Waldgeflüster

Mittwoch, 2. Mai 2012

Bärlauch, leckeres und gesundes Heilkraut


Eine blühende Bärlauch-Pflanze


Wenn ich gegen Ende April oder im Mai durch den Wald gehe glaube ich manchmal, ich würde auf eine italienische Gaststätte zulaufen, so duftet es um mich herum. Manchmal bekomme ich selbst im Auto das Gefühl, als hätte eine Fabrik irgendwo in der Nähe Unmengen an Knoblauch zu verarbeiten. Nur mit dem Unterschied, daß der Geruch recht fein bleibt. Also nicht, als hätte ich Knoblauch in der Hand zerdrückt und würde dann an ihr riechen sondern viel angenehmer, weicher. Nun, wenn mich genau dieses Gefühl überkommt weiß ich, daß ich an größeren Blütenteppichen von Bärlauch vorbeikomme... schön anzuschauen und unglaublich lecker!

Bärlauch-Pflanzen an einem winzigen Bach

Für mich war es immer eine große Freude, auf Bärlauch-Pflanzen zu stoßen. Meist sind sie sehr gesellig und bilden Gruppen oder gar kleine Teppiche aus Blättern, angeordnet wie Fächer oder Schuppen auf dem Rücken eines riesigen Drachen (ich weiß ich spinne...) - so wie im Bild oben zu sehen.
Doch als ich irgendwann einmal einen ganzen Hang voller Bärlauch gesehen hatte, ja einen ganzen Wald voll davon, war ich absolut überwältigt! Ein duftender Blütenteppich der etwas anderen Art - wegen des etwas anderen Duftes :-)

Ein Bärlauch-Teppich. Ein ganzer Wald voll Bärlauch...
der Berg ist ein grüner Drache, die Blätter sind seine Schuppen!

Wenn es den Bärlauch so zahlreich gibt, warum sammelt nicht jeder Landbewohner etwas davon für den Eigenbedarf ? Nunja, das liegt wohl daran daß man diese Pflanze in der Vergangenheit desöfteren mit dem giftigen Maiglöckchen verwechselt hat... und jedesmal fehlten dann plötzlich ein paar Sammler. Aber keine Sorge, man kann die beiden doch recht gut voneinander unterscheiden!
Wer zum Beispiel brav auf den Geruch der Blätter achtet, kann nicht falsch liegen. Bärlauch duftet einfach zu stark! Bei Maiglöckchen sehen obendrein die Blüten anders aus: weiße Glöckchen am Stiel statt Kugeln aus weißen strahlenden Blüten. Die Blätter von Maiglöckchen sind etwas dunkler und härter als beim Bärlauch. Beide wachsen gerne im Wald bzw. am Waldrand und obendrein zur etwa gleichen Zeit!

Bärlauch hat es gern warm, feucht und trotzdem leicht schattig - Klimabedingungen, die in Norddeutschland in dieser Kombination kaum anzutreffen sind. Daher dürfte Bärlauch im Norden zwar wachsen, sich aber nicht ganz so wohl fühlen. Natürliche Vorkommen in großen Mengen wären dann eher in Süddeutschland vorzufinden.

Eine Bärlauch-Pflanze mit Blütenknospe Ende April

Eine Bärlauch-Pflanze mit Blütenknospen kurz vor dem "Aufbruch".
JETZT hat die Pflanze ihre größte Kraft!

Mehrere blühende Pflanzen. Die Kraft der Pflanze wird nun aufgebracht,
die Blüten zu nähren und steht daher weniger dem "Nutznießer" zur Verfügung.


Von den Wirkstoffen her ist Bärlauch sehr "mächtig". Man könnte ihn als den "großen Bruder" von Schnittlauch (hey, darüber habe ich auch einen Blog-Eintrag geschrieben !) und sogar Knoblauch sehen, was die Menge und Konzentration von Wirkstoffen angeht.
Die scharfen Senföle sorgen wie beim Schnittlauch für eine Verbesserung der Nierenaktivität und daher für die Blutreinigung bzw. Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes. Das enthaltene Adenosin stärkt das Herz und reguliert Herzrhythmusstörungen - wie beim Knoblauch, nur viel stärker! Schwefelhaltige Verbindungen sorgen wie bei den anderen beiden genannten Lauch-Arten für eine antibakterielle, d.h. darmreinigende und daher Blähungen reduzierende Wirkung.
Ich habe für die einzelnen Wirkstoffe eine informative Webseite gefunden, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Auf wikipedia steht leider nicht so viel über Wirkstoffe und Namensherkunft wie hier...:
http://www.forum-naturheilkunde.de/phytotherapie/heilpflanzen/baerlauch.html

Zwei Bärlauch-Rezepte hätte ich da noch:

Ein gutes Bärlauch-Pesto erhält die Wirkstoffe und schmeckt lecker. Einfach wie ein normales Pesto die Blätter des Bärlauchs verwenden (statt Basilikum), d.h. kleinhacken, dann mit Öl und Pinien-Kernen in einem Mörser zerstoßen, bis ein leckerer matschiger Brei entsteht, würzen mit etwas Salz und diesen Brei kalt über gekochte Nudeln geben.

Mindestens ebenso lecker und zumindest teilweise noch gesund wäre eine Bärlauch-Cremesuppe! Ich sage nicht gerne etwas zu Mengenangaben, lieber etwas zu einem "Mischverhältnis": die gesammelten Blätter kleinschnippeln und in einen Topf geben, mit etwas Butter vorsichtig "matschig" werden lassen (nicht verbrennen!). Dann gerade so viel Gemüsebrühe darüber geben, daß die Blätter bedeckt sind und alles ein Weilchen kochen lassen (sagen wir 10min lang). Wer einen besitzt, kann die Blätter nun mit einem Pürierstab bearbeiten, bis eine grüne Brühe entsteht mit nur noch kleinen, etwa Blubb-Spinat-großen Blattresten. Dann ordentlich Sahne darübergeben: in etwa nochmal so viel wie Brühe im Topf verblieben ist. Muskatnuß rundet den Geschmack ab, Salzen nicht vergessen - und fertig ist die Bärlauchsuppe! Wer will kann jetzt noch einmal mit dem Pürierstab durch die Suppe gehen, um einen cremigen weißgrünen Sahne-Schaum entstehen zu lassen. Ein leckeres Baguette dazu oder "Brotchips" in die Suppe, et voila!
Ein ganz besonderes und leckeres Ereignis, das wir uns jedes Jahr zumindest einmal frisch gönnen!

Eine "glückliche" Bärlauchsuppe mit gesalzenen Brot-Chips :-)



Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur