Waldgeflüster

Freitag, 7. Juni 2013

Huflattich, des Wanderers Klopapier...

Im April die Blüten am schuppigen Stiel...
Unsere kleine Sammlung über Pflanzen wächst und wächst! Jedes Jahr kommen weitere kleine und große, schlichte und bunte, wohlriechende und stinkende Freunde hinzu. Bislang habe ich mich auf Gruppen konzentriert wie Lauchgewächse (Bärlauch, Schnittlauch aber auch Zwiebeln, Knoblauch, Porree...), Artemisien (Wermut, Beifuß,...), Salbei-Arten (-öhm- Salbei und ...Salbei), Hahnenfußgewächse (Buschwindröschen, Scharbockskraut...) und Nachtschattengewächse (Tollkirsche, Alraune, Tomate, Kartoffel,...). 

Heute geht es zum ersten mal um eine neue Gruppe, nämlich die der "Astern", oder "Aster-Artigen". Das sind allesamt Pflanzen mit wunderschönen sternchenförmigen Blüten, woher auch deren lateinischer Gruppenname rührt: der Wortstamm "Aster-" bzw. das griechische "asteri" steht nämlich für "Stern". Als Anekdötchen am Rande steht der künstlich-keltische Name Asterix also für den Star der gleichnamigen Comic-Geschichten. Ganz streng genommen, aber wohl unbeabsichtigt, sogar für den Stern-König dank der keltischen Königs-Endung -rix, vergleichbar mit dem lateinischen "rex" !

Von allen Aster-artigen mag ich die Margeriten und Gänseblümchen besonders gern, aber natürlich auch die Sonnenblumen (hey, die Sonne ist auch ein Stern ;-)  ) und viele mehr.

Ja aber warum schreibe ich dann ausgerechnet über den Huflattich? Man könnte sagen mir war einfach danach - denn hat er einen ziemlich kuriosen Aspekt und paßt in mein Kuriositäten-Kabinett fast genauso gut hinein wie der Schachtelhalm, über den ich zuletzt erzählte.

...ab Mai dann die immer riesiger werdenden Blätter,
die aussehen wie Bronchien -
zumindest laut Paracelsus' Eselsbrücken-
*äh* Signaturen-Lehre
Denn auch der Huflattich zeigt - ganz untypisch - zuerst seine wunderschönen Blüten mit den ganz vielen feinen gelben Blütenblättern an einem urtümlich wirkenden, schuppigen Stiel. Und dann erst werden die großen, ledrigen Blätter ausgebildet.

"Klassen-Erster!" will die Pflanze damit wohl sagen, vielleicht im Überlebenskampf um seine Art. Aber wer weiß das schon genau ?

Der Huflattich findet natürlich eine medizinische Verwendung. Und zwar gelten seine Blätter schon seit Jahrtausenden(!) als Husten- und Schleimlöser. Man sollte ihn allerdings nicht zu lange Zeit am Stück einnehmen. Eigentlich verhält es sich wie immer: wenn möglich sollte die Nutzungsdauer für ein Mittelchen nie länger als 3-6 Wochen betragen, dann sollte dieses ohnehin gewechselt werden um den Körper nicht zu sehr daran zu gewöhnen. Im Falle des Huflattichs wurden Wirkstoffe darin entdeckt, die auf Dauer schädlich für die Nieren seien und sogar krebserregend.
 
Interessanterweise empfahlen die Schüler von Plinius dem Älteren, den Huflattich als Rauch einzuatmen, um Husten zu lösen. Huflattich steckt auch heute noch hin und wieder in Kräuterzigaretten für all diejenigen, die sich das Rauchen abgewöhnen möchten.
Ich persönlich nehme Huflattich ganz gern als Basis für Kräutertabak, denn die ledrigen und mit einer flauschigen Unterseite versehenen Blätter glimmen recht gemütlich durch, der Kräutertabak hält damit länger vor als beispielsweise mit Brombeerblättern.
In Kombination mit dem Rotklee, der angeblich krebshemmend wirkt, dürfte der Huflattich auch nicht mehr ganz so schädlich sein.
Huch, mir fällt gerade auf, daß ich dringend ein paar Rezepte oder Zusammenstellungen für Kräutertabak hier einbringen könnte ! :-)


Und zum Schluß gesagt erinnern mich die großen, stabilen und dickfleischigen Blätter mit der flauschigen Unterseite an das allerfeinste 4-lagige Klopapier. So mancher Wanderer in Not hat sicher schon einmal darauf zurückgegriffen, wie ich von irgendwoher irgendwann einmal hörte...


Die sehr flauschige Blattunterseite... recht angenehm
und auch für empfindliche Haut gut geeignet :-)
Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur