Waldgeflüster

Mittwoch, 5. September 2012

Mabon 2012 - Herbst Äquinox - Tag- und Nachtgleiche





Spürt ihr es auch schon? Der Sommer geht so langsam vorbei. Langsam färben sich die Blätter an den Bäumen und die Zugvögel machen sich bereit. Morgens sieht man die Nebelfrau eifrig ihre Tücher über die Täler ziehen. Die Nächte werden kälter und schon kommt mit festem Schritt das nächste Jahreskreisfest auf uns zu. Die Tag und Nachtgleiche, Mabon.
Zwischen dem 21. und 23.09 feiern wir dieses Fest in der  Tag und Nacht gleich lang sind. Helligkeit und Dunkelheit sind im Gleichgewicht. Aber nur kurz- dann übernimmt die Dunkelheit entgültig die Macht. Die Sonne scheint jetzt jeden Tag 3 Minuten kürzer.
In der Mythologie ist die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche der Zeitpunkt des Kampfes der Könige. Der alte Sonnengott wird von seinem jüngeren Zwillingsego, dem Gott der Dunkelheit, getötet. Die Göttin steigt in die Unterwelt hinab, um sich um die Seelen der Verstorbenen zu kümmern. Am 29.09 wird daher auch traditionell bei den Germanen das „Thing“ abgehalten. Dort wurde alles geklärt, was man nicht als belastendes mit in die dunkle Jahreszeit nehmen wollte. Aussprachen wurden gemacht.
Die Ernte ist nun nach harter Arbeit für den Winter eingelagert und die Menschen bedanken sich bei den Göttern mit Opfergaben. Man feiert die Fruchtbarkeit der Erde und die Fülle der Ernte. Zu diesem Fest wird traditionell die Erntekrone gebunden, sie ist das Symbol des Tages. Abends werden Feuer angezündet und Met oder Wein getrunken. Das traditionelle Kartoffelfeuer ist ebenfalls ein alter Brauch. Man verbrennt das Kartoffelkraut auf den Feldern und röstet einen kleinen Teil der geernteten Kartoffeln in der heißen Asche.
Traditionell werden zum Fest die Gelübde der Hexen erneuert. Es ist also an der Zeit sich Gedanken zu machen, darüber was wir sind und wohin wir wollen. Was wir als unseren „Eid“ abgelegt haben und was wir ändern möchten. Dies ist auch der Tag, an dem seit alten Zeiten die Hexenbesen hergestellt werden. Besen, die zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche gebunden und geweiht worden sind, haben eine besondere Kraft. Wir sollten auch den Brauch beachten, an diesem Tage den Kessel und die Ritual-Utensilien zu reinigen und sie mit neuer Kraft aufzuladen.
Da sich das Ende des Jahres jetzt sichtbar ankündigt, gilt unser Dank nicht nur der Erde für ihre Fruchtbarkeit, sondern auch all dem, was wir persönlich für uns »ernten« konnten. Wir können z.B. im Ritual ein Band weben oder flechten, in das wir für jedes für uns wichtige Ereignis des vergangenen Jahres einen passenden Gegenstand mit einflechten. Diese Arbeit läßt sich soweit fortsetzen, daß wir auch für die Dinge, die wir uns noch erhoffen, entsprechende Symbole mit in das Band einarbeiten. Diese Dinge werden dadurch in unser Leben »hineingewebt«. Wir meditieren dann über unser fertiges Band, legen es anschließend mit auf den Altar und hängen es nach der Feier irgendwo auf, wo wir es oft sehen.
Wisst ihr, dass man dieses Fest auch Schwellenfest nennt? Man steht an der Schwelle zum Herbst. An der Schwelle zur Dunkelheit. Dunkelheit... als ich diese Worte auf meinen Lippen formte schüttelte es mich. Irgendwie habe ich instinktiv immer Respekt vor dieser Jahreszeit gehabt. Wie übrigens meine Ahnen auch. Ich habe mir darüber viele Gedanken gemacht und plötzlich sah ich ganz deutlich auch meine eigene Schwelle.
Normalerweise denkt man, wenn man an den Sommer zurück denkt, nicht an Angst oder Dunkelheit. Was soll einem im Sommer schon passieren? Ich persönlich ziehe mein Fazit aus diesem Sommer mit gemischten Gefühlen. Viel neues habe ich Lernen dürfen, erfahren dürfen, aber auch viele Tränen geweint und viel „dunkles“ erfahren. Eine eigene „Schwere“ und meine eigene "Verletzlichkeit" in mir gespürt...Aber ich mache es wie meine Ahnen. Ich lasse alles negative hinter mir und gehe BEWUSST mit dem RICHTIGEN FUß über die Schwelle in die Dunkelheit. In vollem Bewusstsein, dass die Dunkelheit für mich nicht Zerstörung bedeuten wird, sondern eine Zeit um auszuruhen, zur Kraft zu kommen, abends auf dem Sofa unter einer Decke zu kuscheln und Kerzen anzuzünden. Ruhezeit für meine Seele. Ich lasse diesen Sommer mit all seinen Eindrücken zwar in meinem Herzen, und nehme die Erkenntnisse mit, lasse mich aber nicht mehr davon "beschweren". Nachdem der Sommer mich fast mit seiner Energie verbrannt hat, freue ich mich jetzt auf die Dunkelheit und die Ruhe.
Wie hat mir mal ein weiser Druide gesagt (zu Marcel schielt):" Es gibt kein Hell und Dunkel! Es gibt kein richtig und falsch. Es kommt immer in Wellen!" Und für mich fühlt sich diese Dunkelheit die da jetzt auf uns zukommt besser an, als der Sommer mit seiner feurigen Energie. Ja, ich freue mich auf die sonst so beängstigende Dunkelheit!

Ich habe manchmal den Eindruck, daß für viele Menschen Mabon weniger interessant ist oder als nicht so wichtig gesehen wird. Dabei hat diese Zeit doch etwas ganz Eigenes, fast Verwunschenes...
Das Element Wasser und die Abenddämmerung, bunte Blätter im letzten Abendfeuer der Sonne, die für mich klar für den Herbst stehen, vermitteln einen leisen ruhigen Fluß; gleichzeitig fühlt man sich manchmal auch etwas außerhalb der Zeit.
Wenn dann allerdings mal ein ordentlicher Herbststurm übers Haus hinwegfegt, und der Wind sich mit den fast nackten Bäumen unterhält- jault, dann spürt man, dass Samhain gedanklich näher kommt!
Ich wünsche euch, dass auch auch ihr mit dem richtigen Fuß über eure ganz persönliche Schwelle geht!
Wie auch immer sie aussehen mag!
Ich wünsche euch dafür ganz viel Kraft und Stärke und natürlich auch Freude!
Blessed be!
Fenni