Waldgeflüster

Samstag, 31. März 2012

Schnöder Schnittlauch oder gutes Heilmittel ?

Der dunkle, trübe Winter ist nun endlich vorüber. Ich habe das Gefühl, daß ich die Jahreszeiten von Jahr zu Jahr stärker und intensiver spüre und gerade jetzt merke, wie das Leben mit aller Macht an die Erdoberfläche zurückkehrt. Die Sonnenstrahlen haben wieder Kraft, es duftet nach Erde und nach Leben, und sehr bald schon bin ich morgens wieder betört von den Düften der blühenden Büsche rings um mich und von dem bunten Wirrwar von Vogelstimmen, die fröhlich und -alle zusammengenommen- unglaublich harmonisch klingen, eben ein Frühlingskonzert wie es schon so viele klassische Dichter beschrieben haben - und ich kann so gut verstehen, wie sie das meinten!

Die Natur hat es offenbar so eingerichtet, daß zu Frühlingsbeginn genau die Pflanzen wachsen, die Mensch und Tier gut gebrauchen können, um sich nach dem Winter wieder zu stärken und komplett von innen zu reinigen. Klarerweise benötigen die ersten Pflanzen im Jahr eben diese Wirkstoffe eigentlich für sich selbst, um besser zurecht zu kommen im Kampf gegen Pilze, Bakterien und andere lebensfeindliche Umstände - aber Vegetarier und Allesesser wie wir dürfen natürlich auch davon profitieren!

Eines der ersten Kräuter, die man im frühen Jahr zu sehen bekommt, ist der Schnittlauch. Wie, Schnittlauch? Was hat so ein einfaches Hausgebrauchs-Kraut hier in diesem Blog verloren, wo steckt denn da die Magie ? Ja das ist es gerade - in den einfachen Dingen, in den Details und im Kleinen steckt sie, überall dazwischen. Geradezu magisch finde ich es, wenn Gräser und Wiesen noch braun und flachgedrückt vom nun geschmolzenen Schnee daliegen, noch sehr leblos, und doch - überall wachsen kleine grüne Büschel, fast wie Gras aber etwas bläulicher, kräftig und wie zum Trotz und zum Zeichen, daß es jetzt gleich richtig losgeht mit dem Frühling.

Eine Wiese kurz nach dem Winter - das braune, niedrige Zeug sind Gras und Laub, das Grüne sich trotzig emporreckende ist Schnittlauch!

Die "Halme" sind hohl, und knickt man sie ab sind sie schon saftig und riechen ein wenig wie Knoblauch. Schon nach ein paar Tagen, mitten im März, schmecken sie schnell kräftiger und immer kräftiger bis hin zu einer Schärfe fast wie bei Meerrettich. Ja ich übertreibe nicht - zur rechten Zeit frisch gesammelt schmeckt und wirkt er viel, viel stärker als gezüchtete, im Laden gekaufte Kräuter. Das gilt aber für so ziemlich alle Pflanzen und auch Tierprodukte... es fehlt ihnen "in Gefangenschaft", also außerhalb ihrer eigentlichen Lebensumgebung wohl ein wenig an Leben(-senergie) !
Diese Schnittlauch-Büschel tun einfach nur gut und wecken die Lebensgeister wenn man sie in die Hand nimmt, daran riecht, bewußt darauf herumkaut und sie dann hinunterschluckt. Das erste neue Leben, das man in sich aufnimmt, das einen durchfließt und durch und durch stärkt... vielleicht auch passend als eine kleine symbolische Handlung für ein Ostara-Ritual ?


Auch auf den zweiten Blick: kein Gras, sondern etwas fleischigere, dickere und vor allem innen hohle und stark duftende Halme des Schnittlauchs


Und ja, Schnittlauch wird meiner Meinung nach oft unterschätzt. Ich habe letztens nochmal darüber nachgelesen und ich finde, daß sich während des Lesens sinngemäß bestätigte was ich sonst erfühlte: So ein Schnittlauch scheint unheimlich gesund und "lebensspendend" zu sein. Er enthält viel Vitamin A und sogar noch mehr Vitamin C als eine Zitrone - pro 100gramm. Es dürfte aber bei beiden Vitamin-C-Lieferanten eher schwierig sein, 100gramm davon in sich aufzunehmen. Schon mal versucht? Aber zurück zu den Wirkstoffen: Die in hoher Konzentration enhaltenen Senföle schmecken nicht nur scharf, sie reinigen das Blut und überhaupt befreit der Schnittlauch (das darin enthaltene Allizin) den Darm und die Harnblase von Keimen und Pilzen, stimuliert die Nieren und wirkt insgesamt keimtötend und entzündungshemmend.
Sind Pilze und Bakterien Ursache für einen geblähten Bauch oder ein aufgedunsenes Gefühl werden Blähungen und Magenschmerzen damit reduziert. Es sind also keine modernen Designer - Drogen wie "Activia Joghurt Kulturen" nötig, um das Völlegefühl zu beseitigen. Auch zu hoher Blutdruck läßt sich damit senken, wenn man dazu generell mit dem Gewürz "Salz" sparsamer umgeht.

Schnittlauch ist ein unglaublich gutes Heilkraut und ein idealer Begleiter für eine Frühjarskur nach einem dunklen Winter;
eine tolle frische Zutat für einen Frühlingskräutersalat aus Wiesenschaumkraut, Gänseblümchen, jungen Löwenzahnblüten und -Blättern und was man sonst noch so findet, bestreut mit Sonnenblumenkernen aus dem letzten Jahr :-)

Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur