Waldgeflüster

Mittwoch, 2. Januar 2013

Die Externsteine, oder "der Tag danach"

Die Externsteine, eine ganz besondere natürliche Felsformation mit Geschichte und Ausstrahlung.
Könnt Ihr den Menschen erkennen, der oben auf einem der Felsen meditiert ?
Ein weiterer Ort, der von so vielen Leuten in Frage gestellt wird. Waren die Externsteine oder das umgebende Gebiet einstmals ein Ritualplatz ? Konnte oder könnte man ihn als "magisch" bezeichnen ? War das ein heidnischer, naturreligiöser Altar, ein uralter Kultplatz der von christlichen Priestern vor weniger als 1000 Jahren zu eigenen Zwecken umfunktioniert wurde ?  

Wurden die Figuren und Bildnisse auf den Felsen erst von Christen angefertigt, oder haben christliche Steinmetze noch ältere bereits vorhandene Reliefs überarbeitet und in christliche Motive abgewandelt? Wurden die Externsteine als eine Art "Sternwarte" genutzt, ähnlich wie man das von Stonehenge glaubt, weil in einem bestimmten Bereich der Felsen das Sonnenlicht genau zur Sonnenwende durch ein altes, von Hand angefertigtes Loch im Fels auf einen Stein-Altar scheint? Fragen über Fragen, und alle davon so wissenschaftlich, so überaus geschichtlich - und ein wenig oberflächlich... wie ich meine. Denn was sagt das eigene Gefühl dazu? Was kann man spüren, wenn man diesen ach so umstrittenen Ort besucht? Denn am Ende zählt doch nur die eigene Überzeugung und das eigene Gefühl dabei. Und nicht mehr der Weg, wie diese beiden zustande kamen. Oder ?

Für die "nüchternen" Fragen gibt es Wissenschaftler wie Archäologen und andere wissenschaftlich Interessierte Menschen. Die erkunden den Ort auf ihre Weise und können uns dann ja davon berichten. So zum Beispiel erzählt das nachfolgende kleine Video "geheimnisvolles Deutschland" in den ersten 10 Minuten von allen möglichen geschichtlichen Erkenntnissen und wissenschaftlich-plausiblen Antworten zu den Externsteinen:




Als wir im Jahre 2010 am 22. Juni erstmals die Felsformation im Teutoburger Wald besuchten - einen Tag nach der Sommersonnenwende -, stellten sich mir meine eigenen kleinen Fragen. Würde ich dort überhaupt etwas spüren? Würde ich vielleicht das gleiche spüren wie das, was aus Erzählungen anderer Menschen stammt? Was gibt mir dieser Ort, kann ich mich dort vertraut fühlen, komme ich dort zur Ruhe, in meine Mitte, oder spüre ich gar besondere "Umstände", "Energien" oder gar "Wesenheiten"? Also kurz, besitzt der Ort tatsächlich eine besondere Ausstrahlung?


Wie es scheint verlassen sich mittlerweile immer mehr Menschen auf ihr Gespür - oder folgen zumindest verstärkt dem Gespür anderer Menschen :-) Denn die Externsteine waren an besonderen Tagen im Jahr, nämlich an den 8 Jahreskreisfesten, aber insbesondere zur Sommersonnenwende, Beltane und Samhain besonders stark frequentiert. Dann kamen irgendwann so viele Besucher, daß das ganze Areal mittlerweile auch polizeilich überwacht wird, man sagt es wird sogar abgeschirmt, mit Flutlichtern überwacht und die Durchführung von Ritualen irgendwelcher Art strikt verboten. Und trotz der vielen Besucher und der mittlerweile stattfindenden Kontrollen lassen sich viele Menschen nicht davon abbringen, den besonderen Ort dann und wann zu besuchen, ein Ritual abzuhalten und zu musizieren - für sich selbst oder in der großen Gemeinschaft. Zu besten Zeiten steckte die große Waldlichtung, die Wiese vor den Felsen, dicht gedrängt voll mit Menschen. Von überall her erklangen Gitarren, Didgeridoos, Djemben und Gesänge. Kleine Lichter und Feuer wurden entzündet. Letzteres war dann schnell ein Dorn im Auge der Exekutive, die offene Feuer dort schnell untersagte. Das ist sogar verständlich, denn so viele -wenn auch kleinere- Feuer auf einmal sind eher schwer zu überwachen.


Aber genau diese besondere Atmosphäre und Stimmung, die an jenem Ort desöfteren zu herrschen scheint meinte ich sehr stark gespürt zu haben. Ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, an diesem Platz geschehen immer wieder besondere, positive Dinge! Dieser Ort erscheint mir trotz aller Querelen irgendwie "geweiht", egal ob von Christlichen oder heidnischen Priestern - oder Esoterik-Freaks. Ein Platz, an dem man in Verbindung kommen kann mit Gleichgesinnten und mit der gesamten Welt, eingeschlossen der Anderwelt und ihren Geistwesen, und mit sich selbst.


Da, bei Detmold bzw. Horn-
Bad Meinberg, wenige Kilometer
vom Hermanns-Denkmal entfernt
findet man die Externsteine.
Quelle: google maps
Auf jeden Fall wirken diese mitten aus der Landschaft aufragenden, nadelförmigen Felsen schon für sich allein wie etwas ganz Besonderes. Wie ein Platz, an dem ich gerne mal meditieren oder meine Tai Chi-Übungen machen würde. Denn dazu lädt der Ort auf jeden Fall und ganz ohne menschliches Zutun ein. Zum Runterkommen, über die Baumwipfel hinweg schauen mitten im weiten grünen Wald, Energie tanken!
Die spitzen Felsen werden umgeben von einer großen Lichtung und einem kleinen See, das Ganze wiederum von einem großen Wald. Dem Teutoburger Wald, der wohl schon immer sehr bedeutungsvoll war und seinerzeit schon den Germanen viel bedeutet haben muß. Nicht zuletzt, weil diese
wahrscheinlich ganz in der Nähe mehr als drei römische Legionen dem Erdboden gleichgemacht hatten in der Schlacht zum Teutoburger Wald, bei der die Götter ihren Leuten wohl besonders wohlgesonnen waren. Und wo sich die Germanen besonders gut auskannten für ihre "Guerilla-Taktik" im Kampf gegen die Römer...

Ich entschied mich für eine Runde Qi Gong oben auf den Felsen, auf einem kleinen Plateau in halber Höhe, um ein wenig "Orts-Energie" abzubekommen. Oben auf einer der anderen Felsspitzen saß bereits jemand im Schneidersitz und meditierte friedlich vor sich hin, auf den See und den Wald schauend. Wir waren einen Tag nach der Sommersonnenwende bei den Felsen angekommen, und von den Besuchermassen war nicht mehr viel übrig geblieben. Außer dem meditierenden Menschen und uns waren nur noch wenige Besucher da. Vor einer mit Gittern abgesperrten Höhle in Bodennähe saß noch jemand und forderte singend und gitarre-spielend Zugang zur Höhle - er mußte dort schon stundenlang, ja tagelang sitzend zugebracht haben. So etwas in der Art erzählte er jedenfalls singend :-)

Der kleine See grenzt direkt
an die Externsteine
Wir spazierten dann auf einem Weg um den See und die Felsen herum und fanden immer wieder kleine Geschenke und Opfergaben in Form von Kerzen, Steinen und Blumen in Astgabeln, kleinen Höhlungen und auf umliegenden Felsen. Aber von einem großen gemeinsamen Ritual war nichts mehr zu sehen, die Wiese wirkte sehr aufgeräumt und der Zauber der voran-gegangenen Sonnenwende schien vergangen. Und doch irgendwie auch nicht... denn seltsamerweise bewegte ich mich fast die gesamte Wegstrecke ein wenig abwesend, belämmert, wie in leichter Trance. Ich genoß einfach den Wald, die Felsen, das Wasser, die Luft - den gesamten Ort. Irgendwann jedoch auf dem Weg wurden wir -ich kann es nicht besser ausdrücken- gerufen, eingeladen. Still und heimlich lockte eine Lücke im Wald, ein kleiner Durchgang, der dem normalen Wanderer verborgen bleibt, der einfach zu uninteressant wirkt um ihn zu begehen. Meine Frau und ich sahen uns an und ich entschied, auf jeden Fall zu diesem Ort hinzugehen und zu erzählen wie es war - falls es dort etwas gab. Der Weg, ein kleiner schmaler Pfad, ein natürlicher Hohlweg, endete nach wenigen -zig Metern vor einem Baum. Ich freute mich über einen kleinen Haufen aufgeschichteter Steine direkt an der Wurzel des Baumes. Jemand hatte wohl dem Ort ein kleines Geschenk gemacht, ein Stück Aufmerksamkeit und Respekt gegeben. Ich fügte lächelnd und dankbar dem Haufen einen weiteren Stein hinzu. Und dann -auch hier fehlt mir die korrekte Möglichkeit, mich auszudrücken- wurde ich gebeten, mich nach links zu wenden und auf einen anderen Pfad zu gehen, der an dieser Stelle begann und zwischen zwei natürlichen Erhebungen hindurch führte.

Und dann spürte ich es, ganz ganz stark. Freude, Wohlwollen, einen positiven Raum, liebevolle Hingabe - und so groß, ein natürliches Amphi-Theater! Ich als Bäumchen-Umarmer vergoß spontan ein paar Tränchen, so stark hat es sich für mich angefühlt, so überwältigt war ich von dem großen Ritualplatz, der sich versteckt vor der Öffentlichkeit in einer kleinen Talsenke vor mir auftat. Hier mußten am Tage zuvor viele Menschen Altare aufgeschichtet haben. Die hinterlassenen Geschenke und kleinen Opfergaben waren noch überall an den Altaren, Steinkreisen, Runenstöckchen usw. abgelegt. Und man konnte spüren und sehen, daß unterschiedliche naturnahe Gruppierungen und Glaubensrichtungen hier zusammenfanden und die Sonnenwendfeier zwar jede für sich, aber doch gemeinsam begingen. 



Etwas so Schönes, Starkes und Liebevolles habe ich selten erlebt - und eigentlich wollte ich nie davon erzählen, um es womöglich nicht kaputtzumachen. Aber was solls denn - ich spinne doch nur herum, und mir tat es gut das Erlebnis endlich in Worte zu fassen und es dadurch noch einmal intensiv nacherleben zu können. Obendrein ist das, was ich dort sah und erlebte - wenn auch erst einen Tag danach, einen Tag nach der Sommersonnenwende - aufgrund stärkerer Kontrollen und Verbote meines Wissens mittlerweile gar nicht mehr möglich. Dann hätte es vielleicht doch etwas Gutes, diese Eindrücke und Bilder zu teilen und somit zu erhalten.

All die Eingangs genannten Fragen würde ich auf eine einzige Frage zusammenfassen. Auf die für mich wesentliche, vielleicht sinnvollste Frage: sind die Externsteine ein Kraftort ? 
Ich würde diese Frage für mich mit einem klaren "JA" beantworten. Und dabei ist es mir egal ob dieser Ort erst kürzlich und durch Menschenhand zu einem Kraftort gemacht wurde, ob durch Christen, "Heiden" oder "Esos", oder ob er schon immer ein Kraftort gewesen ist. Das wären dann doch nur wieder die üblichen streitbaren Details. 
Oder was meint Ihr ?


Auf dem Weg zu den Externsteinen.
"Los, Fuchur, flieg !!"
(pssst, falsche Richtung!)

Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur