes Chaos“ bezeichnen.
Wirbelndes Chaos. Seltsam.
Wenn ich an Samhain denke, dann denke ich an Ruhe, an friedvolle Rituale und eine Stimmung wie sie mit Worten schwer zu beschreiben ist. Die Geister der Ahnen um mich... Schöne Erinnerungen...
Wo soll da bitte „wirbelndes Chaos“ sein? Ist es nicht vielmehr so, dass die Welten vertauscht sind? Wenn ich mich im Alltag (also jeder Tag außer Samhain)  so umsehe, schaudert es mich. Respektlosigkeit, Engstirnigkeit, Egoismus an jeder Ecke.
Es scheint so, als hätten die Menschen aufgehört miteinander zu leben. Es fühlt sich an, als hätten die Menschen hier beschlossen gegeneinander zu leben. So etwas kennt man doch nur von "bösen Geistern"? 
Es geht nur noch darum am schnellsten, schönsten, genialsten, reichsten zu sein. Die Menschen haben ihren Kopf gen Himmel gehoben und sehen das wahre Leben nicht mehr.
Egal ob es im Supermarkt die alte Frau ist, die nicht an die Waren im obersten Regal kommt und niemand ihr hilft, oder ob es im Straßenverkehr der Drängler ist, der einen schon fast zum Kampf um Leben und Tod rausfordert nur weil man nicht so schnell Platz gemacht hat, wie er es gerne hätte, oder ob es runtergefallene Dinge sind an denen achtlos vorbeigegangen wird, manchmal sogar draufgetreten wird. Wenn ihr darüber nachdenkt, fallen euch bestimmt auch sehr viele dieser Situationen ein, in der mit Kälte und Egoismus gehandelt wird.
Ob es der Freund in der nahen Umgebung ist, der so vollgefressen von Problemen ist und niemand mehr wirklich Zeit hat sich dem anzunehmen, … ein stilles Seelenverkümmern. Ob es der "immer gestresste Businessmensch"  ist, dem Dinge wie Geld und Anerkennung wichtiger sind als Dinge aus denen er Kraft ziehen kann.
Oftmals haben die Menschen einfach nur verlernt ihr Gegenüber mit ALLEN SINNEN wahrzunehmen und sich in Liebevoller Zuwendung mit ihm zu befassen, Zuzuhören, zu fühlen wie es dem Gegenüber geht, ab und zu mal etwas anfassen und machen, was nicht dem eigenen Zweck dient. Rücksicht, Respekt, hingebungsvoller Umgang, Liebe...
Das alles scheinen Fremdwörter geworden zu sein...
Und ehrlich? Nicht die Geister an Samhain machen mir Angst, sondern diese Gesellschaft in der wir leben.
Es sind nicht die Erinnerungen an Ahnen, die mich besuchen kommen könnten, die mich in dieser Nacht zittern lassen. Nein!
Es ist vielmehr das, was in der hiesigen Welt geschieht!
Wirklich gruselig ist der Mensch der heutigen Gesellschaft, der eigentlich seelisch schon verkümmert und kalt ist, weil er verlernt hat zu leben, weil er verlernt hat, dass „geben und nehmen“ im Einklang bleiben müssen! Wenn ihr mich fragt, sind das die wahren „Gruselgeister“. Schatten ihrer Selbst...
Und wenn diese „Energievampire“ unterwegs sind, werde auch ich mich schützen!
Und ich werde diese Nacht- unser Neujahrsfest- dafür nutzen, mir selbst wieder in Erinnerung zu rufen, wie liebevoll das Leben sein kann, wie „voll“ und „wunderschön“, wenn man sich nur die Zeit nimmt das Leben mit allen Sinnen zu erleben und zu leben. Sich zu öffnen und von Herzen zu geben ohne das der Satz fällt: "Und was habe ich davon?"
Und so nehme ich mir für dieses Samhain als Vorsatz, wieder mehr Rücksicht und Respekt zu leben. Auch wenn ich damit ziemlich allein dastehe! Es ist mir egal! Denn irgendjemand muss schließlich den Anfang machen, damit diese Welt nicht noch weiter zur „Geisterwelt“ wird, in der Samhain für mich fast schon eine „Erholung“ ist im Gegensatz zu dem, was ich sonst so tag ein tag aus erlebe...

In diesem Sinne

passt auf euch auf! Blessed be!