Waldgeflüster

Sonntag, 18. August 2013

Der "Blaue Schneeball" - Nebel NGC 7662

Meine Neugier treibt mich immer weiter in meinem Spiel, den Himmel selbst neu zu entdecken, Stück für Stück! Und es bleibt spannend, denn wie oft spielt das Wetter nicht mit, oder das Teleskop ist nicht sauber ausgerichtet, oder Bäume stehen im Weg, die Kamera stürzt ab..... hach welch ein Spaß ;-)

Im Katalog des französischen Herrn Messier finden sich viele verschiedene Objekt-Arten wie Galaxien, offene und Kugel-Sternhaufen und Galaktische Nebel. Aber dann gibt es da noch etwas: die planetaren Nebel. Ja was soll denn das sein ?

Im Vergleich: Galaktische Nebel sind eher frei schwebende, beliebig geformte Gaswolken, die von Sternen beleuchtet werden (oder eben nicht: dann nennt man sie auch Dunkelwolken...) und aus denen oftmals neue Sterne hervorgegangen sind oder noch entstehen werden. Der Orion-Nebel ist ein ziemlich schönes Beispiel, wie ich finde !

So sieht ein Profi-Foto aus, natürlich in Farbe.
Nur mal zum Vergleich, denn das war ich nicht :-)
Wunderschön mit äußerer Hülle, innerem Ring
und dem "kaputten" Zentralstern...
Aber "planetare" Nebel ?! Ich sage mal so: das sind oft runde und rein optisch eher kleine Gaswolken, die in kleinen Teleskopen mehr einem Planeten ähneln als einem Nebel. So wird es vor hunderten von Jahren wohl auch gewesen sein: da hatte Wilhelm Herschel 1784 plötzlich ein weiteres, aber bis dahin unbekanntes Objekt im Visier, das größer war als ein Stern, also eine gewisse Ausdehnung hatte. Und dieses Objekt besaß auch Strukturen, ähnlich den Wolkenbändern und Oberflächenformationen unserer großen oder nahen Planeten wie Jupiter, Mars oder der damals recht neu entdeckte Uranus. Oder ähnlich den damals kaum auflösbaren Ringen des Saturn, die eher wie "Ohren" wirkten...
Aber irgendwie bekam man das Objekt nicht scharf gestellt, es hatte einfach keine feste Umrandung. Also doch ein Nebel! Aber einer, der wirkt wie ein Planet. Wie soll man das Ding nur benennen ? Naja, das dürfte jetzt vielleicht klar sein: einen planetaren Nebel. Den ersten planetaren Nebel überhaupt hatte Charles Messier etwa 25 jahre zuvor entdeckt, genauer im Jahre 1758, und katalogisiert unter dem Namen M1 oder später auch "Krebs-Nebel", wegen seiner Form: wohl die einer runden Strand-Krabbe :-) . Angeblich wurde der Nebel bereits 1731 von John Bevis entdeckt - aber nicht katalogisert, und außerdem kennt den Mann ja fast niemand... *g* Das Objekt von Wilhem Herschel kam auch nicht mehr in den Katalog von Herrn Messier hinein -viel zu spät- und wurde stattdessen in den "New General Catalogue" aufgenommen als Mitgliedsnummer 7662.

Das Ding ganz oben im Bild ist etwas größer als ein Stern, hat eine erkennbare Struktur, d.h. schwächer und stärker leuchtende Regionen. Das muß etwas Besonderes sein, weil ein Planet ist das nicht...!
Wie schon gesagt: recht klein sind solche Nebel im Teleskop, haben meist eine geringe Ausdehnung von zwei oder weniger Bogenminuten. Achso, Größenangaben finden in der Astronomie in Grad, Minuten und Sekunden statt: hat der gesamte Himmel (inklusive dem unsichtbaren Teil unterhalb des Horizonts) also eine Ausdehnung von 360 Grad in beide Richtungen, so ist der Andromeda-Nebel etwa zwei mal ein Grad groß. Der Blaue Schneeball bringt es auf eine knappe  Bogenminute, also ein sechzigstel Grad. Am schönsten sind diese kleinen Objekte also mit starken Vergrößerungen zu fotografieren - eigentlich genau so wie Planeten auch.

Wie groß die Verwirrung gewesen sein mußte als man diese Objekte noch nicht kannte erklären wahrscheinlich einige ihrer kreativen Namen. Ein sehr bekannter Vertreter seiner Art nennt sich Jupiters Geist. Das will soviel bedeuten wie "das ist eigentlich nicht der Jupiter, aber er wirkt etwa genau so groß und ist schemenhafter, eben wie ein Geist". Oder der Eskimo-Nebel, weil planetare Nebel sind oft, aber nicht immer, sehr rundlich, und dieser sieht aus als trüge jemand eine runde fransige Fellmütze. Der Eulennebel bietet ein rundes Gesicht mit zwei dunklen Aussparungen, die wie die Augen einer Eule wirken. Oder der blaue Schneeball von Wilhelm Herschel: schon wieder etwas Rundes, aber in blauer Farbe leuchtend. Und genau den führte ich mir letzte Nacht zu Gemüte.

Da ist er, der lichtschwache ("Größenordnung/Magnitude 8.3") blaue Schneeball.
Gar nicht so weit weg vom bekannten Sternbild Pegasus und der Andromeda-Galaxis.
Er wird übrigens noch dem Sternbild Andromeda zugeordnet.
Inzwischen weiß man, daß planetare Nebel Überbleibsel einer Sternexplosion sind. Gaswolken, die von sterbenden Sternen hinterlassen wurden. Manchmal kann man in der Mitte eines Nebels die Sternleiche noch erkennen. Dann ist das fast immer ein weißer Zwerg, den man mit optischen Teleskopen noch ausmachen kann. Das liegt an der ehemaligen Größe des Verstorbenen: kleinere Sterne blähen sich an ihrem Ende auf zu roten Riesen, "husten" irgendwann eine Gaswolke aus und schrumpfen dann auf das Niveau eines weißen Zwerges. Größere Sterne explodieren, und zwar recht heftig. Also mehr ein kosmisches Niesen als ein Husten ;-). Diese große Explosion wird Supernova genannt. Die dabei hinterlassene Nebelwolke wirkt wesentlich fransiger, nicht mehr ganz so "planetar". Wie zum Beispiel der Strandkrabben- *äh* Krebs-Nebel M1, der in seinem Kern einen recht winzigen Neutronenstern enthält, einen Pulsar. Der ihn umgebende (planetare!) Nebel ist das Ergebnis der Supernova-Explosion eines ehemals recht großen Sternes. Seine Sternleiche, den Neutronenstern, kann man mit optischen Teleskopen nicht sehen, dazu ist er zu lichtschwach geworden. Aber dafür strahlt er in einem ganz anderen "Licht" sehr stark, nämlich im Röntgenbereich, das man mit speziellen Apparaturen (Radio-Teleskopen) sehr gut beobachten kann.

So unscheinbar meine Fotos auch aussehen mögen- ich war dann doch unglaublich stolz, daß ich den lichtschwachen, winzigen Schneeball-Nebel einfangen konnte ! In meinem Sucher konnte ich ihn leider nicht erkennen, aber zum Glück hatte ich das Teleskop nach und nach über die Nacht hinweg ausreichend gut trainiert, so daß es auch ohne händische Korrekturen immer sofort die richtigen Sterne und Objekte vor der Linse hatte. Also fotografierte ich blind drauflos, und nach nur wenigen Sekunden Belichtungszeit konnte ich tatsächlich etwas erkennen!



So sieht meine Version in schwarz-weiß aus... aber man kann es beinahe wiedererkennen, oder?
Das farbige Bild steht im Vergleich auf dem Kopf, denn die lichtschwache "Delle" im inneren Gas-Ring
zeigt bei mir genau in die andere Richtung. Sogar den Zentralstern kann man beinahe erahnen :-)
Zwei weitere Versionen meiner Fotografien, auf denen
man vielleicht noch Details erkennen kann.
Und vor allem sieht man, wie klein das Objekt
sein muß - meine Kamera hat gerade einmal 100x100 Pixel
damit vollbekommen.... eine stärkere Vergrößerung
macht also dringend Sinn :-)


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur