Waldgeflüster

Dienstag, 3. September 2013

Mabon 2013


Mit großen Schritten naht Mabon- oder auch das Herbst Äquinoktikum im keltischen Alban Elued genannt.
An diesem Tage feiern wir das zweite der Erntedankfeste und gleichzeitig auch die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche.
Während wir uns im Frühjahr auf die Fruchtbarkeit der Erde konzentrieren, geht es im Herbst mehr um die "geistige" Ernte.
In alten Zeiten kam jetzt so langsam die Zeit der Ruhe. Die Ernte war im vollen Gange und kurz vor dem Abschluss, man konnte sich wieder Gedanken um andere Dinge machen.
Auch in mir kommt jetzt dieses "Herbstfühlen" hoch und ich habe mich gefragt, ob ich im Gleichgewicht bin.
Nein, ich bin es noch nicht wieder komplett. Aber auf dem Weg dorthin. Was muss geschehen, damit ich wieder ins Gleichgewicht komme?
Ich grübelte nach. Bilder reihten sich in meinem Kopf aneinander. Bilder von Dingen und Menschen die "nehmen" und Bilder von Dingen und Menschen die "geben". Schnell wurde mir klar, dass die Menschen die "nehmen" im Moment überwiegen.
Das soll nicht bedeuten, dass ich mehr haben möchte. Nein. Aber ich empfinde, dass alles im Gleichgewicht bleiben muss. Also auch das Geben und Nehmen.
Ich kann nur aus meiner vollen Kraft schöpfen, wenn ich bereit bin zu Geben UND zu Nehmen. Zu Nehmen UND zu Geben.
Ich habe mir dann Gedanken darüber gemacht, wie schwierig es eigentlich ist, oftmals fair und weise in Situationen zu reagieren, in denen man "Nehmen" oder "Geben" soll.
Dabei ist mir dann eine Geschichte in den Sinn gekommen, die ich euch erzählen möchte. Sie wird euch zeigen, wie verdammt oft, wir vorschnell entscheiden und somit auch unser Gleichgewicht aus der Balance bringen.

Das goldene Saatkorn
frei nach Rabindranath Tagore

Ein armer Mann ging die Dorfstraße entlang, denn er hatte gehört, dass heute ein mächtiger König dort sein würde. Vorsorglich hatte er einen Sack mitgenommen, in den er all die Geschenke hineintun wollte, die ihm dieser König schenken könnte. Und richtig: In der Ferne tauchte schon ein goldener Wagen auf mit einem prächtig gekleideten König. Die Hoffnung des armen Mannes wuchs. Er dachte sich: Jetzt sind alle Zeiten der Mühsal vorbei. Jetzt bekomme ich Gaben und Reichtümer im Überfluss.
In diesem Moment hielt der Wagen des Königs tatsächlich neben dem armen Mann. Der Herrscher stieg vom Wagen herab und trat vor den Mann. Dann hielt er überraschenderweise die Hand auf und bat den Armen: „Hast du irgendetwas für mich?“ Der arme Mann war für einen Moment sprachlos. So hatte er sich das Treffen mit dem König nicht vorgestellt. Zumal er gehört hatte, dass dieser König nicht nur mächtig und sehr reich sei, sondern auch noch zaubern könnte. Er wusste nicht, was er tun sollte, und holte aus seiner Jackentasche ein kleines Weizenkorn heraus und gab es dem König. Wie groß war sein Erstaunen, als der König das Korn annahm und wortlos wieder auf seinen Wagen stieg und davonfuhr.
Als der arme Mann am Abend in sein kleines Heim zurückgekehrt war, erzählte er seiner Frau, was sich ereignet hatte. Um ihr zu demonstrieren, wie sich alles zugetragen hatte, griff er in seine Jackentasche und schüttete die übrig gebliebenen Weizenkörner heraus. Wie groß war sein Erstaunen, dass eins der Körner aus purem Gold war. Nachdem er verstanden hatte, was passiert war, weinte er bitterlich und wünschte sich, er hätte den Mut gehabt, dem König alles zu geben, was er besaß.


In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein energievolles, nachdenkliches und friedliches Mabon.
Ich wünsche euch, dass ihr erkennt, dass alles nur in der Wage sein kann, wenn ihr mit euch selbst im Einklang seid.

Blessed be!

Fenni