Waldgeflüster

Sonntag, 1. Januar 2012

Klein Ilfur und die Pilze...

Anstelle einer schnöden Auflistung von Speisepilzen mit Foto, Fundort, Verwechslungsmöglichkeiten usw. usf. uvm. dachte ich, es wäre sinnvoll zu erklären, was mich mit Pilzen verbindet und was ich daran so sehr mag - vielleicht hilft das dem einen oder anderen weiter oder bietet zumindest ein klein wenig Kurzweil. Wer weiß ?

Schon als Kind bin ich mit meinen Großeltern im Herbst in den Wald gegangen. Dort haben wir gemeinsam Pilze gesucht, anschließend geputzt, getrocknet und irgendwann auch mal gegessen. Bis zum heutigen Tag sind wir heil und lebendig aus allem herausgekommen, was für ein Glück!
Für mich war das immer etwas ganz besonders tolles, in den Wald zu gehen. Das war wie eine Schatz-Suche, die kostbarsten Stücke waren immer gut getarnt und versteckt. Und wenn man gerade als Kind einige Pilze gefunden hat, die schön aussahen und dann essbar waren und man als Held für seinen Fund gefeiert wurde - was gab es schöneres auf Erden?


Meine gefundenen Schätze
Auch heute noch gehe ich mit besonders großer Begeisterung im Herbst durch den Wald, am liebsten zwischen September und November, wenn die Sonne nach ein paar Tagen Regen wieder hervorkommt. Weil dann sprießen besonders viele von diesen ganz speziellen und hübschen Kreaturen - die ja weder Fleisch noch Fisch noch Pflanze sind und schon immer eine ganz spezielle Rolle in meinem Leben innehatten. Mit Farben und Mustern, wie sie teilweise keine Blume der Welt hervorbringen kann, mit seltsamen Formen wie Knubbel, Knollen, Sterne, Stäbe, Ohren, Bärte, Korallen, mal mikroskopisch klein oder groß wie ein Fels. Nicht nur zum Sammeln, sondern auch zum Anschauen eine wunderbare Sache!
Umso trauriger macht es mich, wenn ich aus Unwissenheit und mit Absicht zertretene Pilze im Wald finde - noch dazu wenn man sie doch hätte essen können oder auch anderweitig verwenden. Diese Ignoranz! Wie schade, wenn ich auf ein Schlachtfeld voller zermatschter und weggekickter Pilze stoße, wo sie doch so wunderschön in flächigen Fächern oder kleinen Familiengrüppchen oder Hexenringen gestanden wären. Könnt Ihr nachempfinden was ich da fühle ?
Aber genug geschimpft! Denn in den letzten Jahren durfte ich feststellen, dass immer mehr Pilze nachwachsen, wahrscheinlich weil sich immer weniger Leute trauen, Pilze zu sammeln. Gründe dafür mag jeder haben oder kennen. Aber somit kann ich mich umso mehr an diesen kleinen Schätzen erfreuen ! Ich muss sie übrigens nicht sammeln oder "besitzen", ich erfreue mich einfach an ihrem Anblick! Aber wenn ich einmal Pilze sammeln gehe, also so richtig mit Körbchen, Messer und manchmal auch Bestimmungsbuch, lasse ich als ehrbarer Waldbewohner immer ein paar Pilze an einem Fundort stehen, um wieder neue Pilze nachwachsen zu lassen. Und ich freue mich so sehr wenn ich welche gefunden habe, dass ich mich für das Mitnehmen beim "Fund-Ort" und den Pilzen bedanke! Das mag etwas schrullig klingen, ich weiss, aber ich bin einfach ein Harmoniebärchen, wie meine Frau sagen würde. Respekt und positive Einstellung gehören einfach zu einer Harmonie mit allem Lebendigen dazu...!
Nun, meine Großeltern sind immer einen ganzen Tag lang in den Wald gegangen - denn je nach Sonnenstand und Ort kann man die Pilze nicht einmal erkennen, so gut tarnen sich manche ! Also befanden wir uns Vormittags erst am einen Berghang, Mittags gabs eine Pause, und Nachmittags ging es zu einem anderen Berghang. Immer die Sonne im Rücken, gewissermaßen. Nun, auf solche Dinge achte ich heute nicht mehr. Ich rieche und fühle, ob ich gerade an Pilzen vorbeikomme; Pilze strahlen einen besonderen Geruch aus! Ihr kennt vielleicht den stark
en Mief von Schimmelpilzen - den meine ich aber nicht! Der Geruch, den ich meine ist viel sanfter, voller und angenehmer und benötigt den leicht modrigen Geruch des Waldes, von Erde und verwesendem Holz, als Grundlage. Ich liebe diese Waldgerüche im Herbst!
Man kann den Pilzen oft nicht direkt ansehen, ob sie essbar sind oder nicht. Zum Beispiel gibt es leckere Schnecklinge mit schleimiger, lilafarbener Haut - eigentlich ein Warnzeichen für jedermann; oder Hexenpilze mit rotem Stiel und braunrotem Hut, die sich beim Abschneiden sofort giftblau verfärben.... und allesamt eßbar sind, zumindest nach dem Braten oder Abkochen. Inzwischen fangen manche Pilze an mit mir gewissermaßen zu reden, sie FÜHLEN sich dann mehr oder weniger giftig an. Trotzdem halte ich es nach wie vor wie meine Großeltern: ich nehme nur mit , was ich kenne. Was mir unbekannt ist, sich aber gut "anfühlt" schlage ich im Buch nach. Mitgenommen wird es meistens trotzdem nicht - alles beizeiten! Nach mehreren Anläufen und wenn ich mir recht sicher sein kann probiere ich das Neue auch einmal aus. Mir genügen die paar Handvoll Sorten, die ich kenne. Meine Großeltern haben sich sogar nur auf etwa 4 Arten beschränkt- Maronen, Steinpilze, Hallimasch und die hier in der Gegend seltenen Semmelstoppel. Und da kam nichts anderes in den Korb!
Nach dem Pilzesammeln wurden die besonders schönen Pilze dann geschnitten und in die Pfanne geworfen, dann mit Brot als Pilzpfanne verzehrt. 



Die älteren und auch wurmstichigen Exemplare wurden gereinigt, in Stücke geschnitten, auf Holz ausgebreitet und in der Sonne getrocknet. Das ergab dann unglaublich gut duftende Trockenpilze, um Soßen zu würzen. Ich hatte dann immer wieder heimlich eins der Einmachgläser mit getrockneten Pilzen vom Regal genommen, geöffnet und einen tiefen Atemzug durch die Nase genommen. Unglaublich lecker!


Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur