Waldgeflüster

Mittwoch, 18. Januar 2012

Sternstunden mit Foto-Finish

Wahrscheinlich hat jeder von Euch schon einmal Bilder vom Weltall gesehen, aufgenommen vom Hubble Space Telescope oder ähnlichen Apparaturen.
Sehr eindrucksvolle Fotos, fast meditativ - für mich aber oft weitab jeder Vorstellungskraft. Was soll denn das Ding sein, das da dargestellt wird? Wo am Himmel soll sich das nochmal befinden, wie groß und Hell ist das Ding da gleich nochmal und woraus soll das bestehen? Fragen über Fragen!

Was ich jedermann unbedingt empfehlen kann ist die eigene "Erdung", das Herunterkommen, innerlich ruhig werden und Meditieren durch genauere Beobachtung des Sternenhimmels!
Gerade in den momentan so kalten und klaren Winternächten kann man die Sterne und das dicke Sternenband, unsere Milchstrasse, besonders gut und in voller Pracht sehen.
Dann stehe ich da, den Kopf im Nacken in den Himmel geneigt und werde dabei immer ganz besonders ruhig und andächtig wenn ich bedenke, wie klein und nichtig wir mit unserem hochtrabenden Tun und Treiben doch sind. Welch unglaublich winziger Teil vom großen Ganzen, das aus so viel mehr besteht als bloßer Materie oder dem, was man sehen und fühlen kann.
Aber doch sind wir eben ein Teil davon, eng mit allem verwoben und keinesfalls über allem erhaben oder gar außenstehende Beobachter. Wir sind eher ausgeliefert darauf hoffend, dass Temperatur, Sauerstoffgehalt und andere Lebensbedingungen keine größeren Schwankungen erfahren. Denn aus kosmischer Sicht haben wir seit vielen Millionen, ja Milliarden Jahren unglaublich, ja fast unwahrscheinlich, stabile Lebensbedingungen gehabt unter denen sich ein kleines, waberndes, unseren Planeten umgebendes Bewußtsein entwickeln und entfalten konnte - nämlich das gesamte Leben auf Erden.

In dieser Stimmung schaue ich mir manchmal durch mein Teleskop einige Himmelsabschnitte etwas genauer an. Dann erfreue ich mich an Formen und Gebilden, die ich mit meinen eigenen Augen zu sehen bekomme und die ich selbst erleben kann ohne sie fertig aufbereitet und vorgekaut vorgesetzt zu bekommen.

Ganz ehrlich, das ist schon eine wundervolle Erfahrung. Ich kann das Sternengucken jedem nur empfehlen der auch sonst gerne einmal verträumt in die Wolken sieht :-)

Diese eigene, für mich sehr kostbare Erfahrung hat nun eine neue Stufe erreicht als ich vorgestern abend allererste Fotos von Himmels-Objekten machen durfte ! 
Wie ein Kind bin ich vor Erstaunen mit offenem Mund dagestanden, unartikulierte Laute der Freude stießen ganz unwillkürlich hervor ("whoa" und "uh" waren noch die harmlosesten), als nach einigen Versuchen endlich die ersten als scharf zu nennenden Bilder auf dem Computer erschienen...

Zwei Bilder, die zustande kamen, möchte ich Euch nicht vorenthalten und für alle technisch interessierten auch gleich ein paar Daten dazu liefern !

Der Planet Jupiter mit seinen Wolkenbändern -
Vergrößerung etwa 100-fach
Belichtungszeit 0,01 Sekunden
Aufnahme vom 16.01.2012


Der Orion-Nebel am Gürtel des Sternbilds Orion, auch M42 genannt -
leicht verschwommen wegen zu grober Ausrichtung des Teleskops
und recht großer Belichtungszeit von 3 Sekunden.
Vergrößerung etwa 40-fach
Aufnahme vom 16.01.2012


Für alle Technik-Interessierten die verwendete Ausrüstung:
Sky-Watcher Spiegelteleskop mit 200mm Öffnung, 1000mm Brennweite
Celestron Stahl-Stativ mit EQ5 Montierung
SynScan Motorsteuerung
QHY5 / ALccd Schwarzweiß CCD-Kamera
Software: Ubuntu Linux 11.10; INDI-Treiber (aus dem linguider Paket) und KStars bzw. Stellarium als Planetariumssoftware