Waldgeflüster

Montag, 1. Juli 2013

Jeder Mensch hat seinen besonderen Ort !

Nein, keine Fotomontage :-)
Besondere, geradezu magisch wirkende Orte gibt es noch immer überall, auch in unserer überfüllten und hektischen Zeit. Das behaupte ich jedenfalls. Denn es müssen ja nicht die großen Wallfahrtsorte, die allbekannten Kultstätten dieser Welt sein. Ja ganz im Gegenteil sind es eher die ganz privaten und geheimen Plätze, die sehr individuell und eben nicht für jedermann eine besondere Bedeutung oder Ausstrahlung haben.


Manche dieser Orte sind so privat, daß sie durch ihre bloße Bekanntgabe entweiht würden, man sich dort nicht mehr wohl fühlen könnte. Es gibt Orte, die sind sogar so privat, daß sie nur in einem selbst existieren, ganz im Inneren. Die man in Gedanken besucht, um sich besser zu fühlen. Die einem ganz allein gehören und von niemandem gestört werden können.

Ich möchte Euch sehr gern einige Beispiele nennen. Vielleicht um Euch zu eigenen Ideen anzuregen. Um Euch vielleicht aufzumachen, den einen oder anderen Ort ebenfalls kennenzulernen. Oder um Euch auf die Suche nach ganz eigenen Orten zu machen. Denn es lohnt sich in jedem Fall !

Doch zunächst, so glaube ich, muß ich dem ungeduldigen bis genervten Leser wohl einige Fragen beantworten: denn warum sollte ich überhaupt einen besonderen Ort aufsuchen? Was erwartet mich dort? Welchem Zweck dient der Besuch?

 
Lustigerweise sind das Fragen, die vielleicht am besten beantwortet werden können, indem man einen besonderen Ort aufsucht und sich genau diese Fragen stellt. Recht oft und ganz unverhofft kommen die Antworten dann ganz von selbst ...
Da ich eine Sache aber nicht mit sich selbst erklären sollte, möchte ich mich gern an einigen Antworten versuchen. Bitte drückt mir die Daumen, daß das gut geht :-)



Also, was passiert an einem besonderen Ort eigentlich, oder was könnte passieren?
 

Im einfachsten und häufigsten Fall etwas ganz Unspektakuläres, denn Magie wirkt ja im Verborgenen, im Detail: man kann sich entspannen, vielleicht ein wenig staunen. Hurra. 
Man fühlt vielleicht eine wohltuende Ruhe und eventuell etwas wie Geborgenheit. Der Ort ist vielleicht so schön, daß man sich einfach ein wenig länger dort aufhalten möchte um ihn zu genießen, ihn in sich aufzunehmen oder am liebsten ein Teil davon zu werden, sich als Teil davon zu fühlen.

Irgendwann verläßt man diesen Ort dann wieder. Man ist vielleicht ein wenig ruhiger, etwas fröhlicher, man findet langsam wieder zurück ins Leben und fühlt sich durchaus ein Stück gestärkt und gelassener. Das Leben scheint ein Stückchen leichter zu meistern, ein wenig bunter geworden zu sein.

Dieses Erlebnis und die erlebten Gefühle sind die Basis. Eine Grundübung, die man ausbauen und verstärken kann durch Regelmäßigkeit, oder zumindest durch gelegentliche Wiederholung. 

Eine Übung die man nutzen kann für weitere "magische Arbeit" an sich selbst und in manchen Fällen auch an anderen Menschen, vielleicht an Mitbetroffenen der eigenen Situation. 
Eine Übung die man nutzen kann um Fragen zu beantworten zu sich selbst und zum Leben, die man nutzen kann um sich selbst, seinen Geist und seine Seele zu entschlacken, zu stärken und damit zu gesunden. Oder um sie gesund zu erhalten, die Balance zu wahren, was noch wesentlich erstrebenswerter sein sollte als aus einer einmal entstandenen Krankheit wieder herauszufinden... oder nicht ?

Die nächste Stufe besteht wie ich glaube darin, an diesem besonderen Orten in Kontakt mit sich selbst zu treten. Sich selbst zu spüren und auf sich und die innere Stimme zu hören und damit zu erfahren, welcher Teil eines selbst gerade die größte Not hat, oder die dringlichste Nachricht bereithält. Um dann darauf reagieren zu können. Wenn man alle äußeren Einflüsse außen vor lassen kann, weil der Ort Klarheit verschafft oder Ruhe, oder alles Störende verdrängt, um die eigenen inneren Stimmen und Bilder wahrnehmen zu können - und was sie mitteilen möchten.

Und es gibt noch eine weitere Stufe, die sich sicher beliebig weiter verfeinern läßt. Denn wenn man erst einmal die eigenen Bilder und Gefühle erfährt und diese gut kennt, so stellt man irgendwann fest daß es auch Bilder gibt von Situationen und Wesen, die man noch nicht kennt, die nicht aus einem selbst zu kommen scheinen. Bilder, die aufgrund ihrer Selbständigkeit nicht der eigenen Phantasie entsprungen sein können. Wesen, die man kennenlernen und wiedertreffen kann - um sich mit ihnen auszutauschen oder gemeinsam auf Reisen zu gehen und weitere Orte zu besuchen. Und oftmals sogar mit einem besonderen Grund, den es vielleicht erst noch herauszufinden gilt.
Willkommen in der Anderwelt, wo sich die Phantasie verselbständigt und gar keine Phantasie mehr ist. Eine ganze Welt für sich - und nicht nur diese eine !
 



Was sind das für besondere Orte, was käme denn in Frage ?
 

Da gibt es ganz viele allgemeine Beispiele, die ich nennen würde. Einige besondere Orte möchte ich aber auch konkret in weiteren Texten vorstellen. Das sind dann meist öffentlich bekannte Orte, aber mit recht privaten Erlebnissen. Die ganz privaten Orte kann ich ja wenigstens umschreiben oder andeuten :-)
 

Einer meiner Lieblingsorte zum Herunterkommen und Nachdenken, zur Ruhe zu kommen ist - so seltsam das klingen mag - die Toilette, das heimische Klo. Dort habe ich Ruhe, niemand kommt mir zu nahe, meine abwehrende Duftmarke ist gesetzt und wenn ich will kann ich dort gemütlich Zeitschriften lesen und natürlich die Tür schließen. Klingt das vertraut und bekannt? Ich glaube, das ist wohl eher ein typisch männliches Beispiel: der Thron. :-) 

Ähnliche, naja zumindest andere denkbare Orte mit ähnlicher Wirkung wären aus meiner Sicht der schattige Platz unter einem alten Baum mit Blick auf das Blätterdach, die wohlfühl-Wiese mit Picknick-Decke oder die Hängematte, schwebend im kühlen Schatten zweier Bäume. Das mag profan klingen, aber hat durchaus seine Wirkung, findet Ihr nicht auch?
 

 

Es entspricht sicherlich eher dem allgemeinen Bild eines besonderen Ortes, wenn ich einen freien, erhabenen Platz schildere. Mit weitem Blick über das Tal, hinter mir der schützende heimische Wald. Ein luftiger Ort, an dem ich mich frei fühlen kann und leicht. Und genauso erhaben wie der Ort ist, so fühle ich mich auch. Erhaben über dem Tal der Menschen, schwebend über ihren Problemen und Themen, und damit auch über meinen eigenen. Dort kann ich mich irgendwann selbst von außen beobachten, über mir schwebend, und erkennen was mich so beschäftigt, mich in meinem Verhalten und meinen Gefühlen beobachten. Mir alle meine Gedanken wohlwollend anhören, bis sie sich erschöpft haben, und es ruhiger wird in meinem Kopf. Das geschieht an Orten wie meinem "Gipfelkreuz in den Bergen", meiner Aussichtsplattform, meinem großen Meditations-Felsen an einem steilen Bergabhang. 


Und dann wäre da noch die stille Quelle im Wald. Der einsame See, das große weite Meer, das rauschend alle Gefühle und Energien neutralisiert, das einen komplett auf Null zurücksetzt angesichts seiner Weichheit, Beständigkeit und Ewigkeit. Der Wasserfall, hinter dem man sich verstecken möchte, der auf einen herabprasselt und unter dem man ewig baden möchte. Das Plätschern und Rauschen, das alle anderen Gedanken wegspült bis nur noch das Hier und Jetzt übrigbleibt, bis nur noch dieser eine Moment gilt. Und das pure, reine Gefühl. 

 


 

Oder die stille und dunkle Grotte, die einsame Höhle unter einem Felsvorsprung. Die verlassene Burgruine mit ihren Efeu-überwucherten Toren und dunklen Ecken. Der hohle Baum, der Dir einen sicheren Unterschlupf bietet. Die Wurzeln eines alten Baumes, die Dich Umarmen und in Sicherheit wiegen für alle Ewigkeit, während Du den starken, kalten Fels spürst auf dem Du sitzt, in den Du hineinversinkst. 
Wo Du Dich von der Welt zurückziehst und versteckst. Wo Du Dich vertrauensvoll der tiefen Erde übergibst, der Urkraft selbst, und ein Teil von ihr wirst. Nichts kann Dir hier etwas anhaben !


 

...und wer genießt nicht die Urkraft des Feuers, erkennt den wärmenden und lebenserhaltenden Aspekt genau so wie den zerstörerischen, verwandlerischen ? Welcher Mensch schaut nicht gern lange Zeit in die Flammen und beginnt irgendwann, Urwesen und Mächte darin zu erkennen? Durch den Blick ins Feuer werden eigene (Ur-)kräfte geweckt und gestärkt. Welcher Mann bekommt da keine Lust, Fleisch darüber zu rösten oder inbrünstig zu rufen wie Tom Hanks in "Cast Away": ICH habe Feuer gemacht!!! - und sich dabei die Brust zu klopfen...? Ein Lagerfeuer bei Nacht ist ein guter Ort für das Element Feuer. Man muß dafür keine Vulkanschlote aufsuchen oder zur Sonne reisen. Das Feuer zieht mich so oder so in seinen Bann und bringt mich zum Nachdenken, zum Meditieren.

Feuerfiguren: ElfentänzerinEngel des FeuersHexe mit Hut und Besen -
oder mit winkendem Kobold auf der Schulter :-)

Und so gibt es viele Orte, die auf unterschiedliche Weise wirken. Manchmal ist es nicht möglich oder auch nicht nötig, diese Orte körperlich aufzusuchen oder zu finden. Wer in der Lage ist, sich solche Orte bildhaft vorzustellen und sich dorthin zu versetzen, kann sich die Kraft dieser Orte, die Kraft der Elemente, zu Nutze machen. Der kann aus ihnen Ruhe, Ausgeglichenheit und Kraft schöpfen. Der kann dort in sich hinein horchen, aber auch um sich herum noch ganz andere Dinge erfahren und erleben. Es ist dabei völlig egal, wie man das dann für sich betrachtet: ist es lebensnotwendiges Element, ein Hilfsmittel oder gar ein Spiel; nennt man es verselbständigte Phantasie oder eine andere Form von Realität, eine nicht-belegbare Realität ?

Im Laufe des Lebens kommen viele Orte zusammen, die ich einmalig gesehen oder wiederholt besucht habe, die besonders einprägsam waren oder mich tief berührt und sogar geprägt haben. Die meisten dieser Orte haben mich gefunden, nicht andersherum. Denn ich habe sie oftmals gar nicht gezielt gesucht, zumindest nicht bei der ersten "Begegnung". Ich glaube, daß mir diese Orte zur rechten Zeit im Leben auffielen und ich nur herausfinden mußte, wozu sie gedacht waren.
An so manchen Ort erinnere ich mich gern, und vor manchen grusele ich mich noch immer. Vielleicht weil ich dort zu viel gefühlt habe oder noch einiges mehr vermutete als ich sah - Dinge, die man nicht kennt oder noch nicht einordnen kann. Aber auch - nein gerade - solche Orte liebe ich, denn sie zeigen, ja beweisen mir einmal wieder, daß da noch so viel mehr ist, als man allgemeinhin zu wissen glaubt. Denn Wissen ist letztlich doch auch nur ein Glaube, oder was meint Ihr ?  :-)


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur