Waldgeflüster

Freitag, 8. März 2013

Ostara 2013


Der sanfte Frühling kommt... sanft?

(c) by Elke Baumberger

Wer in letzter Zeit mit offenen Augen durch Feld, Wald und Wiesen gegangen ist, hat bemerkt, dass die ersten Frühlingsboten schon da sind. Schneeglöckchen blühen, morgens wird man wieder von den Vögeln geweckt, ja sogar einen Storch habe ich gestern Abend gesehen.
Die ganze Welt atmet auf und freut sich, dass der harte Winter seine Herrschaft beendet hat und der leichte, sanfte Frühling da ist. Aber ist der Frühling wirklich so sanft? Wir gehen mit schnellem Schritt auf Ostara zu und ich habe mir meine Gedanken über dieses Fest gemacht. Die ersten Gedanken waren: „Fruchtbarkeit, Licht, Fröhlichkeit, etc“. Aber ich habe gelernt, jetzt immer beide Aspekte des Lebens zu sehen. Und da ich in den letzten Jahren viel über das Licht an diesem Fest geschrieben habe, möchte ich mich jetzt der anderen Seite widmen.
Für Strawinsky ist der Frühling z. B nichts liebliches, sanftes oder schönes, sonder etwas Brutales. Das Leben kehrt zurück nach der Zeit des Winter-Todes. Das ist aber keine sanfte Angelegenheit, sondern eine Kraftvolle. Die Pflanzen brechen mit voller Wucht durch die Erddecke oftmals müssen sie sich ihren Weg auch durch die Schneedecke suchen um ans Licht zu gelangen. Die Luft ist angefüllt mit Hormonen die einem fast den Verstand rauben, die einen durcheinander bringen. Die Natur ertrotzt sich ihren Lebensraum zurück. Sie muss dafür Kämpfen! Und sie tut es, ohne Murren und Knurren.

Ich habe mich gefragt, ob diese Zeit deswegen den „Widdern“ im Sternkreiszeichen gewidmet ist. Weil das Leben mit einer unglaublichen Beharrlichkeit und Kraft seinen Weg zurück sucht – aus einem langen, tiefen Schlaf. Und das ist alles andere als sanft. Und manchmal denke ich, dass auch der Mensch, wie der Widder für diese Zeit Hörner brauchen könnte. Den Willen brauchen könnte.
Denn wer kennt das nicht? Man kommt einfach noch nicht aus seinem „Winterloch“ raus?

Für mich ist Ostara ein Aufatmen, eine Befreiung vom langen, schweren Winter. Ich spüre den Frühling in mir und spüre, wie ich wieder „offener“ werde. Das Leben und vor allem das Licht wieder mehr genieße. Oft stehe ich jetzt morgens einfach nur vor dem Haus und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Atme tiiiiief ein und genieße. Das tut nach den dunklen Monaten so unglaublich gut.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Winter mit seiner Dunkelheit eigentlich meine Seelen(aus)zeit ist. Die Seele kommt zur Ruhe und fängt an zu verarbeiten. Man ist der dunklen Seite in sich selbst so nahe wie zu keiner anderen Jahreszeit. Man hat sich daran gewöhnt, über die Wintermonate ruhig zu sein, war in sich gekehrt. Hat über vieles nachgedacht, Entscheidungen getroffen, gekämpft...
Ich habe vor einiger Zeit gelernt, dass man nicht sagen soll: „gekämpft“ aber an dieser Stelle finde ich das Wort absolut richtig! Denn es ist ein Kampf den man mit sich selbst führen muss. Möchte ich mich wieder dem Licht zuwenden oder nicht? Möchte ich mich dem Frühling öffnen oder nicht? Möchte ich altes hinter mir lassen oder eben nicht?
Es ist eine Herausforderung sich jetzt nicht vor dem Leben zu verstecken, in seinem Trott zu bleiben, weiter seinen Problemen hinterher zu trauern, sich selbst zu Bemittleiden, sondern sich dem Leben in all seiner Fülle, Farbe und Pracht zu stellen. Vergangenes zu überwinden, zu vergessen, nach vorne zu schauen und den Frühling BEWUSST erleben. Und sich BEWUSST wieder zurückzukämpfen!
Das wird nicht immer leicht sein, vor allem das loslassen... ich rede aus eigener Erfahrung!!!

Aber machen wir es der Natur nach. Suchen wir uns mit aller Kraft unseren Weg wieder ans Licht.
Lasst uns in der Osternacht die Dämonen, Probleme, dunkle Gedanken, Krankheiten und Sorgen die in uns sind verbrennen. Das geht am besten durch ein großes Osterfeuer und lasst uns die Nacht bewusst erleben und Abschied nehmen von all dem was uns belastet. Lasst uns zuschauen, wie das Feuer mit den „Überbleibseln“ des Winters langsam herunterbrennt und aus einstiger Kraft und Zerstörungswut nur noch eine langsam erstickende Glut übrig bleibt...stellt euch vor das Feuer und spürt, dass es euch nicht verbrennen wird, sondern dass ihr danach noch lebendiger seid als vorher!

Und wenn die Sonne aufgeht, dann lasst uns zur nächsten Quelle gehen und einen Schluck vom frischen Ostara-Wasser nehmen. Frisch, klar und rein, es wird uns vor Krankheiten schützen und uns gut tun! Uns daran erinnern, wie schön das Leben ist!

Ich wünsche euch allen ein sehr tiefes, kämpferisches Ostara!

Blessed be!!!



Ein Winter, so unsagbar kalt
Umarmt mein Kristallherz, so kalt
Doch Frühling, mit fleißiger Hand Sät Blumen und Grün
Über einst totes Land
Und tief in mir schmilzt jedes Eis
Zu Flüssen aus Farben Weder schwarz noch weiß
Und manchmal, da denk' ich an dich
Und plötzlich da fühle ich mich
... ganz winterlich . .