Waldgeflüster

Montag, 4. März 2013

Bodes Galaxis oder M81


M81 - Eine schöne Galaxis mit
leuchtendem Kern und großen
Spiralarmen
Nach ewig, EWIG langer Zeit habe ich endlich wieder mein Teleskop vor unserer Hütte aufgestellt. Es mangelte eben nicht nur an Zeit, sondern auch an Gelegenheit. Regen, Schnee, Nebel, Hochnebel,.... monatelang ging nichts, könnte man sagen. Selbst wenn am Tag der Himmel leuchtend blau war, spätestens mit Sonnenuntergang war die Sicht verdeckt. Von einem "schlechten Seeing" konnte man wirklich nicht sprechen. Eher von "gar keinem Seeing" :-)

Seeing? Ja, so habe ich irgendwo gelesen nennt man das, wenn man in die Sterne schauen möchte und dabei beurteilt, wie gut man die Sterne sehen kann. Bei einem guten Seeing lassen sich auf dem Land oft mit bloßem Auge neblige Flecken neben leuchtenden Sternen erkennen, die auf Sternhaufen, Galaxien und andere Nebel hindeuten. Und das findet man dann mit dem Fernglas oder Teleskop noch besser heraus.

Chi Persei Doppelsternhaufen -
eine Hälfte davon (NGC 888) :-)
Hatte Messier sie übersehen,
oder warum gibt es dafür keinen
Eintrag in seinem Katalog?

Im letzten Jahr war ich unglaublich stolz, meine ersten ganz eigenen Fotos von Nebeln wie M42 (dem Orion Nebel) oder Sternhaufen (Kugelsternhaufen wie M5 oder offene Sternhaufen wie die Plejaden oder Chi Persei) hier einstellen zu können. Aber irgendwann wollte ich doch auch Fotos machen von Objekten, die noch viel weiter weg sind als läppische -zigtausend Lichtjahre, wie die Kugelsternhaufen rund um unsere Milchstraße  - der Galaxis, in der wir uns befinden.


M5, ein Kugelsternhaufen
mit mehreren zigtausend Sternen
(statt nurmehr -zig Sternen
eines offenen Sternhaufens...)


Und gestern habe ich es versucht! Zunächst aber mit (sau-)mäßigem Erfolg. So glaubte ich jedenfalls. Denn anders als bei Sternhaufen und den nahegelegenen Nebeln mit gut erkennbaren, klaren Punkten von Sternen und Strukturen von Nebelschwaden sieht man, wenn man eine Galaxis vor Augen hat ... wie soll ich es ausdrücken ... einen verwaschenen Fleck. Und das wars. Drumherum klare Sterne (aus der eigenen Galaxis), sonst ein unscharfer Klecks. Na super!



Nun gut, habe ich mir gedacht, die von mir ausgesuchte Galaxis M81 ist ein wenig zu weit weg - 12 Millionen Lichtjahre. Ein wenig arg weit könnte man meinen und daher könnten die für einige Galaxien typischen Strukturen, die schönen Seitenarme, eher unsichtbar sein. Versuchen wir es doch stattdessen mit M31, der großen Andromeda-Galaxis, dachte ich mir dann. Die liegt mit 2,5Mio Lichtjahren Entfernung deutlich näher, ist quasi unser Nachbar. Und was soll ich sagen? ...Schon wieder ein verwaschener Fleck. Zwar wesentlich gößer, ein Fleckentferner hätte also viel mehr zu tun. Aber eben doch nur ein Fleck.

Hier ein Foto von jeweils M31 und M81 - den "Flecken"...:


Fleck: Andromeda-Galaxis M31,
aus 2,5 Mio Lichtjahren Entfernung
(20sec Belichtungszeit)

Noch ein Fleck: Bodes Galaxie M81 -
etwas kleiner als M31, weil weiter weg: 12 Mio Lichtjahre
(20sec Belichtungszeit)


Bodes Galaxie - M81 UND M82
im Sternbild "großer Wagen"
Was man durch das Teleskop erkennen kann, wenn man nicht direkt auf den Fleck schaut, ist dessen grobe Form, sein Umriß. Die "M81-Verwaschung" zum Beispiel wirkt eher oval-rundlich, während ihr Nachbar M82 eher eine kurze Linie bildet. Man sagt, sie hätte eine "Zigarrenform". In meinem Suchfernrohr konnte ich beide Flecken sogar gleichzeitig sehen, so dicht beieinander liegen sie.

Ja wo liegen sie eigentlich, M81 und M82 ?
Sie sind im Sternbild  "Großer Wagen" zu finden: einfach die gedachte Linie zwischen den "Radkastensternen" Merak und Dubhe  verlängern, und zwar um den Abstand Dubhe-Merak (na sagen wir den 1,5fachen Abstand)
Dann im rechten Winkel nach rechts abknicken und wieder den 1,5-fachen Abstand Dubhe-Merak weiterführen. Fertig!
Es war trotzdem ein ziemliches Gesuche für mich. Gut, daß die beiden Galaxien so dicht nebeneinander liegen - sobald man im Sucher zwei verwaschene Flecken erkennt, ist man auch schon da...

Ich dachte, daß ein Foto mit langer Belichtungszeit aus dem Fleck endlich ein paar tolle Galaxien-Arme hervorzaubern würde. Aber weit gefehlt! Belichtungen von 1-2 Minuten brachten immer nur wieder Flecken zu Tage - mal heller, mal dunkler. Mehr als 2 Minuten Belichtungszeit waren mir leider nicht möglich, meine Teleskop-Ausrichtung gab an dem Abend nicht mehr her. Das Bild wäre bei noch größerer Belichtungszeit einfach zu unscharf geworden.

Und dann erinnerte ich mich an Artikel und Aussagen aus Astronomie-Zeitschriften und -Foren. Man müsse viele Einzelfotos vom selben Objekt zusammennehmen hieß es. Das "Aufaddieren" der schönsten Aufnahmen brächten nach und nach die sonst allzu lichtschwachen Strukturen hervor.

Das habe ich dann versucht. Und tatsächlich! Es sieht zwar noch grauenvoll aus mangels besserer Kenntnis der Materie, aber hier seht Ihr nun Bodes Galaxie, M81, zusammengesetzt und aufaddiert aus 12 Einzelaufnahmen mit je 20 Sekunden Belichtungszeit:

Najaaaa, etwas grau und verwaschen - aber man
kann die Arme der Galaxis sehen! Bilder "aufzuaddieren"
funktioniert tatsächlich!

Das sieht aus wie eine Zeichnung, ist aber ein Foto...!
Etwas mit dem Kontrast und Farbkurven herumgespielt kann man nun die Arme von M81 ganz prima erkennen. Aus dem "Fleck" wurde doch noch ein Strudel...
Das Bild ganz am Anfang des Blog-Eintrags ist übrigens das End-Ergebnis meiner
Bearbeitungsversuche, mehr konnte ich nicht herausholen.

An den Details arbeite ich noch, aber hey - es wird, ich erkenne Trends :-)
Gibt es eigentlich ein noch geeigneteres Tool als GIMP ? Ich freue mich sehr über Eure Ideen und Anregungen! :-)


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur