Waldgeflüster

Samstag, 7. Januar 2012

Pilze selbst suchen

Möchtet Ihr selbst Pilze suchen und sammeln und seid noch nicht geübt darin, gibt es eine einfache Hilfestellung: Sucht Pilze, die auf der Unterseite des Hutes keine sogenannten "Lamellen" haben. Sucht nach Pilzen, deren Hut-Unterseite aussieht wie ein besonders feinporiger Schwamm. Dieser "Schwamm" kommt dadurch zustande, dass viele kleine eng aneinanderliegende Röhrchen für eine porös wirkende, schwammige Oberfläche sorgen. Wegen dieser Röhrchen nennt man solche Pilze auch "Röhrlinge" - oder in Bayern und Österreich auch "Schwammerln" :-). Unter ihnen gibt es mit Abstand die wenigsten giftigen Vertreter. Die bekanntesten Röhrlinge sind wahrscheinlich der Steinpilz und der Maronenröhrling. Je fester das Fleisch des Pilzes und der Röhren, desto leckerer der Pilz. Deswegen heisst der Steinpilz auch Steinpilz, denn der ist unglaublich knackig! Das Schema geht immer weiter und weicher bis hin zum Goldröhrling und dem Kuhröhrling mit einer sehr, sehr wabbeligen Oberfläche, die beim Braten oder Kochen nur noch wabbeliger wird. Hier empfiehlt es sich am besten, die Röhrchen wegzuschneiden und nur das festere Fleisch des restlichen Pilzes zu verwenden - oder den Pilz einfach stehen zu lassen. Es gibt also auch ungiftige, aber kulinarisch "uninteressante" Pilze...!

Übrigens habe ich noch einen Kommentar zum Thema Giftigkeit: die Bestimmungsbücher und ihre Autoren sind meiner Meinung nach absolut Paranoid. Sie möchten und dürfen nicht verantwortlich gemacht werden, wenn sich jemand einmal den Magen verstimmt weil ein Pilz mal schwerer liegt als er sollte. Also werden auch schwer verdauliche Pilze oder Pilze mit bedenklichen Inhaltsstoffen, die beim Kochen aber komplett zersetzt werden, als "giftig" gekennzeichnet. Das gilt übrigens auch für Pilze, die rein halluzinogene Stoffe enthalten und sonst keine Probleme verursachen...!

Es gibt aber auch unter den Röhrlingen bedenkliche und tatsächlich wirklich giftige Vertreter. Aber die erkennt man selbst als Anfänger!
Wenn ein Pilz eine Schwamm-Struktur unter dem Hut hat und keine Lamellen (das kann man fühlen, den Pilz muss man nicht erst herausreißen oder abschneiden!), dann ist es ein Röhrling. Schonmal gut ! Wenn er dann noch recht unscheinbar aussieht, zum Beispiel mit dunkel- bis hellbraunem Hut und weißem bis beige-braunem Stiel und weißen, beigen oder gelben Röhrchen ist alles gut. Die kann man mitnehmen! 


Ein Maronenröhrling mit "Schwammstruktur". 
Der Name "Marone" kommt von dem kastanienbraunen Hut - wie die heißen Maroni :-)

Wiesenchampignons mit Lamellen 
(übrigens viiiiel geschmacksintensiver als gekaufte)

Hat der Hut oder Stiel hingegen eine rötliche Verfärbung ("signalfarbe" oder "warnfarbe"), ist von der Grundfarbe aber trotzdem eher gesund-braun, kann man ihn nach dem Erhitzen gern essen - aber bitte nicht roh! Das dürfte dann nämlich der Hexenpilz sein (Anmerkung: übrigens egal ob Netzstielig oder Flockenstielig). 
Nur der Satanspilz ist und bleibt richtig tödlich giftig. Aber er sieht auch entsprechend gefährlich aus ! Blaßweiß mit Rot, der Hut kaum breiter als der Stiel, er wirkt schon diabolisch! Finger weg, nicht anfassen, nach dem Anfassen nicht die Finger ablecken und schon gar nicht davon probieren!

Also für Anfänger nochmal der Hinweis: sucht unscheinbare, gesund-braune Röhrlinge; am besten mit festem oder hartem Fleisch. Kein Problem und lecker! Später dann, so in den darauffolgenden Jahren, könnt Ihr Eure Suche ausdehnen auf andere Pilz-Arten - am besten erst die mit hervorstechenden Merkmalen und ohne Verwechslungsmöglichkeit (also NICHT der Klassiker Champignon wegen seiner Ähnlichkeit zum Knollenblätterpilz). Von weiteren Pilzen werde ich Euch noch berichten!

Es gibt natürlich nicht nur Pilze für den Verzehr sondern welche, die wegen ihrer sonstigen Inhaltsstoffe genutzt werden. Hier gilt wie bei allen anderen wild wachsenden Pflanzen auch: die Dosierung ist wichtig. Und sie unterscheidet sich ganz, ganz massiv - je nach Standort, Umweltbedingungen und Region. Das ist nichts, überhaupt gar nichts für Anfänger!


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur