Waldgeflüster

Sonntag, 5. Februar 2012

Pilze selbst suchen Teil 3: Riesenschirm-Pilze

Tja, der Winter hält uns nun doch noch etwas länger auf. Das heißt für mich daß meine Kräuter noch ein Weilchen schlafen dürfen. Und für Euch heißt das, daß ich Euch noch ein Weilchen mit Texten zu Pilzen quälen werde. Ja in mir steckt wohl ein kleiner Sadist...

Also wen es interessiert dem erzähle ich von einer weiteren Pilz-Art, die man gefahrlos sammeln kann: den Riesenschirmlingen. Die heißen so, weil sie wirklich große Schirme haben, die sich wunderbar vom Stiel abknicken lassen und paniert gerade so in eine Pfanne passen(!). Meine Frau meint, die schmecken wie Fischstäbchen und daher heißen sie bei uns einfach Fischstäbchenpilze... na zumindest scheinen sie reichlich eiweißhaltig zu sein...

Eigentlich meinen wir mit unserem "panierten Fischstäbchen" den Parasolpilz. "Parasol" wird von den Lateinern und Franzosen der Sonnenschirm genannt (Parapluie der Regenschirm wenn ich mich recht erinnere) - das sagt Euch sicher etwas über die Größe des Schirms aus.

Ein Parasolpilz. Darunter haben gleich mehrere Gnome und Zwerge
ein schattiges Plätzchen ! 

Er wächst fast überall, ob auf gut gedüngten Wiesen oder im Wald an -gut gedünkten- Stellen. Übrigens auch gerne mitten im dunklen Nadelwald, wo der "weiße Riese" (gibt es das Waschmittel noch? Ich werde alt...) besonders gut auffällt. In Norddeutschland wächst er gern auf Moorwiesen oder auf Wiesen, die ordentlich Gülle abbekamen.

Der Pilz hat an der Hutunterseite Lamellen wie so viele andere, aber der Hut ist unverkennbar, denn neben seiner Größe ziert ihn ein schön anzuschauendes Schuppenmuster!



Das schöne Schuppenmuster des Parasolpilzes. 


Andere Vertreter der Riesenschirmlinge sind ebenfalls eßbar und auch sie haben unverkennbare Schuppenmuster auf der Oberseite des Hutes - zum Beispiel der Safranschirmling. Bei allen gilt: der Stiel ist faserig-zäh; am besten einfach den Hut abknicken und verwenden. Und am liebsten sind recht junge Exemplare zu verwenden, bei denen der Hut noch möglichst fest ist.
Mir ist aufgefallen, daß im höheren Alter die Pilzhüte nicht nur nachgiebiger und zäher werden, auch der Geschmack ändert sich; beim Braten hatte ich schonmal geglaubt, einen leichten Geruch von abgeriebenem Gummi wahrgenommen zu haben, da schmeckte mir der Pilz schon allein wegen der Vorstellung an den Gummi-Abrieb nicht mehr :-( also: jung und knackig ist die Devise.
Auch zu empfehlen: vor der Zubereitung die Haut des Hutes abziehen, schön vom Rand zur Mitte. Dann wird der Pilz nochmal deutlich verdaulicher...

Ein anderer Vertreter der Gattung Riesenschirmling: der Safranschirmling.
Auch er hat ein schönes Schuppenmuster, nur eine andere Färbung. Quelle: wikipedia


Es gibt Gerüchte, daß bestimmte Vertreter der Riesenschirmlinge giftverdächtig seien... ich denke, es liegt eher daran, daß die Schuppen auf dem Hut bei manchen Arten so dick und fest sind, daß man sie nur schwer verdauen kann. Am besten man zieht dem Hut vor dem Braten einfach die Haut samt Schuppen ab. Denn bei älteren Exemplaren kann gerade mit der schuppigen Haut beim Braten (oder Zerreiben der Haut in der Hand) der Geruch nach geriebenem Gummi entstehen... vielleicht ist das ja auch der berüchtigte Giftstoff. Ich hatte bislang noch kein Problem mit den bis zu pfannengroßen panierten Fischstäbchenpilzen :-)

...und gut duften tun sie auch noch!


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur