Waldgeflüster

Dienstag, 23. Oktober 2012

Samhain 2012




Als ich heute Morgen zur Arbeit fuhr, bot sich mir ein traumhaftes Bild. Es fing langsam an zu dämmern und der Himmel war in die schönsten Farben getaucht. Dicke, breite Nebelschwaden lagen noch auf der Welt.
Als die Sonne langsam aufging, strahlte sie matt und müde durch den Nebel und tauchte alles um mich herum in ein magisches rötliches Licht. Eine magische Welt...
Fast unwirklich war, was ich sah und spürte ... ich musste mich selbst zwicken um sicher zu gehen, dass ich nicht träume.
Und dann fiel es mir ein.

Samhain.
 Mein Wald eine Woche vor Samhain- eine andere Welt
In der Nacht zum ersten November hebt sich der Vorhang zwischen Tod und Leben. Beide Welten verschmilzen miteinander. Für diese eine Nacht.
Wenn ich mich an das Bild von heute Früh erinnere, kann ich sofort glauben, wie unsere Ahnen auf dieses Bild der verschmelzenden Welten gekommen sind. Auf das Gefühl von Samhain.
Mich hat es an ein Gedicht erinnert, welches ich vor langer Zeit gelesen habe. Ein Gedicht einer Hexenschwester. Ich finde es sehr passend und es bringt mein Empfinden von heute Früh auf den Punkt:


Das Blätterdach es wiegt sich sacht im Windeshauch,
der Nebel steigt auf - der eisige Rauch.



Rauch der Feuer der Herzen die brennen,
Seelen die feiern, singen und rennen.

Schnell geschwind mein Menschenkind,
sing mit uns im rauschenden Wind.

Sing mit uns im Elfenklang,
tanz mit uns die Nächte lang.

Wieg dich sanft im Mondenlicht,
höre die Banshee die zu dir spricht.

Durchbreche den Schleier der Illusion,
verspotte die Zweifler mit ihrem eigenen Hohn.

Gib dich nun hin der Mondenkraft,
trinkt mit uns vom süßen Saft.

Saft des Lebens das immer währt,
Saft der Geburt die uns stetig nährt.
Saft der Erkenntis - bittersüß.

Oh mein Menschenkind komm nun geschwind,
tanz mit uns, sing mit uns, flieg mit uns im Nebelwind.

Sei ein Teil von uns wie damals schon,
verspotte die Zweifler mit ihrem eigenen Hohn.

Eins wir sind in der Heiligen Nacht,
Eins mit dir - mit jedem der mit uns lacht.

Kommt nun geschwind ihr Kinder der Nacht ...
Kommt den Samhain hat uns zusammengebracht!


(Adeline)

Alte Bräuche ranken sich um dieses Jahreskreisfest.


Bräuche zu Samhain:

  • Die Gräber der Verstorbenen werden nach diesem Tag in Ruhe gelassen
    - Für die Ahnen werden Kerzen und Räucherungen aufgestellt.
    - Die Gräber werden besonders geschmückt.
    - Für die herumziehenden Geister kann Essen und Trinken rausgestellt werden, um sie zu ehren und um ihnen “eine kleine Stärkung” zu geben.
    - Samhain ist eine besonders gut geeignete Zeit für Prophezeiungen und Orakel. Hellsichtige Menschen sind besonders empfänglich, da die Grenzen zur Anderswelt nur dünn sind.
    - Viel Vieh wurde geschlachtet. Alles, was bis zum nächsten Frühjahr eh nicht überleben würde.
    - An Halloween ziehen die Kinder, meist gruselig verkleidet, durch die Straßen, klingeln an den Häusern und bitten um Süßigkeiten. Dieser Brauch kommt aus Amerika und hat sich auch hier schon etabliert. Ich finde das eigentlich ganz nett. Die Kinder symbolisieren die Geister (die viele nicht wahrnehmen können oder wollen). Die Süßigkeiten sind “Ersatz” für die Stärkung, die man den Geistern einst herausstellte.
  • Für Bauern und Kräutersammler bedeutet dieser Tag auch das Ende der Sammel- und Erntezeit, nach Einbruch des Sonnenunterganges darf auf Feldern, Wäldern und Wiesen nicht mehr geerntet werden, alle Früchte, alles Eßbare und Nutzbare gehen jetzt in den Besitz der Naturgeister über.
  • Zu Samhain muss die Wintersaat im Boden liegen, das Holz und die Brennstoffe für die Beheizung im Winter muss am oder im Haus untergebracht sein.
  • Das Vieh muß von den Sommerweiden in den Stall zurückgetrieben sein.
  • Samhain ist aber auch die Zeit des Abschiedes, zu dieser Zeit sind die Mauern zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten dünn. In der magischen Nacht zwischen dem 31.10 und dem 01.11 sind die Gesetze von Natur und Raum aufgehoben. In dieser Nacht wird den toten Ahnen Ehre erwiesen und Gastfreundschaft gezeigt. Gebete verrichtet und Nahrung geopfert.
  • Ein Brauch besagt, das in dieser Nacht die Türen nicht verschlossen werden um den verstorbenen Ahnen Gastfreundschaft zu erweisen, zusätzliche Gedecke werden aufgelegt und zusätzliche Stühle werden aufgestellt.
  • Der erste Hahnenschrei am Morgen des 1. November ruft die Geister wieder in ihr Reich zurück. Bis dahin ist es allerdings nicht ratsam, sich in dieser Nacht nach Schritten umzuwenden, die Toten behalten einen sonst bei sich.
  • Man stellt eine Kerze ins Fenster, damit die Geister der Toten sich nicht verirren und den rechten Weg heim finden.


Ich bin heute Morgen auf einen Waldweg gefahren und habe angehalten und ich habe das Gefühl und die Bilder in mich aufgesogen. Habe mich BEWUSST umgesehen...

Es ist der Beginn der stillen Zeit. Alles ist nach innen gewandt. Die Pflanzen sprießen nicht mehr, Ihre Kraft hat sie verlassen. Die Blätter an den Bäumen sind wunderschön verfärbt. Der Wind, der jetzt so kräftig und oft weht, erzählt ihnen Geschichten vom „neu werden“ und nimmt die alten Blätter einfach mit. Trägt sie hinfort.
Plötzlich ist es still! Und wir haben das Gefühl, dass plötzlich alles schläft. Nur der Wind erzählt immer noch seine Geschichten. Und wenn wir genau hinhören, könnte man meinen, dass es unsere Ahnen sind, die uns ihre vielleicht schon längst vergessene Geschichte erzählen wollen. Hört genau hin!



Und egal wo oder wie ihr Samhain verbringt, versucht einmal nicht nur an das Kommerzielle Helloween zu denken, sondern an eure Ahnen... und an ihre Geschichte... und somit auch eure Geschichte. Denn ihr seid Teil von ihnen!




Wir sind nun zwischen den Welten, wo Tag und Nacht, Zukunft und Vergangenheit, Leben und Tod eins sind.”


Blessed be!

Eure Fenni