Waldgeflüster

Mittwoch, 6. Februar 2013

Der Druidenhain in der fränkischen Schweiz




Ich möchte Euch heute gern von einem weiteren, besonderen Ort erzählen. Wieder einmal existieren keinerlei historisch belegbare Hinweise darauf, daß es sich jemals um einen Ritualplatz oder Kult-Ort gehandelt haben könnte. Nur auf einem der dortigen Felsen habe man eine eingeritzte germanische Rune entdeckt. So schreiben die offiziellen Stellen jedenfalls.

Aber das sind wir ja mittlerweile gewohnt. Kelten, Germanen und viele andere "Naturvölker" nutzten ursprünglich keine Gebäude wie Kirchen oder Tempel, sondern besondere Orte mitten in der Natur. Manchmal konnte man bei Ausgrabungen Opfergaben finden, die die Jahrtausende überdauerten, wie absichtlich unbrauchbar gemachte Waffen und vielleicht auch mal Schmuckstücke. Bei diesen Orten handelte es sich aber meist um Gräber und Grabbeigaben, seltener um Kultplätze wie Seen und Höhlen. Ich würde daher ganz altklug behaupten, daß man an den meisten spirituellen Orten nichts finden kann, das sich bis heute erhalten konnte. In diesen Fällen, den meisten eben, zählt wohl einmal wieder das eigene Bauchgefühl um für sich zu entscheiden, ob der Platz ein besonderer sei oder nicht.

Das ist doch beinahe schon in Süddeutschland :-)
Quelle: google maps
Auf unseren "Pilgerfahrten" zu bekannten, großen und eher öffentlichen Orten, die man auch als magisch bezeichnen könnte, kommen wir nun deutlich weiter nach Süden als bisher. Von Bardsey in Nordwales, Avalon und Stonehenge in Südengland über Sövenpölle und die Externsteine in Norddeutschland zum im Volksmund "Druidenhain" genannten Ort in der fränkischen Schweiz, irgendwo zwischen Bamberg, Bayreuth, Erlangen und Pegnitz.

 
Genauer gesagt zwischen Wohlmannsgesees und Windischgaillenreuth - welch wunderbare und putzige Ortsnamen! Ab dort ist der Druidenhain sogar ausgeschildert. Eine öffentlich in Parkplatznähe angebrachte Ortskarte beschreibt die besondere Felsformation und die Umgebung, in der übrigens zahlreiche Hügelgräber und einige Ringwalle aus lange vergangenen Zeiten zu finden sind. Na wenn das kein guter Hinweis auf die schon damals besondere Stellung des Druidenhains ist, weiß ich auch nicht recht weiter :-)

Die Menschen in jener Gegend haben sich für fast alle Gebilde und Felsen im Druidenhain besondere Namen ausgedacht - oder aus noch weiter zurückliegender Zeit übernommen, wer weiß das schon? So gibt es einen Pult-Stein, den Wächterstein, einen Altarstein, einen Taufstein und noch einige mehr. Sogar einen eigenen Eingang zur Unterwelt glaubt man dort zu haben!


  
Die Felsen in der Formation sind oben abgeplattet und begehbar, aber mit Klüften
und Gräben durchzogen, wie Gänge. Auch diese sind größtenteils begehbar,
wie für eine Prozession gemacht, die zu einem Ritualplatz
oder gar zu "dem" Altarstein führen könnte.

Hier könnt Ihr ein kleines Video sehen, das einige der Felsen zeigt und benennt. Der Eingang zur Unterwelt läge jedoch angeblich woanders als darin gezeigt - was auch meine Meinung widerspiegelt. Ich finde, der Eingang ist hinter einer Felsengruppe etwas weiter entfernt von den Hauptfelsen zu finden, die ich als Druiden-Versammlungs-und Vortragsort bezeichnet hätte, einem guten Platz (von mindestens dreien dort) für ein Eisteddfod :-) Aber vielleicht möchtet Ihr Euch vor Ort eine eigene Meinung darüber bilden ?


Auf jeden Fall ist meiner Meinung nach der Druidenhain eine kleine (Pilger-)Reise wert, denn dieser Ort besitzt für mich eine besondere Ausstrahlung; eine Mischung aus Ruhe und Verspieltheit, aus Wohlfühlen und Ehrfurcht. Man kann dort spielen und klettern, nachdenken und meditieren. Und wohl auch Rituale abhalten, wie es heutzutage offensichtlich noch der Fall ist - und für mich ganz sicher auch schon zu alten Zeiten der Fall war.




Zwar hier und da etwas "vertippt", aber
dennoch ein wunderschöner Spruch
für ein beginnendes (Sonnwend-)Ritual.

Sinngemäß wiedergegeben lautet er:

"Naht in Ehrfurcht
naht in Andacht
und was unhold
bleibe ferne.
Unsre Zeugen
sind die Götter,
stummer Wald
und stille Sterne."


Weiter geht es im Original von
Friedrich Wilhelm Weber:

"Und mag auch die sonnenlose,
dunkle Zeit sich dunkler trüben;
treu der Lehre - treu der Sitte
laßt den Väterbrauch uns üben!"

Dies nur der Vollständigkeit halber,
denn ich finde den ersten Teil des Gedichts
auch wesentlich schöner als den Rest...




Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur