Waldgeflüster

Sonntag, 14. Oktober 2012

Pilze selbst suchen Teil 4 (Pilz-Impressionen 2012)


Nicht nur Ringe, sondern auch mal Fragezeichen :-)
Der absolute Pilz-Höhepunkt ist in diesem Jahr wohl an diesem Wochenende erreicht worden - und wie ich meine nicht nur für dieses Jahr. Denn schon seit vielen Jahren habe ich nicht mehr so viele Pilze auf einem Haufen gesehen! Wunderschön anzuschauende Teppiche und Hexenringe aus Pilzen, teilweise komplett durcheinander wachsend, schmücken den Waldboden.

Manchmal wußte ich gar nicht recht, wohin ich treten soll ohne dabei einen Pilz zu erwischen :-)
....und viele schöne Farben!

Nicht alle Pilze sind zum Essen bestimmt, das ist jedem klar. Manche sollten besser nur bestaunt oder fotografiert werden. Von einigen eßbaren Pilzen habe ich in der Vergangenheit erzählt - nun haben wir davon weitere Fotos für Euch gemacht, gewissermaßen als Erinnerung. Viele der schon früher einmal genannten Pilze sind gerade in diesen Tagen besonders häufig vertreten. Vielleicht reizt es Euch ja auch, einmal auf Foto-Safari zu gehen oder gar einige Pilze zu sammeln ?


Da, ein paar Reizker... aber nicht der
kleine in der Mitte :-) Weitere Bilder und mehr Text
stehen im Artikel "Pilze selbst suchen Teil 2"

Zum Beispiel die leuchtend orangenen Reizker... egal ob Tannen-, Fichtenreizker oder "echte" Reizker - die stehen gerade überall herum. Immer nur schön darauf achten, daß roter Saft beim Schneiden austritt und kein weißer: Weil dann handelt es sich um Birkenreizker und die sind nur sehr schwer zu verdauen.


Im Artikel "Pilze selbst suchen Teil 2" erwähne ich die Spargelpilze, auch Schopftintlinge genannt. Die schmecken wirklich ein wenig wie Spargel. Zur Zeit findet man sie am Wegesrand im Wald in allen Altersstufen: vom weißen Knubbel über schwärzende Ränder bis hin zu komplett zu "Tinte" zerfallenen Exemplaren ist alles vertreten. Aus der Gruppe der Tintlinge sind die Spargelpilze diejenigen, die am liebsten gesammelt und gegessen werden.


Ein gerade noch junger Spargelpilz. Das verfärbte Gewebe am unteren Hutrand bitte einfach wegschnippeln: denn je dunkler, desto bäh.Dieser Pilz ist schon nicht mehr verwendbar. Das reife Fruchtfleisch beginnt, wie Tinte herabzutropfen. Daher der Name der Art: "Tintlinge".Spargelpilze im höheren Alter. Sieht nicht mehr sehr appetitlich aus. Normalerweise kann man den Stiel des Pilzes noch länger verwenden, er sieht sogar aus wie Spargel. Hier geht das aber beim besten Willen nicht mehr...


Die Bovisten sind eine andere Gruppe von leicht erkennbaren Pilzen, die viele Leute aber lieber stehenlassen.  Denn manche Bovisten sind immer unappetitlich (z.B. Kartoffelbovist), manche erst im fortgeschrittenen Alter. Am besten, man schneidet erst eine der weißen kleinen Kugeln auf und schaut nach. Ist das Fleisch nicht weiß, sondern dunkel verfärbt, kann man die drumherum stehenden Verwandten einfach stehen lassen. Und den Anschnitt auch - für die anderen Pilzesammler :-)


Flaschen-Bovisten: hellweiß, geformt wie Glühbirnen (oder antike Korbflaschen) und mit "krümeligem Gekröse" obendrauf unverkennbar! Sind die Kugeln gefühlt relativ fest, kann man sie auch ohne Schnitt-Test mitnehmen.Etwas ältere und damit weichere Exemplare. Schon leicht angebräunt sollte man sie besser stehen lassen und auf die nächste Generation warten :-)Irgendwann bildet sich in jedem Bovist in der Mitte ein Loch, durch das die Sporen in einer Wolke entweichen können. Puff !

Die richtig schnuffig anzuschauenden Fliegenpilze sind natürlich nicht für den Verzehr gedacht. Sie sehen wundervoll aus mit ihrem purpurroten Kopf und den weißen Pünktchen obendrauf. Sie gehören wohl zu den alten "Hexenmittelchen" und waren womöglich ein Bestandteil von Flugsalben und Berserker-Tränken (wie auch die Nachtschattengewächse). Daher gehören sie eher zu den "Magic Mushrooms" oder Zauberpilzen als zu den essbaren. Der Fliegenpilz gehört zur Gruppe der Wulstlinge / Amanitae (wie z.B. Pantherpilz und Knollenblätterpilz); diese Gruppe bildet neben den zahlreichen Vertretern der Gruppen der Kahlköpfe (Psilocybe) und der Düngerlinge die "psychoaktiven Pilze unserer Heimat" :-) 
Über Wirkstoffe und Inhaltsstoffe der Fliegenpilze gab es in der Vergangenheit sehr widersprüchliche Aussagen. Aber wen kümmert es, denn nach dem Betäubungsmittelgesetz (BTMG) darf man ohnehin keinen dieser Pilze für den Eigenbedarf anwenden. Internetseiten über Inhaltsstoffe und Anwendung finden sich ja ohnehin zu Hauf, zum Beispiel auf wikipedia - also beschränken wir uns hier und jetzt auf den ästhetischen Teil....


Ein riesiger (halber) Hexenring aus Fliegenpilzen jeden Alters. Wun-der-schön !!

Frei nach Hoffmann von Fallersleben
(Das Original-Kinderlied beschreibt eigentlich die Hagebutte...)

Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem purpurroten Mäntelein.

Das Männlein steht im Walde auf einem Bein
Und hat auf seinem Haupte weiß Pünktlein klein,
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit den kleinen weißen Pünktelein?


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur