Waldgeflüster

Samstag, 21. Januar 2012

Pilze selbst suchen Teil 2

Heute will ich ein wenig darüber philosophieren, worauf man noch so achten kann beim Pilze-Suchen. Und das mache ich jetzt möglichst
regelmäßig in Textform bis wir hoffentlich auch dieses Jahr wieder in den Frühling kommen, und ich dann endlich über Kräuter berichten kann :-)

Im ersten Teil ("Pilze selbst suchen") habe ich ja von Röhrlingen geschrieben, über deren Besonderheit, Konsistenz und deren Farben. Damit kommt man schon sehr weit, finde ich - ich habe jedenfalls jahrelang nichts anderes getan als nach Röhrlingen zu suchen, warum etwas anderes tun wenns funktioniert ?

So nach und nach sind mir dabei Eigenheiten aufgefallen, und zwar darüber wo genau solche Röhrlinge üblicherweise anzutreffen sind. Manche Pilze kann man sogar am besten von ihren giftigen Pendants unterscheiden wenn man weiß, wo sie normalerweise wachsen.

Die aller-allerwichtigste Sache überhaupt ist jedoch folgende: kenne Deinen Wald! Oder vielmehr - kenne Deine Umgebung. Im Laufe der Jahre kennt man seine Örtchen und weiß, wo welcher Baum steht, welche Pflanzen wo und vor allem wann wachsen - und das gleiche gilt natürlich auch für Pilze ! "Meine" Reizker hole ich im Herbst fast immer von der gleichen Stelle genauso wie den Bärlauch im Frühling... Gewohnheiten und Rituale sind was Herrliches und geben einem Sicherheit, und das aus mehreren Gesichtspunkten. Man fühlt sich nicht nur daheim angekommen und wohl, sondern man kann auch leichter nützlich von schädlich unterscheiden, wenn man "seine" Orte hat...

Aber nun zurück zu den ganz allgemeinen Orten, an denen Pilze wachsen:
Es gibt ja das berühmte Beispiel, dass leckere und harmlose Champignons den (wirklich!) giftigen Knollenblätterpilzen sehr ähnlich aussehen.
Aber das Gute daran ist, dass es Champignons nicht nur im Wald gibt (Wald-Champignon, Karbolchampignon,...), sondern auch einfach so auf Wiesen: Wiesen-Champignons ! Knollenblätterpilze mögen keine Wiesen, die wachsen eben nur im Wald. Wenn man also Champignons auf Wiesen findet, kann man die gerne mitnehmen.... einzige Ausnahme: haben die "Wiesen-" Champignons einen seltsamen Geruch, fast wie Benzin/Benzol/Phenol, dann bitte doch nicht pflücken: davon wird den meisten Leuten übel. Dann nennt man den Champignon auch "Karbol-Champignon"... ich meine, wer trinkt schon gerne Benzin?

Weißer Knollenblätterpilz, tödlich giftig,
setzt die Leber außer Gefecht!
Quelle: wikipedia


Anis-Champignon -
sieht dem Knollenblätterpilz sehr ähnlich!
Quelle: wikipedia



Auch die Röhrlinge haben so ihre Orte: ich meine herausgefunden zu haben (gegenteilige Meinungen sind sehr willkommen!), daß Röhrlinge gerne im Mischwald leben , eigentlich kaum in reinen Nadelwäldern. Maronenröhrlinge und Steinpilze habe ich trotzdem immer unter Nadelbäumen gefunden - aber eben im Mischwald ! Der auch sehr leckere Birkenpilz sieht aus wie ein Hellerer Maronenröhrling, hat aber am Stiel dunkle bis schwarze Flöckchen - er wächst, wie der Name schon sagt, in der Nähe von Birken. Der Kuhröhrling wächst an helleren Stellen im Wald in der Nähe von Nadelbäumen, und Hexenpilze habe ich meistens im Gebüsch gefunden oder sogar an Grasnarben im Mischwald !

Ich behaupte, daß in vielen Fällen die Pilz-Art eigentlich von der Grundform die gleiche ist. Jedoch beeinflußt der Baum oder Busch, in dessen Nähe sie wachsen, ihr Verhalten oder wie ich es sage ihre "Ausstrahlung". Sie bekommen einen Teil der Eigenschaften ihrer Umgebung oder ihrer pflanzlichen Mitbewohner mit auf den Weg...

Damit möchte ich schon zum zweiten Vertreter der Lamellen-Pilze in meinen Texten kommen; einen, den man kaum verwechseln kann solange man berücksichtigt wo er wächst... Trommelwirbel: ich meine damit den Reizker. Er ist recht oft anzutreffen, wahrscheinlich traut sich mal wieder niemand, ihn mitzunehmen. Das kann wohl daran liegen, daß der Pilz blutet, wenn man ihn pflückt oder sonst irgendwie schneidet oder verletzt: er sondert einen roten, zähen Saft ab und kommt vielen Leuten damit sicherlich sehr verdächtig vor. Aber er ist richtig lecker! Festes Fleisch und kräftiger Eigengeschmack (bis hin zu leicht bitter) machen ihn ideal als Ersatz für Pfifferlinge z.B. auf Fleisch oder gebraten als "Topping" für einen Salat.
Der "echte" Reizker.
Quelle: wikipedia
Ein "real-life-Foto" von einem jungen
und einem "ausgewachsenen" Reizker

Man kann ihn recht leicht entdecken: er ist fast leuchtend orange. Er hat gut sichtbare Lamellen, weil sein Hut sich leicht zu einem Trichter formt. Sein Stiel ist innen recht hohl, und der Hut hat auf der Oberseite etwas, das aussieht wie Jahresringe bei einem Baumstamm: konzentrische, farblich abgehobene Kreise. Das einzige Problem: wächst der Reizker unter einer Birke, ist er sehr sehr schwer verdaulich, man spricht von "leicht giftig". Dann nennt man ihn auch den Birken-Reizker. Sein "Blut", der austretende Saft der anderorts rot gefärbt wäre, ist dann aber komplett weiß! Das sind zwei ziemlich deutliche Merkmale an denen man ihn erkennen kann, meine ich. Wächst der Reizker relativ frei (er mag lichte Nadelbaum-Ecken im Mischwald), ist er wunderbar orange. Wächst er sehr nahe an seinen Lieblingsbäumen, sind einige seiner Hut-Ringe leicht grün ("Tannen- oder Fichtenreizker"). Dann schmeckt er übrigens auch bitterer. Ich nehme immer nur Reizker mit, die möglichst keine grünen Ringe haben...

Spannend ist auch der Fund-Ort des Spargelpilzes, auch Schopftintling genannt: eigentlich immer der Wegesrand im Mischwald, im Grenzgebiet zwischen Gras und moderigen Blättern. Ob der Pilz vielleicht seinen Schwefelgehalt aus der guten Düngung durch Hinterlassenschaften von Vierbeinern bezieht... ? Wer weiß? (Habt Ihr schon mal von Spargel-Pipi gehört nach dem Konsum von Spargel? Das ist mit diesem Pilz nicht anders...)

So, das wars von mir zu einigen Orten, an denen Pilze gerne wachsen - vielleicht mögt Ihr ja Eure eigenen Erfahrungen machen und mir davon  mitteilen ?


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur