Waldgeflüster

Sonntag, 3. Juni 2012

Was ist ein Druide - und was nicht ?

Seid gegrüßt, Ihr Druiden und Wicca da draußen, Ihr Schamanen und Reikianer, alle Magischen, Zauberischen und natürlich auch alle interessierten Muggel :-)
Heute möchte ich einige Gedanken loswerden, die sich eigentlich nicht nur an "Druiden" oder "druidisch Interessierte" richten, auch wenn ich hier stellvertretend für alle anderen die Druiden herausgepickt habe.

Ich habe mich und mein Tun und Denken schon immer sehr kritisch hinterfragt, eine Weile zurück fast schon selbstzerstörerisch-kritisch. Etwas, das mich immer wieder bewegt, auch wenn sich das Thema langsam bei mir gefestigt hat ist der Gedanke, warum ich mich einen Druiden nenne. Was oder wer mich zum Druiden macht und wer sich sonst noch alles Druide nennt. Oder wer eigentlich so genannt werden sollte obwohl er selbst es nicht tut oder gar will !

Ich möchte Euch hier nicht mit langen Abhandlungen über keltische Druiden quälen. Über deren Auftreten in vergangener Literatur und deren Aufgaben in keltisch-römischer Gesellschaft gibt es bereits zahlreiche mehr oder wenig gute Artikel und Bücher; zahlreich ist dabei noch stark untertrieben!

Mir geht es darum, Euch meine Meinung mitzuteilen und zur Diskussion zu stellen. Ich möchte also keine alte, bestehende Definition bestätigen und auch keine neue Definition aufstellen. Zwar habe ich auf meiner Homepage einstmals einen kleinen Text zu Druiden geschrieben ( http://www.ilfur.de/druiden/html/druidenhowto.html )  - den will ich hier nicht wiederholen sondern lieber ergänzen und ein wenig näher erklären.

Das Thema "Kelten" und "Druiden" wurde vor einiger Zeit zu einem richtigen Boom, einem sehr beliebten Thema. Das konnte man an der auftretenden Zahl von Neuerscheinungen im Buchhandel feststellen, aber auch an der massiv auftretenden Selbstbezeichnung vieler Menschen als "Druiden" oder später "keltischer Schamanen", die sich der Praktizierung alternativer Heilmethoden verschrieben haben.
Es war Mode geworden, sich passend zum aktuellen Thema zu benennen, um Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken und so seine Klientel auszuweiten. Das gilt so ähnlich für alle Mode-Erscheinungen wie den kurz davor und danach auftretenden Reiki-Meistern oder recht aktuell den neuen Schamanen. Viele dieser Leute sind nicht wirklich das, wofür sie sich bezeichnen. Dann läuft man Gefahr, geistig "verbastelt" zu werden, man kann dabei gern in eine Abhängigkeit zu solchen Menschen geraten - Geld gegen Seelenheil!
Wollte ich eine solche Person gezielt aufsuchen müßte ich ebenso erfühlen, ob die Chemie zwischen mir und dieser Person paßt. Manch einer vertraut dabei auf sein Gefühl, mancher auf Diplome und Ausbildungszertifikate, die an der Wand hängen. Beides kann natürlich täuschen, übrigens auch bei sogenannten "renommierten Fachärzten" mit höchst offiziellen, ja staatlich anerkannten Titeln. In körperlichen Angelegenheiten fällt es aber oft leichter, den Arzt zu wechseln...

Die Gegenseite gibt es auch: Nämlich Menschen, die ich definitiv als Druiden bezeichnen würde, sie sich selbst aber nicht. Aus ebengenannten Gründen empfinden es diese Menschen als unpassend, die Bezeichnung "Druide" mit sich herumzuführen: der Titel ist ihnen zu sehr in Verruf geraten, zu verwaschen oder zu klischeehaft. Bin ich nun einer derjenigen, die diesen Namen in Verruf gebracht haben oder ein Rebell, der diese Bezeichnung allem zum Trotz trägt ? Ich würde sagen, daß andere Leute dies jeweils unterschiedlich sehen können und sicherlich auch werden. Ich selbst habe mich aber für den Rebellen entschieden - nach wirklich langem Hin und Her mit mir selbst!

Soweit, so gut. Aber warum glaube ich nun ernsthaft, ein Druide zu sein?

Nun, was halten die Leute denn allgemein für einen Druiden? Meistens geht es doch um bestimmte Charakter-Eigenschaften oder um Dinge, die ein Druide tun oder können sollte. Und was halte ich letzten Endes selbst für einen Druiden, was ist meine Meinung dazu? Also los gehts, beginnen wir mit dem, was in vielen Büchern über die Eigenschaften von Druiden zu finden ist und mir auch von vielen Gesprächspartnern so wiedergegeben wurde:

Druiden waren Gelehrte Leute, bewandert in den Wissenschaften und allgemein "ganz vorn dabei" in Dingen wie Heilkunde, Kräuterkunde, Sternkunde, Philosophie, Metaphysik und vielem mehr. Sie unterrichteten den Nachwuchs ihres Volkes und bildeten ihre eigenen Nachfolger aus. Diese spezielle Ausbildung dauerte nach römischen Überlieferungen etwa 20 Jahre, also prinzipiell ein halbes Leben lang, die damalige durchschnitliche Lebenserwartung berücksichtigend.
Druiden waren die geistlichen Führer ihrer Zeit und Gesellschaft, vergleichbar mit  Priestern, Kardinälen und anderen Elementen der späteren christlichen Kirche. Sie führten religiöse Rituale durch, berieten weltliche Fürsten in taktischen und rechtlichen Dingen und hatten allgemein Einfluß auf das umliegende Geschehen, konnten Kriege verhindern oder anschüren, so daß ihnen auch diplomatische Eigenschaften zugesprochen wurden. Dazu zählte auch die Beherrschung eines oder mehrerer Musik-Instrumente und des Wortes, also der Redekunst, um Stimmungen hervorzurufen und auf Menschen einzuwirken. Druiden waren im wohlwollendsten, mystischsten Sinne auch als weise Philosophen bekannt, als allwissende "Sucher der Wahrheit".

Das ist meines Erachtens der eher oberflächliche Teil der Eigenschaften von Druiden (aber auch Schamanen und Hexen, je nachdem wie man die "geistliche Führerschaft" nun nennen möchte und in welchem Kulturkreis man sich befindet...). Oft werde ich angesprochen mit "hey Du bist doch Druide, Du kennst doch sicher ein Kraut, das...." - das ist glaube ich die allgemeingültigste Auffassung eines Druiden: ich stehe am Kessel und braue irgendwelche Kräutertees -äh- Zaubertränke... naja eigentlich rauche ich das Zeug viel lieber als es zu trinken :-)

Nun was soll ich sagen - diese oberflächlichen Kriterien erfülle ich meiner Meinung nach allesamt ! Ich bin Software-Experte und kenne mich mit "Bleeding Edge" Technologien aus, schwinge tolle Reden und Vorträge um das Vertrauen meiner Kunden zu gewinnen. Ich trommle und singe, ich mochte Mathematik, Physik, Informatik und Astronomie an der Schule (Mit Abitur in Mathematik und Physik) und vieles mehr.
Aber das macht mich noch nicht zum Druiden.
Es gibt sicher sehr viele Leute, die sich zumindest in Teilbereichen deutlich besser auskennen als ich. Mir fehlt in der bisherigen Beschreibung aber ganz klar die spirituelle, nicht-analytische Komponente: das Gefühl, der Tiefgang und vieles mehr.

Wer sich zum Beispiel lange mit Kräutern und Pflanzen auseinandergesetzt hat, dem wird irgendwann auffallen, daß es da mehr gibt als Formen, Farben und Wirkstoffe.
Die Pflanzen-Arten haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede, bilden Gruppen und Familien mit ähnlichen Eigenheiten, ja ihnen scheint so etwas wie ein gemeinsamer Geist oder eine Wesensart anzuhaften. Man kann die Pflanzen, Pilze, Bäume irgendwann beinahe erfühlen und erahnen, welches Wesen und welche Absicht in ihnen steckt wenn man sie an ihrem Ort, in ihrem Umfeld und lebendig vor sich stehen hat. Diese Mystik, dieses tiefe Gefühl klingt für mich schon wesentlich druidischer, denn es hat sowohl eine analytische als auch eine spirituelle Komponente.

Wer lange Zeit seine Reiki- oder Qi Gong- Kung-Fu oder Tai Chi Übungen macht wird ebenfalls eine Art von Lebensenergie, von innerer lenkbarer Wärme erfühlen können, die in jedem Wesen steckt und ausgetauscht, verschickt, geleitet werden kann und vieles mehr. Die oberflächliche Komponente hierbei zeigt sich in körperlicher Stärkung und Gesundung - aber darunter steckt auch hier etwas Mystisches, das noch viel weiter in die Tiefe und ins Detail geht als alles, was man mit dem bloßen Auge beobachten kann ("Es gibt viel mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als Eure Schulweisheit sich träumen läßt").

Auch der religiöse, spirituelle Bereich geht tiefer als ausschließlich Rituale des Jahreskreises abzuhalten, auch wenn diese Rituale vielleicht etwas in den Mitwirkenden und Zuhörern anregen, bewegen oder im hoffentlich positiven Sinne anrichten. Auch hier gibt es eine zusätzliche, tiefergehende Ebene: die der Seelen, der Gefühle von Anwesenden und nicht-Anwesenden, von "Fest-Stofflichen" und "Fein-Stofflichen", die ebenfalls manchmal Heilung oder Beistand bedürfen, einer Art von wohlwollender Anleitung oder liebevoller Führung.

Druide zu sein heißt für mich also viel mehr als die "dreieinigen" Dinge des Körpers, des Geistes und der Seele zu kennen und zu vermitteln (Medizin und Vorbeugung, Fitness und Wohlbefinden, Therapie und "Seelenheil"). Natürlich hat jeder Druide sein Lieblings- oder Fachgebiet, aber in diesem Gebiet besitzt er eine gewisse Tiefe, ein Feingefühl, das über ein übliches Maß hinausgeht. Und zu guter Letzt hat er sich dazu entschlossen, diesen seinen Weg einzuschlagen - wie auch immer er heißen mag.

Meine Ausbildung zum Druiden ist keinesfalls abgeschlossen.  Sie wird es niemals sein. Ich deute die "Zeit der Ausbildung" nicht in Jahren, sondern im übertragenen Sinne wie in einer chinesischen Philosophie (ich glaube im Taoismus) als "sehr lange Zeit" oder auch übersetzt "Kung Fu". Ich sehe mich als Druiden, weil ich mich entschlossen habe, aktiv diesen Weg zu gehen und auf diesem Weg zu bleiben, wohin er mich auch führen wird. Es scheint ein Weg zu sein, der mich durch alle (Lebens-)Bereiche führt aber mit einer besonderen Breite und Tiefe, die jederzeit von denjenigen nachempfunden werden kann, die mit offenen Augen und wachem Geist durchs Leben gehen - unvoreingenommen und unverfälscht. Das kann so ziemlich jeder Mensch sein, oder es kann jeder Mensch glauben es zu sein.

Ich besitze keinerlei Diplome, keinerlei Ausbildungs-Zertifikate. Und ich verlange auch von niemandem, mir in irgendeinem Punkt Glauben zu schenken. Ich freue mich aber wenn man über das, was ich so zum Besten gebe nachdenkt und in sein Gefühl geht und nachprüft, ob es sich gut so anfühlt oder nicht. Es wird längst nicht jeder Mensch mit mir einer Meinung sein, das ist mir absolut klar ! Denn ich bin ja auch nicht einer Meinung (oder einer "Ebene") mit der anderer Menschen.

Ein Anekdötchen am Rande: was mich auf meinen Weg bislang begleitet hat sind die Namen, die man mir gab und zurief. Diese gaben mir in etwa wieder, wie ich wirke und wo ich stehe auf meinem Weg. Sie teilten mir mit, wie ich auf Außenstehende gewirkt haben mag. Vor etwa 15 Jahren sah man mich auf Mittelaltermärkten an und fragte mich, was ich denn darstellen würde - ob das etwa ein Hirte oder sowas sei. Ich antwortete mit "ja, ein geistlicher Hirte". Später dann wurde ich zum Wanderprediger und mehr oder weniger scherzhaft zum Hui-Buh Gespenst ernannt. Mancher brachte mich tatsächlich mit der Geisterwelt in Verbindung, nicht nur scherzhaft gemeint. Viel lustiger waren aber die Leute, die mich nach meinem WOW-Level und nach meiner Rasse fragten, weil es dort ja auch Druiden gibt! Wenn man auf google nach "Druiden" sucht, kommen meistens Seiten und Videos von recht erfolgreichen World of Warcraft (WOW) - Charakteren... :-)
Irgendwann einmal kamen von der Seite Einwürfe und Fragen, ob der Mann, der da liefe, vielleicht ein Druide sei und wenn ja, dass man sich einen "Drubs" denn auch genau so vorstelle. Dann haben sich meine Gestalten weiter gewandelt, vom Jesus der durch das Kaufhaus läuft (schonmal in Gewandung einkaufen gegangen? ist lustig!) über Gandalf dem Weißen bis hin zum mehrfachen Moses war schon einiges dabei - mittlerweile bleibt es doch oft beim fast respektvollen "Druiden", zumindest in Ausbildung, und beim erfolglosen Moses, der es nicht schafft, die Wasser bei einem Regenguß zu teilen und damit besseres Wetter zu schaffen :-)

Es gibt einige Menschen, die ich sehr gerne als Druide bezeichnen würde. Von denen ich sage "ja, DAS ist ein Druide, da kannste mir sagen was Du willst". Menschen, die sich selbst nie als Druiden gesehen hätten und sich auch nicht so bezeichnen würden. Schon allein aus religiösen oder kulturellen Gründen nicht, oftmals auch einfach deswegen nicht, weil sie keinen Wert auf irgendeine Bezeichnung legen und einfach "sie selbst" sind - ihre eigene Marke.
Aber bei diesen speziellen Menschen bleibe ich bei meiner Meinung. Ich nenne sie offiziell "besonders inspirierende Menschen", um sie nicht etwa zu irritieren oder zu beleidigen - je nachdem welches Bild von einem Druiden sie oder ihr Umfeld haben.

Und bei diesen Menschen und noch einigen mehr möchte ich mich nun gerne bedanken. Denn sie haben mir meinen Weg gezeigt, mich darauf gebracht, mich darauf gehalten, mir neue Wege gezeigt und mich vor die Wahl gestellt, welcher dieser Wege eigentlich zu "meinem" Weg gehört:

Beat Oschwald, Burgos von Buchonia, Pater Anselm Grün, Dominik Dupont, der Dalai Lama, Roland und Renie Stieblitz-Obermeier, Wolf Dieter Storl, Theophrastus Bombastus Paracelsus, Hildegard von Bingen, Philipp Carr-Gomm, Hong Li Yuan, Daan van Kampenhout, Choa Kok Sui und vor allem der wichtigsten Person in meinem Leben: meiner Frau und Hexe auf dem alten Pfad Fenni.



Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur