Waldgeflüster

Freitag, 5. April 2013

Scharbockskraut - noch so ein Ranunkelding

Ein neues Jahr ist gekommen mit einem neuen Frühling, eine neue Generation von Pflanzen-Lieblingen wächst heran. Wenn auch ein wenig verspätet, dank des ewig langen sibirischen Winters in diesem Jahr. Aber nun geht es ja doch endlich los!

Blühendes Scharbockskraut mit typischer
herzchen-Blattform und leicht sternförmigen
Blütenblättern
Zwischen all den Schnittlauch-Halmen noch früh im Jahr wächst fast zur gleichen Zeit ein weiteres in lange vergangenen Tagen sehr beliebtes Kräutlein hervor: das Scharbockskraut.
Seine Blätter schmecken angenehm fleischig und saftig - und haben eine ebenso angenehme, leichte aber frisch wirkende Säure, die man auf keinen Fall mit der von Sauerampfer vergleichen sollte, sondern eher mit der von Zitrusfrüchten. Denn in den Blättern des Scharbockskrautes findet man recht viel Vitamin C für diese Jahreszeit. Und das sorgt für den leichten Säure-Touch.
Der Name des Scharbockskrautes rührt wie man sagt von der Vitamin-Mangelkrankheit "Skorbut", daher der ähnliche Klang.
Ich stelle mir das so vor: in alten Zeiten, nach langen Wintern, gingen allmählich die Vorräte an Obst und Gemüse zur Neige, oder das eingelagerte Obst enthielt irgendwann kaum noch Vitamine, zum Beispiel wurden Äpfel langsam zuckerig-mehlig, labberig oder verdarben sogar. Dann begann man sich irgendwann besonders schlapp zu fühlen, es wurde im weiteren Verlauf das Zahnfleisch durch Blutungen und Rückbildung in Mitleidenschaft gezogen und im Etxremfall fielen dann sogar die Zähne aus... in solcher Not, so kann ich es mir vorstellen, freute man sich auf den endlich gekommenen Frühling und stürzte sich gierig auf die ersten verfügbaren Lieferanten von Vitamin C, oder vielmehr gesagt den Pflanzen, die Skorbut zu heilen vermochten. 
Und das wäre dann das Scharbockskraut in erster Instanz gewesen. Denn natürlich wachsen im weiteren Jahresverlauf zahlreiche Kräuter und Beeren mit viel Vitamin C nach - aber das wäre dann wohl sicher zu spät.
Junge, saftige Blätter des Scharbockskrautes
ohne Blüten, gleich bei uns hinter dem Haus
am Waldrand auf der Feuchtwiese :-)

Das Scharbockskraut gehört zur Familie der Ranunkel bzw. Hahnenfußgewächse - seine Blüten sehen auch genauso aus wie man es vom Hahnenfuß, von Anemonen und der Sumpfdotterblume kennt, die alle zu "la familia" gehören. Und daher ist auch beim Scharbockskraut Vorsicht geboten! Denn sobald es einmal zu blühen beginnt, produziert die Pflanze neben Vitamin C auch das berüchtigte Proto-Anemonin, dessen Wirkungsweise ich in einem Textlein über Ranunkel schon einmal beschrieben habe. Dann wandelt sich auch der frische, säuerliche Geschmack der Blätter und sie beginnen langsam scharf und immer schärfer zu schmecken.  Das ist natürlich schade, wenn man die Blätter des Scharbockskrautes ernten möchte, die Pflanze aber am liebsten nur an seinen Blüten erkennt. Da hilft nur, die Pflanze im ersten Jahr blühend vorzufinden und zu erkennen und dann im zweiten Jahr die Blätter der frühen, noch nicht blühenden Pflanze an der gleichen Stelle zu ernten. Auch hier ist also der Grundsatz wichtig: "kenne Deinen Wald" :-)

'ne ganze Wiese voll davon... lecker anzuschauen :-)

Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur